Nikodemus Schnabel im Porträt
Neues Buch des Benediktinerpaters Nikodemus Schnabel

Von Gott bis Sex: Ein Mönch spricht über seinen Glauben und sein Leben

Ordensleute sind aufgrund ihres Lebensstils heute oft bestaunte Exoten. Deshalb werden sie auch immer wieder mit Fragen zu ihrem Leben und Alltag konfrontiert. Der Benediktiner Nikodemus Schnabel hat solche Fragen jetzt in einem Buch zusammengefasst und beantwortet. Ob die Lektüre lohnt, verrät unsere Rezension.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 16.06.2021

Wer heute Mönch oder Nonne ist, wird – zumindest in den weitgehend säkularisierten Ländern des Westens – meist mit einer Mischung aus Faszination und Skepsis betrachtet. Sein Leben im 21. Jahrhundert hinter Klostermauern zu verbringen und gänzlich Gott, Glaube und Gebet zu widmen, ist für viele Menschen schier unvorstellbar. Dementsprechend werden Ordensleute auch regelmäßig mit – mal banalen, mal tiefgründigen – Fragen über ihr Leben und ihren Alltag konfrontiert.

Der Benediktinerpater Nikodemus Schnabel, der einer breiteren Öffentlichkeit vor allem durch sein erstes Buch "Zuhause im Niemandsland. Mein Leben im Kloster zwischen Israel und Palästina" und zahlreiche Medienauftritte bekannt ist, hat 100 solcher Fragen nun in einem Buch zusammengefasst und versucht, Antworten zu geben. In "#FragEinenMönch – 100 Fragen (und unzensierte Antworten)" widmet sich der 42-jährige Ordensmann aus der Jerusalemer Dormitio-Abtei Fragen zu seinem Glauben, seinem Leben und dem Alltag im Kloster. Quasi nebenbei bezieht er aber auch Stellung zu "heißen Eisen" der katholischen Kirche wie dem Zölibat, der Rolle der Frau oder dem Umgang mit Homosexuellen.

YouTube-Video als Auslöser für das Buch

Auslöser für das Buch war ein YouTube-Video mit Schnabel, das im Dezember 2019 veröffentlicht wurde. Auf dem Kanal "Hyperbole" antwortete der Ordensmann damals – ebenfalls unter der Überschrift "Frag einen Mönch" – auf Fragen meist jüngerer und religionsferner Internetnutzer. Das knapp 15-minütige Video wurde bis heute mehr als eine Million Mal aufgerufen und begeistert kommentiert. Der allgemeine Tenor der User drückte sich in Kommentaren wie "Was für ein charismatischer und reflektierter Mensch – einfach spitze!" und "Die katholische Kirche bräuchte mehr Männer mit so einer weltoffenen, ehrlichen und modernen Einstellung" aus.

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Das an diesem Mittwoch im Adeo-Verlag erscheinende Buch ist nun eine Art Fortsetzung des Videos in gedruckter Form. Dafür hat Schnabel Fragen berücksichtigt, die in das "Hyperbole"-Video nicht aufgenommen worden waren oder die ihn seither auf anderem Weg erreicht haben. "Die Fragen im Buch sind alle echt – und nicht etwa am Schreibtisch entstanden", betonte der Benediktiner im Gespräch mit katholisch.de. Während die Kirche einerseits oft Antworten auf Fragen gebe, die niemand stelle und andererseits auf Fragen, die gestellt würden, oft keine Antworten gebe, habe er in seinem Buch authentische Antworten auf authentische Fragen von Internetnutzern gegeben.

Die Bandbreite der im Buch versammelten Fragen ist inhaltlich und vom intellektuellen Niveau her dementsprechend bemerkenswert groß. Neben banalen Fragen wie "Kann ein Mönch Langschläfer sein?" (die Antwort in Kurzform: grundsätzlich ja), "Was trägst du unter dem Habit?" (das ist temperaturabhängig) oder "Bist du tätowiert oder gepierct?" (nein) widmet sich Schnabel auf den 192 Seiten auch tiefgründigen Fragen nach seinem Glauben an Gott, dem Reich Gottes und der Jungfräulichkeit Marias.

