Gestohlenes Reliquiar aus Kevelaer in Auktionshaus wieder aufgetaucht
Wertvolles Behältnis war 2017 verschwunden

Gestohlenes Reliquiar aus Kevelaer in Auktionshaus wieder aufgetaucht

Happy End? Ein 2017 gestohlenes Reliquiar aus dem Wallfahrtsort Kevelaer ist überraschend wieder aufgetaucht – in einem französischen Auktionshaus. Unklar ist aber noch, in welchem Zustand es sich befindet und ob es noch die Reliquien enthält.

Münster/Kevelaer - 10.11.2021

Ein gestohlenes Reliquienbehältnis aus dem niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer ist in Frankreich wieder aufgetaucht. Ein Auktionshaus listete das seit 2017 verschwundene Kunstwerk in einem Katalog auf, wie das Bistum Münster am Mittwoch mitteilte. Ein Kunstsammler, der sich an den Diebstahl aus der Kevelaer Sakramentskapelle erinnerte, habe sich daraufhin beim Leiter der Abteilung "Kunst und Kultur" in der Diözese, Thomas Flammer, gemeldet. Mithilfe von Polizei und Interpol sei das wertvolle Reliquiar rechtzeitig vor der kurz bevorstehenden Versteigerung sichergestellt worden. Noch sei unklar, wann es zurückkomme.

Unbekannte hatten das Reliquiar im Oktober 2017 während der Öffnungszeiten der Sakramentskapelle gestohlen. Laut Polizei brachen sie dazu einen verschlossenen Wandkäfig auf. Der Diebstahl fiel erst auf, als der Küster am Abend die Kapelle abschließen wollte. Videokameras gab es keine.

Das Behältnis in Form eines Armes und einer Hand beinhaltet vermutlich Knochenreste des heiligen Petrus Canisius (1521-1597), der eng mit dem niederrheinischen Marienwallfahrtsort verbunden ist: Der Orden der Canisianer wurde 1854 vom späteren Münsteraner Bischof Johann Bernhard Brinkmann (1813-1889) im Kevelaerer Priesterhaus gegründet.

Reliquiar wurde wohl chemisch behandelt

Das Kunstwerk, das aus der Zeit der Neoromanik zwischen Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts stammt, ist etwa 30 Zentimeter hoch, versilbert, vergoldet und mit Edelsteinen besetzt. Laut Flammer wurde es den Fotos nach zu urteilen chemisch behandelt. Ein Schild an dem Behältnis lasse jedoch auf die Herkunft schließen. In welchem Zustand sich das Reliquiar ansonsten befinde und ob es noch die Knochenreste enthalte, sei derzeit offen.

Wallfahrtsrektor Gregor Kauling und Weihbischof Rolf Lohmann zeigten sich erfreut über den Fund. Er sei damals bestürzt über den Diebstahl gewesen, sagte Lohmann und bedankte sich bei dem Finder, den Experten und den Behörden. Reliquien führten vor Augen, dass Heilige real existiert hätten, so der Weihbischof. Sie seien "sichtbare Zeugnisse der Menschen, die mit ihrem Leben ein besonderes Glaubenszeugnis abgelegt haben".

Mit etwa 800.000 Pilgern jährlich ist Kevelaer – nach Altötting – der zweitgrößte Marienwallfahrtsort in Deutschland. Seit 1642 existiert dort die traditionsreiche Wallfahrt zum Gnadenbild der "Trösterin der Betrübten". (tmg/KNA)