Bischof Bode für Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral
Moraltheologe Kos fordert neue katholische Beziehungsethik

Bischof Bode für Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral

Es gehe nicht darum, die alte Sexualmoral der Kirche komplett über Bord zu werfen, sondern sie weiterzuentwickeln, sagt Bischof Franz-Josef Bode. Moraltheologe Elmar Kos fordert dagegen eine neue katholische Beziehungsethik ohne Verbote und Gesetze.

Osnabrück - 16.06.2021

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode plädiert für eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexuallehre. Es gehe nicht darum, die alte Sexualmoral komplett über Bord zu werfen, sondern sie weiterzuentwickeln, sagte Bode am Mittwoch während eines Online-Fachtags des Bistums Osnabrück zum Thema "Über Sex muss man reden". Er verwies zugleich darauf, dass diejenigen angehört und ernst genommen werden müssten, die an der Tradition festhalten wollten.

Der Moraltheologe Elmar Kos forderte eine neue katholische Beziehungsethik an Stelle der traditionellen Sexualmoral. Die Kirche sollte den Menschen nicht länger Verbote und Gesetze auferlegen, sondern ihnen Ratschläge und Orientierung anbieten, sagte Kos. Die Beziehungsethik müsse die Sexualität als Wert an sich anerkennen. Sie sollte zudem anerkennen, dass es auch "kreative" Formen der Sexualität, also Homosexualität und queere Lebensformen geben könne.

Sexualmoral gehe zurück auf angenommene Naturordnung

Die geltende Sexualmoral gehe zurück auf eine angenommene Naturordnung, wonach Liebe und Sexualität ausschließlich zwischen Mann und Frau möglich und mit der Fortpflanzung untrennbar verknüpft sei, erläuterte Kos, der an den Universitäten Osnabrück und Vechta lehrt. Das widerspreche naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und der Lebensrealität der Menschen. Eine neue Beziehungsethik sollte zwar weiterhin an der heterosexuellen und auf Treue angelegten Beziehung als Ideal festhalten. Eine solche sei "der optimale Entfaltungsbereich für menschliche Sexualität - aber nicht der einzige".

Die Kirche sollte vermitteln, dass ihr die Verbindung von Liebe und Sexualität wichtig ist, forderte der Professor. Darüber hinaus müsse sie aber den Menschen in Fragen der Sexualität die Entscheidung überlassen, wie sie leben wollten. Die Frage, wie die katholische Kirche mit gleichgeschlechtlich Liebenden umgehe, sei nicht ein Thema für Randgruppen. Daran entscheide sich, "ob die katholische Kirche wirklich ernst genommen wird als eine Instanz, die bei den Menschen ist".

Bode betonte, er "bejahe alle diese Dinge". Er warb jedoch auf Nachfrage aus dem Kreis der rund 150 Zuhörenden um Verständnis dafür, dass vieles nicht im Alleingang seines Bistums umgesetzt werden könne. Dort will er nach eigenen Worten jedoch die Diskussion und die Auseinandersetzung mit diesen Themen vorantreiben. Es sei wichtig, dass in allen kirchlichen Gremien, Gruppen und Foren offen und angstfrei über Sexualität gesprochen werden könne. Darüber hinaus müsse der Reformprozess Synodaler Weg für eine Weiterentwicklung sorgen, forderte Bode. (tmg/epd)