Kölner Erzbischof verteidigt Vorgehen bei Missbrauchsaufarbeitung

Kardinal Woelki: Ich übernehme Verantwortung für vergangenes Unrecht

Aktualisiert am 20.06.2021  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Der Kölner Kardinal hat seinen Umgang mit Missbrauchsfällen erneut verteidigt und betont, dass er Verantwortung für vergangenes Unrecht übernehme. Dies sei für ihn auch eine Verpflichtung, die er Gott gegenüber habe.

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Kardinal Rainer Maria Woelki hat sein Vorgehen bei der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln erneut verteidigt. In den vergangenen Wochen habe er oft gehört, er solle moralische Verantwortung übernehmen, sagte Woelki am Sonntag in seiner wöchentlichen Videobotschaft "Wort des Bischofs". "Ja, diese Leute haben eigentlich völlig recht: Es geht um Verantwortung. Und die übernehme ich, indem ich versuche, vergangenes Unrecht wieder gut zu machen", sagte der Kardinal wörtlich. Dies gehöre zur Umkehr, zur Buße dazu, wie man sie in der Kirche seit jeher kenne.

"Dazu gehört es für mich auch, stellvertretend Verantwortung für vergangenes Unrecht zu übernehmen. Immerhin geht es um ein gutes Stück Gerechtigkeit für die Betroffenen", so Woelki weiter. Die großen Moralphilosophen beschrieben Verantwortung in zwei Richtungen: Man trage Verantwortung für vergangene Taten, auf die man Einfluss gehabt habe und die einem zugerechnet werden könnten; Verantwortung habe man aber auch für zukünftige Handlungen. "Für die geschehen Untaten an Betroffenen sexualisierter Gewalt übernehme ich also auch Verantwortung, indem ich mich für eine bessere Zukunft engagiere – als Bischof, als Christ, als Mensch", so der Kölner Erzbischof. Denn Verantwortung heiße, sich in die Pflicht nehmen zu lassen. Dies sei für ihn, so Woelki, auch eine Verpflichtung, die er Gott gegenüber habe: "Gott schaut auf mein Leben mit viel Liebe, aber auch mit einer Frage: Warst Du für andere da?"

Kritiker werfen dem Kölner Erzbischof moralische Fehler im Umgang mit früheren Missbrauchsfällen vor, ein Rechtsgutachten hat Woelki im März allerdings juristisch entlastet. Mehrfach wurde der Rücktritt des Kardinals gefordert, was dieser stets zurückwies. Wegen der Debatte und der entstandenen Vertrauenskrise schickte Papst Franziskus zuletzt zwei Visitatoren nach Köln, die die Vorgänge bis vergangenen Dienstag vor Ort geprüft haben. Das juristische Gutachten hatte Woelki selbst in Auftrag gegeben. Es weist hohen Amtsträgern im Erzbistum Köln Fehler im Umgang mit früheren Fällen von sexuellem Missbrauch durch Geistliche nach. Mindestens 75 Pflichtverletzungen zwischen 1975 und 2018 zählt die Untersuchung. (stz)