Sinnlicher Tanz in Toledo
Sinnliche Tanz-Aufnahmen sollen religiöse Gefühle verletzt haben

Wegen Musikvideo-Dreh: Dekan der Kathedrale von Toledo tritt zurück

Sinnliche Tanzeinlagen mit viel Hüftschwung in einem Gotteshaus – das hat den Dekan der Kathedrale von Toledo nun seinen Job gekostet. Denn er hatte als Verantwortlicher des Domkapitels den Dreh eines Musikvideos in der gotischen Kirche erlaubt.

Toledo - 13.10.2021

Der Dekan der Kathedrale von Toledo Juan Miguel Ferrer ist wegen seiner Erlaubnis für den Dreh eines sinnlichen Musikvideos in dem Gotteshaus zurückgetreten. Der Rücktritt werde am kommenden Samstag wirksam und erfolge vor dem Hintergrund, dass seine reguläre Amtszeit als Dekan am 5. November ende, teilte die spanische Erzdiözese Toledo am Dienstag mit. Bei dem umstrittenen Musikvideo, das im Innern und im angeschlossenen Kapitelsaal der aus dem 13. Jahrhundert stammenden gotischen Kathedrale aufgenommen wurde, handelt es sich um ein Werk des spanischen Rappers C. Tangana und der argentinischen Sängerin Nathy Peluso. Zu ihrem Lied "Ateo" ("Atheist") tanzen beiden eng umschlungen den in Lateinamerika und Spanien verbreiteten Tanz Bachata.

Da die Sängerin in einigen Szenen – wenn auch verpixelt – nackt gezeigt wird, rief das am vergangenen Freitag veröffentlichte Video unter Gläubigen heftige Kritik hervor. Am Sonntag fand in der Kathedrale ein Rosenkranzgebet als Akt der Wiedergutmachung nach dem als Frevel verstandenen Dreh statt. Am kommenden Sonntag wird Erzbischof Francisco Cerro einen Gottesdienst in diesem Anliegen feiern. Dekan Ferrer hatte am Wochenende die Videoaufnahmen in dem Gotteshaus verteidigt, da sie in der Sprache der modernen Kultur die Geschichte eines Menschen erzählen würden, der durch die Liebe zum Glauben findet. Dabei bezog sich der scheidende Dekan auf eine Textzeile des Liedes, in der es heißt: "Ich war ein Atheist, aber jetzt glaube ich, denn ein Wunder wie Du ist von Himmel herabgestiegen."

Ferrer räumte am Dienstag gegenüber Journalisten jedoch ein, dass man den Dreh hätte vermeiden müssen. Während der Aufnahmen sei kein Verantwortlicher des Domkapitels anwesend gewesen, sodass er nicht genau über den provokanten Inhalt der Aufnahmen unterrichtet war. Zudem habe es Fehler in der Kommunikation gegeben, die zu einer Skandalisierung der Auseinandersetzung um das Video geführt hätten. Dafür bat Ferrer um Entschuldigung. Außerdem teilte die Erzdiözese mit, dass man die für den Dreh erhaltene Geldsumme an soziale Zwecke spenden wolle, wie es die internen Richtlinien es Domkapitels vorsehen würden. Nach Angaben Ferrers handelt es sich hierbei um einen Betrag von 15.000 Euro. Das Video "Ateo" hat nach fünf Tagen auf der Plattform Youtube bereits 6,8 Millionen Aufrufe. (rom)

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