Salvatorianer-Provinzial: So soll unser Orden handlungsfähig bleiben
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Neuer Oberer der deutschen Ordensprovinz im Interview

Salvatorianer-Provinzial: So soll unser Orden handlungsfähig bleiben

Vor wenigen Tagen wurde Pater Friedrich Emde zum neuen Provinzial der deutschen Salvatorianer gewählt. Im Interview erklärt er, was künftig seine Aufgaben sind und welche Zukunftsperspektive er trotz Nachwuchsmangel und Überalterung für die nur 47 Mitglieder zählende Ordensgemeinschaft sieht.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin/München - 25.10.2021

Am vorvergangenen Freitag wurde Pater Friedrich Emde zum neuen Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Salvatorianer gewählt. Der 58-Jährige, der viele Jahre Erfahrung als Pädagoge hat, soll die kleine Gemeinschaft von nur 47 Mitbrüdern in die Zukunft führen. Wie das angesichts von Nachwuchsmangel und drohender Überalterung funktionieren soll, erklärt Emde im Interview mit katholisch.de. Außerdem berichtet er über die heutige Bedeutung des Ordensgründers Franziskus Jordan, der im Mai in Rom seliggesprochen worden war.

Frage: Pater Emde, freuen Sie sich auf Ihre neue Aufgabe als Provinzial der Salvatorianer?

Emde: Ja, durchaus. Die Aufgabe als Provinzial ist zwar grundsätzlich keine, auf die man ganz wild ist (lacht). Aber nun ist es so gekommen und ich sage voller Überzeugung, dass ich mich auf diese Herausforderung freue und sie mit Zuversicht angehe.

Frage: Als Provinzial sind Sie künftig für 47 Mitbrüder und den dazu gehörigen Apparat verantwortlich. Fühlen Sie auf diese Aufgabe gut vorbereitet oder haben Sie auch ein bisschen Angst vor dem, was nun auf Sie zukommt?

Emde: Ich war ja zwölf Jahre Schulleiter unseres ordenseigenen Gymnasiums Salvatorkolleg in Bad Wurzach, insofern bin ich mit den Herausforderungen eines Apparats durchaus vertraut. Trotzdem gestehe ich, dass ich durchaus Respekt vor der neuen Aufgabe habe, denn die Verantwortung für eine Ordensgemeinschaft ist schon etwas anderes als die Verantwortung für eine Schule. In der Schule hat man beruflich mit Lehrern und anderen Mitarbeitern zu tun, und wenn die Arbeit getan ist, geht man wieder nach Hause. Ein Orden ist im Gegensatz dazu eine Lebensgemeinschaft, ja eine Familie – und das bringt sicher ganz andere Herausforderungen mit sich.

Unser Ziel war es, mit der Konzentration auf weniger Standorte unsere Handlungsfähigkeit zu behalten – und das haben wir definitiv erreicht.

Zitat: Pater Friedrich Emde

Frage Was werden als Provinzial Ihre vorrangigen Aufgaben sein?

Emde: Das ist in der Konstitution und den Statuten unserer Gemeinschaft ganz gut beschrieben. Demnach ist es die Aufgabe des Provinzials, den religiösen Geist, das Ordensleben und die apostolischen Werke zu fördern. Es handelt sich also durchaus um eine spirituelle Aufgabe, bei der es darum geht, dass die geistliche Dimension im Leben unserer Gemeinschaft sichtbar bleibt. Hinzu kommen aber natürlich auch administrative Aufgaben. Dabei geht es zum Beispiel darum, regelmäßig unsere Apostolate zu überprüfen oder die Beziehungen zu den Bistümern und anderen Einrichtungen zu pflegen. All diese Aufgaben muss ich aber – Gott, sei Dank – nicht allein bewältigen, denn wie alle Ordensgemeinschaften ist auch unsere demokratisch verfasst. Es gibt also Gremien und Mitbrüder, die mir sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen werden.

Frage: 2018 hatte ihr Orden angekündigt, wegen Nachwuchsmangel und Überalterung die Hälfte seiner Niederlassungen in der deutschen Ordensprovinz zu schließen. Ist dieser Prozess inzwischen abgeschlossen?

Emde: So gut wie, wir sind derzeit auf der Zielgeraden. Wir haben im Zuge des Prozesses vor allem große Häuser aufgegeben, etwa in Münster und im österreichischen Lochau, das ebenfalls zur deutschen Ordensprovinz gehört. Künftig wollen wir uns im Wesentlichen auf vier Niederlassungen konzentrieren: München, Berlin, Steinfeld und Bad Wurzach. Hinzu kommt derzeit noch der Standort Maria Steinbach bei Memmingen, der zunächst ebenfalls erhalten bleibt.

Frage: Sind Sie damit dann – zumindest mittelfristig – für die Zukunft gerüstet oder rechnen Sie damit, bald weitere Niederlassungen schließen zu müssen?

Emde: Ich denke, dass wir damit auf absehbare Zeit gut gewappnet sind. Unser Ziel war es, mit der Konzentration auf weniger Standorte unsere Handlungsfähigkeit zu behalten – und das haben wir definitiv erreicht. Ich bin guter Hoffnung, dass dieser Prozess, der natürlich mit Schmerzen verbunden war, uns neue Kraft geben und uns optimistischer in die Zukunft blicken lassen kann.

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Das neue Provinzkapitel der deutschen Salvatorianer mit dem neuen Provinzial Pater Friedrich Emde (3. v. l.).

Frage: Verglichen mit anderen Ordensgemeinschaften sind die deutschen Salvatorianer nur eine kleine Gruppe. Wie ist derzeit die Altersstruktur Ihrer Gemeinschaft? Und gibt es jüngere Menschen, die sich Ihnen anschließen möchten? Denn falls nicht, wird sich das Problem der Überalterung in den kommenden Jahren ja immer stärker stellen und sehr schnell weitere Schließungen von Niederlassungen nach sich ziehen, oder?

Emde: Das ist so, und da machen wir uns mit Blick auf die Zukunft auch keine Illusionen. Aber immerhin, derzeit ist die Hälfte unserer Mitbrüder noch unter 70 – das ist für eine Ordensgemeinschaft in Deutschland ja gar nicht schlecht. Und auch sonst gibt es kleine Hoffnungszeichen: Erst vor kurzem konnten wir eine Diakonenweihe feiern, nächstes Jahr steht dann die Priesterweihe an. Und wir haben immer wieder junge Leute, die sich für uns interessieren; mit einem jungen Mann, der sich uns anschließen möchte, sind wir jetzt in näherem Kontakt. Ermutigend ist zudem, dass wir Teil einer internationalen Gemeinschaft sind und die Mitgliederzahlen insbesondere in unseren Provinzen in Afrika und Asien ansteigen.

Frage: Ihr Ordensgründer Franziskus Jordan ist im Mai in Rom seliggesprochen worden. Welche Bedeutung hat er heute noch für Ihren Orden?

Emde: Die Seligsprechung war für unseren Orden ein herausragendes Ereignis, durch die uns unserer Gründer noch einmal ganz neu nahegekommen ist. Franziskus Jordan war ein Mensch voller Gottvertrauen und erfüllt von einem apostolischen Eifer – das zeigen uns seine Schriften und sein Lebensweg. Das beflügelt uns als Gemeinschaft heute und hilft uns, die Herausforderungen der Zukunft ebenfalls mit Gottvertrauen anzugehen.

Von Steffen Zimmermann