Kirche in China
Romtreue Katholiken sollen zu Übertritt in Staatskirche bewegt werden

Chinesischer Untergrundbischof erneut von Behörden entführt

In China wurde der Untergrundbischof von Wenzhou, Peter Shao Zhumin, von der Polizei entführt. Es ist nicht der erste Versuch, ihn zum Übertritt in die Staatskirche zu zwingen – trotz eines umstrittenen Vatikan-Abkommens mit der Volksrepublik.

Wenzhou - 28.10.2021

Chinesische Behörden haben den Bischof von Wenzhou (Provinz Zhejiang), Peter Shao Zhumin, festgenommen und an einen unbekannten Ort verschleppt. Offiziell sei er "in den Urlaub" gebracht worden, tatsächlich handle es sich aber um eine Entführung des Bischofs, berichtete die "Catholic News Agency" (CNA) mit Berufung auf "AsiaNews" am Mittwoch. Derartige Entführungen seien in der Volksrepublik keine Seltenheit und würden als "Gehirnwäsche" eingesetzt, um romtreue Geistliche zum Übertritt in die "Katholisch-Patriotische Vereinigung" (KPV) zu bewegen.

Die KPV ist die von der kommunistischen Regierung kontrollierte, offizielle katholische Kirche Chinas. Sie wurde 1957 gegründet, um Kontakte der chinesischen Katholiken mit dem Vatikan zu unterbinden, und wird von diesem nicht anerkannt. Bischof Shao dagegen gehört der vom Vatikan geförderten Untergrundkirche an. Seit seiner Bischofsernennung 2016 befand er sich bereits mehrmals in Polizeigewahrsam.

Kein Ende der Repressalien durch Vatikan-Abkommen

Die Entführungen fänden häufig vor hohen katholischen Feiertagen wie dem bevorstehenden Allerheiligen-Fest statt, berichtet die CNA. Auch seien Gläubige der Untergrundkirche von der Polizei immer wieder gehindert worden, an Gottesdiensten teilzunehmen, oder der örtliche Friedhof sei vor den Gräberbesuchen an Allerseelen gesperrt worden. In einem Statement bitten die Katholiken von Wenzhou nun um das Gebet für ihren entführten Bischof: "Betet, dass der Herr ihm Zuversicht und Mut schenkt, dass er sich durch das Geschehene nicht demoralisieren lässt."

Im September 2018 hatte der Vatikan ein diplomatisches Abkommen mit der Volksrepublik China unterzeichnet, durch das Bischofsernennungen der beiden Kirchen zukünftig gegenseitig anerkannt werden sollten. Eine Verlängerung des Abkommens im Oktober 2020 konnte die staatlichen Repressalien gegen romtreuen Katholiken jedoch nicht beenden, wie die Entführung Shaos zeigt. Papst Franziskus musste die Vereinbarung damals gegen Kritik verteidigen. Vorwürfe gegen den Vatikan lauteten, er falle mit dem Abkommen regierungskritischen Christen in den Rücken und setze angesichts anhaltender Menschenrechtsverletzungen in China seine moralische Autorität aufs Spiel. (mfi)