Ein Mädchen wird von einem Helfer von einem Flüchtlingsboot an den Strand gebracht.
"Beim Recht auf Flüchtlingsschutz darf es keinen Lockdown geben"

Bischöfe: Corona darf Hilfe für Geflüchtete nicht einschränken

Zum Weltflüchtlingstag machen die deutschen Bischöfe auf die prekäre Situation von Schutzsuchenden aufmerksam – die durch Corona verschärft worden sei. Die Pandemie dürfe aber nicht zu einer Krise der Solidarität werden, mahnt Weihbischof Meier.

Bonn - 17.06.2021

Die katholische Kirche in Deutschland macht im Vorfeld des Weltflüchtlingstags am Sonntag auf die schwierige Situation Schutzsuchender in der Corona-Krise aufmerksam. "Beim Recht auf Flüchtlingsschutz darf es keinen Lockdown geben", mahnte der kommissarische Vorsitzende der Migrationskommission der Bischofskonferenz, der Paderborner Weihbischof Dominicus Meier, am Donnerstag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die Pandemie dürfe nicht zu einer Krise der Solidarität mit Geflüchteten werden, betonte er weiter. Sie hätten besonders zu leiden. Unter anderem sei es "infolge der Reisebeschränkungen viel schwerer geworden, in ein sicheres Land zu gelangen und einen Schutzstatus zu erhalten". Und wenn sie es nach Europa schaffen, sei zum Beispiel das Leben in Großunterkünften eine Gefahr: "Solche Zentren verhindern nicht nur die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, sondern stellen ein ganz konkretes Gesundheitsrisiko für die darin lebenden Menschen dar."

Europa wird Grundwerten nicht gerecht

Kirche und Zivilgesellschaft müssten hier immer wieder eine "humanitäre Wende in der EU-Flüchtlingspolitik anmahnen", wie es aktuell beispielsweise pax christi mit der Kampagne "Menschenrecht statt Moria" tue, ergänzte der Bischof: "Solange schutzsuchende Menschen an den EU-Außengrenzen den Tod finden, werden die Staaten Europas ihren eigenen Grundwerten nicht gerecht."

Meier hob hervor, dass trotz der Pandemie weiterhin Tausende Haupt- und vor allem Ehrenamtliche in der katholischen Flüchtlingshilfe in Deutschland aktiv seien. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht für 2020 waren es rund 34.700 Ehrenamtliche und etwa 4.400 Hauptamtliche. "An ihrem Engagement wird deutlich, was von Christinnen und Christen gefordert ist: auch unter erschwerten Umständen für die Rechte jener einzustehen, deren Menschenwürde in Gefahr ist", würdigte Meier das Engagement.

Die 27 Bistümer und die kirchlichen Hilfswerke haben laut Bericht 2020 rund 123,9 Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit im In- und Ausland ausgegeben: 86,1 Millionen Euro für internationale Projekte und 37,8 Millionen für Aktivitäten im Inland. Schwerpunkte seien die Begleitung der Menschen in ihren verschiedenen Lebenslagen gewesen sowie die Förderung der Integration, die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements und die Familienzusammenführung. Insgesamt habe man damit mindestens 154.000 Schutzsuchende erreicht. (KNA)