Ein Buch für "Menschen außerhalb der Kirchenblase"

Der Duktus von Schnabels Antworten ist dabei – orientiert an den Seh- und Sprechgewohnheiten der Generation YouTube, an die sich das Buch vor allem richtet – stets sehr persönlich und unmittelbar. Dies liegt auch an der Entstehungsgeschichte des Buchs, das der Benediktiner nicht etwa allein im stillen Kämmerlein geschrieben, sondern dem Journalisten und Medienberater Sascha Hellen bei mehreren Videotelefonaten quasi aus dem Stegreif in den Block diktiert hat.

Er habe Lust gehabt, so Schnabel, ein Buch zu veröffentlichten, das nicht stirnrunzelnd und seufzend auf die Kirche blicke, sondern auf lockere Art vom christlichen Glauben und dem Leben als Ordensmann erzähle. "Der Mönch, das unbekannte Wesen, antwortet auf Fragen, die Menschen außerhalb der Kirchenblase bewegen", so der Benediktiner zu katholisch.de.

Bild: © Adeo Verlag

#FragEinenMönch von Pater Nikodemus Schnabel ist im Adeo-Verlag erschienen.

Eine weitere Motivation sei zudem die Erinnerung an seine Zeit in Berlin gewesen, die ihn bis heute nicht loslasse. 2018/2019 arbeitete Schnabel als Berater im Auswärtigen Amt. Die Begegnung und der Dialog mit Nichtgläubigen in der mitunter als "Hauptstadt des Atheismus" bezeichneten Stadt hätten ihn nachhaltig beeindruckt und herausgefordert. "Das Buch kommt auch deshalb – so hoffe ich jedenfalls – nicht mit altklugen Ratschlägen daher. Vielmehr soll man mir mein Ringen und Suchen durchaus anmerken", so der Mönch. Und in der Tat: Bei seinen Antworten auf Fragen wie "Wie kämpfst du gegen Zweifel an?", "Brauchen wir überhaupt Religionen?" oder "Was stört dich an deiner Kirche am meisten?" erlebt der Leser einen durchaus nachdenklichen und reflektierten Ordensmann, der nichtsdestotrotz mit einem klarem Kompass und auf der Basis fester Überzeugungen argumentiert.

Manche Antworten sind allzu kurz und oberflächlich geraten

Seinem Anspruch, unzensierte Antworten zu geben, wird Schnabel trotzdem nicht ganz gerecht. Auf die Frage "Hattest du schon mal Sex?" etwa antwortet der Benediktiner ausweichend mit "Was vor dem Kloster war, spielt keine Rolle." Andere Antworten in dem Buch sind zudem allzu kurz und oberflächlich geraten. Die durchaus anspruchsvolle Frage "Wie kann man etwas glauben, was nicht bewiesen ist?", über die andere Autoren ganze Bücher veröffentlicht haben, beantwortet Schnabel zum Beispiel eher dürftig mit: "Ja, das ist das große Abenteuer im Leben. Alle wollen Abenteuer, alle wollen Action. Ich will sagen: Ja, ich lebe das Abenteuer, von dem alle träumen."

Dennoch: Vor allem für jüngere und kirchenferne Leser dürfte sich die Lektüre von "#FragEinenMönch" lohnen. Die persönliche, direkte Sprache von Nikodemus Schnabel, sein immer wieder aufblitzender Humor und vor allem der unverstellte Einblick in das Leben als Mönch im 21. Jahrhundert heben das Buch wohltuend von "typischen" Kirchenbüchern ab. Gerade in Zeiten, in denen die Kirche sonst fast nur mit Krisen und Skandalen identifiziert wird, kann das Buch eine erfrischend andere Perspektive eröffnen.

Von Steffen Zimmermann

Buchtipp

Pater Nikodemus Schnabel (mit Sascha Hellen): #FragEinenMönch – 100 Fragen (und unzensierte Antworten). Adeo Verlag, Asslar 2021, 192 Seiten, 18 Euro (E-Book: 13,99 Euro). ISBN: 978-3-863-34309-5.