Die in Würzburg erscheinende "Tagespost" ist die einzige überregionale katholische Tageszeitung Deutschlands.
Zeitung reagiert gelassen auf Vorwürfe

"Christen in der AfD" kündigen "Tagespost"-Abos: Nicht mehr katholisch

Scharfe Kritik der "Christen in der AfD" an der Wochenzeitung "Die Tagespost": Diese sei nicht mehr katholisch, erklärte die Parteivereinigung, die zudem zur Kündigung von Abonnements aufrief. Der Chefredakteur der Zeitung reagierte gelassen.

Berlin/Würzburg - 19.10.2021

Der Regionalverband Nord der "Christen in der AfD" hat Abonnenten der Wochenzeitung "Die Tagespost" dazu aufgerufen, ihr Abonnement zu kündigen. Die in Würzburg erscheinende Zeitung betreibe keinen katholischen Journalismus mehr, "sondern Meinungsmache für die CDU und Kirchenfeinde", teilte der Sprecher der Vereinigung, Adam Golkontt, am Dienstag in einer Pressemitteilung mit. "Daher sagen wir: Ade, 'Tagespost'. Wir ziehen hier eine Grenze und die 'Tagespost' muss mit den Konsequenzen leben, Abonnenten zu verlieren", so Golkontt, der angab, auch sein eigenes Abonnement bereits gekündigt zu haben.

Kritik an AfD-kritischem Kommentar der Zeitung

Anlass für den Aufruf war dem Sprecher zufolge ein Kommentar, der in der "Tagespost"-Ausgabe vom 14. Oktober erschienen war. Unter der Überschrift "Ade, AfD" hatte der Autor Sebastian Sasse geschrieben, dass die Partei nach dem angekündigten Rückzug des AfD-Bundessprechers Jörg Meuthen für bürgerliche Wähler keine Alternative mehr sei. Und weiter: "Der Überdruss an einem als zu einseitig empfunden Debattenklima entbindet demokratische Rechte und Nationalkonservative nicht von der Pflicht, sich klar von Nationalisten und Völkischen zu distanzieren. Diese klare Scheidelinie wird in der AfD schon lange nicht mehr gezogen. Deswegen kann für Demokraten rechts der Mitte nur gelten: Ade, AfD. Wer diese Grenze nicht ziehen will, muss dann auch mit den Konsequenzen leben."

Durch diesen Kommentar sei klar, dass sich seine Hoffnungen nach einer katholischen Zeitung nicht erfüllt hätten, so Golkontt. Der im Sommer erfolgte Abgang des ehemaligen Chefredakteurs Oliver Maksan sei der "Tagespost" nicht wohl bekommen. Golkontt betonte zudem, dass er bereits beim eher unkritischen Kurs der Zeitung gegenüber der Corona-Politik der Bundesregierung Bauchschmerzen gehabt habe. Maksans Nachfolger Guido Horst fahre jedoch einen Kurs gegen die AfD und gegen Gläubige, die für die katholische Tradition kämpften. Beispielhaft nannte der Sprecher in diesem Zusammenhang einen Kommentar Horsts, in dem sich dieser im August kritisch mit Erzbischof Carlo Maria Vigano und dessen "üblichen Ausfällen gegen Papst Franziskus" auseinandergesetzt hatte.

Horst: Einen Kurswechsel der "Tagespost" gibt es nicht

Auf Anfrage von katholisch.de reagierte Horst am Dienstag gelassen auf die Vorwürfe. "Wir sind keiner Partei verbunden und kommentieren als katholische Zeitung die Entwicklungen in allen Parteien", so der seit Juli amtierende Chefredakteur. Dazu gehöre auch ein kritischer Blick auf die innere Entwicklung der AfD. Und weiter: "Einen Kurswechsel der 'Tagespost' gibt es nicht. Sie bleibt katholisch." Dies gelte auch für den Kommentar zu Vigano. Dass seine Zeitung sich kritisch mit dem Erzbischof auseinandersetze, sei ihr gutes Recht. "Wer sich dermaßen massiv gegen den Papst stellt, der muss sich auch Kritik gefallen lassen", so Horst.

Die wirtschaftliche Situation der "Tagespost" bezeichnete Horst als "ganz gut". Bei den Abonnements gebe es ein Kommen und Gehen. Es gebe nicht mehr wie früher die Stammleser, die der Zeitung über Jahrzehnte treu seien. Stattdessen müsse man sich die Abonnenten immer neu erkämpfen. "Wir können aber nicht feststellen, dass unsere Berichterstattung negative Auswirkungen auf unsere Auflage hat", betonte Horst. (stz)