Aussage "Nichts ist gut in Afghanistan" stieß 2010 auf harte Kritik

Evangelischer Bischof: Margot Käßmann hatte Recht zu Afghanistan

Aktualisiert am 21.08.2021  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ "Nichts ist gut in Afghanistan" – damit stieß die damalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann 2010 auf harte Kritik. Heute gebe ihr die Tragödie in dem Land Recht, sagt der evangelische Bischof von Berlin, Christian Stäblein, und ruft zur Hilfe auf.

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Der Berliner evangelische Bischof Christian Stäblein hat zur Hilfe für die Menschen in Afghanistan aufgerufen. "In Afghanistan spielt sich eine Tragödie ab. Mit Schrecken und mehr und mehr sichtbarem Verbrechen", erklärte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Samstag im Hörfunk des RBB.

Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln müsse nach der Machtübernahmen der Taliban als erstes jenen Menschen geholfen werden, "die sich auf uns verlassen haben, die Ortskräfte, die mit uns zusammen gearbeitet haben und die jetzt um ihr Leben fürchten". Darüber hinaus gebe es viele Fragen, sagte Stäblein mit Blick etwa auf "Fehleinschätzungen der Lage", überhörte Warnungen oder Mängel beim Abzug der ausländischen Truppen. "Hinter und über dem allem schwebt dazu die ständige Frage: Welchen Sinn hatte das Engagement in Afghanistan überhaupt."

Käßmann habe früh erkannt, dass gewünschter Friede ausbleibe

Im Rückblick müsse der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, Recht gegeben werden. Käßmann hatte in ihrer Neujahrspredigt 2010 in der Dresdener Frauenkirche mit Blick auf den Nato-Einsatz gesagt: "Nichts ist gut in Afghanistan." Für diese Aussage musste sie viel Kritik einstecken. Damit habe Käßmann gemeint, dass dieser Einsatz offenkundig nicht den gewünschten Frieden schaffe, sagte Stäblein.

In einer gemeinsamen Erklärung hatten Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche bereits Mitte der Woche ihre Erschütterung über die Entwicklungen in Afghanistan ausgedrückt. Angesichts der akuten Not vieler Menschen sei aber "der falsche Zeitpunkt, mit Schuldzuweisungen auf diese Situation zu reagieren. Vielmehr kommt es nun auf konkrete Schritte an, um diese Not zu lindern", hieß es in der Erklärung. (mfi/epd)