Erlöserschwestern: Ritueller Missbrauch bisher nicht nachweisbar
Würzburger Betroffenenbeirat nimmt Kinderheime in Blick

Erlöserschwestern: Ritueller Missbrauch bisher nicht nachweisbar

Nach Vorwürfen: Die Erlöserschwestern in Würzburg haben bisher laut eigenen Angaben keine Hinweise auf rituellen Missbrauch durch Priester in einem Kinderheim. Noch lebende Ordensfrauen könnten den Vorwurf nicht nachvollziehen, erklärte der Orden.

Würzburg - 23.06.2021

Die Erlöserschwestern in Würzburg haben bisher nach eigenen Aussagen keine Hinweise auf einen rituellen Missbrauch durch Priester in einem Kinderheim. Noch lebende Ordensfrauen könnten den Vorwurf nicht nachvollziehen, erklärte der Orden am Donnerstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zudem hätten sich zwei ehemalige Heimkinder gemeldet. "Die beiden ehemaligen Heimkinder widersprechen sogar vehement den gemachten Aussagen zum mutmaßlichen rituellen Missbrauch in der Kapelle." Dies ergebe sich etwa auch aus der Rekonstruktion baulicher Gegebenheiten.

Eine Frau hatte in einem Bericht der ARD-Sendung "Report München" den Vorwurf erhoben, sie habe in einem Heim der Wickenmayer'schen Kinderstiftung rituellen Missbrauch erlebt. Dabei seien mehrere Priester anwesend gewesen, teilweise sei auch fotografiert worden. Der Würzburger Bischof Franz Jung und die Missbrauchsbeauftragte des Bistums bezeichneten die Schilderungen als plausibel. In den nächsten Wochen soll es ein Gespräch zwischen Orden und Bischof geben.

Auch der Würzburger Betroffenenbeirat äußerte sich in einer Stellungnahme diese Woche ähnlich. Mehrere Personen aus Heimen hätten sich gemeldet. Es gebe keinen Grund, diese Aussagen anzuzweifeln. Auf Nachfrage wurden dazu keine weiteren Details oder Zahlenangaben preisgegeben. Gleichzeitig ermutigte das Gremium alle von sexueller Gewalt Betroffene aus Einrichtungen von Orden, sich bei den zuständigen Stellen des Bistums zu melden.

"Uns liegt daran, dass Dinge eindeutig geklärt werden"

"Wenn dem Betroffenenbeirat oder dem Bistum Aussagen und Berichte vorliegen, die unsere Recherchen eindeutig widerlegen würden, wären wir sehr froh, davon zu erfahren. Uns liegt daran, dass Dinge eindeutig geklärt werden", so die Erlöserschwestern. Gleichzeitig betonte der Orden, er wolle eine unabhängige Aufarbeitungskommission einsetzen, und rief Betroffene dazu auf, sich zu melden. Bisher anerkannt habe man einen Fall von sexuellem Missbrauch und schwerer körperlicher Züchtigung, so die Schwestern weiter. Die beschuldigte Schwester habe die Angaben des Mannes bestätigt. "Die Ordensleitung hat dem Betroffenen ein Gespräch angeboten, bei dem die Schwester um Verzeihung bitte möchte." Außerdem seien dem Betroffenen Anerkennungsleistungen gezahlt worden.

Der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung sieht rituelle Gewalt dann gegeben, wenn es zu einer systematischen Anwendung sexualisierter Gewalt durch mehrere Täter oder Täternetzwerke kommt und gleichzeitig eine Ideologie zur Begründung oder Rechtfertigung dient.

Die Kongregation der Schwestern des Erlösers (Congregatio Sororum an Sancto Redemptore, Ordenskürzel: CSR) wie auch die als "Niederbronner Schwestern" bekannte Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser gehen auf eine Ordensgründung von Mutter Alfons Maria Eppinger (1814-1867) zurück. Gegen die Niederbronner Schwestern hatte es zuletzt schwere Missbrauchsvorwürfe gegeben. (tmg/KNA)

24.6., 15:10 Uhr: Meldung präzisiert und erweitert um aktuelle Stellungnahme der Erlöserschwestern.