Ein Kreuz vor schwarzem Himmel
Geistlicher beging an fünf Kindern sexuelle Gewalt

Hildesheim: Frühere Leitung versetzte Pfarrer trotz Missbrauchsverdacht

Eine Untersuchung hat ergeben, dass ein inzwischen verstorbener Priester im Bistum Hildesheim in fünf Fällen sexuelle Gewalt an Kindern begangen hat. Bereits 1992 wusste die damalige Bistumsleitung von Vorwürfen gegen ihn – dennoch wurde er versetzt.

Hildesheim - 17.06.2021

Die frühere Hildesheimer Bistumsleitung hat einen inzwischen verstorbenen Priester versetzt, obwohl sie von Missbrauchsvorwürfen gegen ihn wusste. Der damalige Bischof Josef Homeyer und der damalige Personalchef, Domkapitular Werner Holst, haben dem Geistlichen Georg M. im Jahr 1992 die Leitung einer anderen Pfarrei übertragen, obwohl sie durch das Jugendamt über Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in Kenntnis gesetzt worden waren. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten unabhängigen Untersuchungsbericht hervor. "Im konkreten Fall Georg M. wäre es die absolute Pflicht des Bischofs und des Bistums gewesen, sich um die Betroffenen zu sorgen und die Begehung weiterer Straftaten zu verhindern", sagte Generalvikar Martin Wilk.

Die Ermittlungen haben ergeben, dass M. im Zeitraum von 1980 bis 2009 an fünf Kindern sexualisierte Gewalt begangen hat, der eine "pädosexuelle Veranlagung" des Geistlichen zugrunde liegt. Der Priester habe über den rund drei Jahrzehnte währenden Tatenzeitraum "ein Setting entwickelt, das ihm den Zugang zu Kindern ermöglichte, die nicht in vollem Umfang unter dem Schutz der Gemeindenähe sicher aufgehoben waren". Anlass für die Untersuchung gegen M. waren Angaben vor Zeugen, die der aktuelle Pfarrer der Gemeinde, in der M. ab 2009 als Ruhestandsgeistlicher eingesetzt war, im Herbst 2020 erhalten hatte.

Generalvikar "sehr betroffen"

Der Bericht wurde von dem ehemaligen Vorsitzenden Richter am Landgericht Hannover, Wolfgang Rosenbusch, erstellt. Dafür hat er zwischen Januar und Mai 2021 mit mehr als 50 Zeugen gesprochen, personen- und gemeindebezogene Akten aus dem Bistumsarchiv und aus Pfarrarchiven ausgewertet, Presseveröffentlichungen zur Causa Georg M. genutzt und weitere eigene Recherchen getätigt.

"Die Ergebnisse des Berichts sind verstörend und machen mich sehr betroffen", betonte Generalvikar Wilk. Das Bistum biete allen Betroffenen Hilfe und Unterstützung an. "Deshalb ermutige ich die Betroffenen, die unabhängigen Ansprechpersonen im Bistum zu kontaktieren."

Der Geistliche Georg M. war nach seiner Weihe zum Priester im Jahr 1969 als Kaplan in den Pfarrgemeinden bzw. Kirchorten in Bad Gandersheim (St. Maria Himmelfahrt), Groß Ilsede (St. Bernward), Salzgitter-Gebhardshagen (St. Gabriel) und Uelzen (Zum göttlichen Erlöser) tätig. Als Pastor oder Pfarrer arbeitete der Priester in Ronnenberg (St. Thomas Morus), Lehre (St. Martin), Salzgitter (Christ König) und Cuxhaven (St. Marien), ehe er 2005 in den Ruhestand versetzt wurde. (mal)