Landeskomitee der Katholiken in Bayern tagte digital

Vollversammlung der bayerischen Laien beendet: Eine Prise Wahlkampf

Aktualisiert am 13.11.2021  –  Lesedauer: 

München ‐ Es sollte das erste Präsenztreffen des Gremiums seit zwei Jahren werden, doch dann kam Corona dazwischen. Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern tagte digital und beschäftigte sich auch mit der Frage, wer den Vorsitz des ZdK übernehmen wird.

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Inhaltlich ging es vor allem, aber nicht nur um Reformen im Gesundheitswesen. "Gesundheit braucht mehr Mensch und weniger Markt", lautet der Titel über einer nach kurzer Diskussion und konzentrierter Textarbeit am Wochenende verabschiedeten Stellungnahme. Neben sehr grundsätzlichen Aussagen zur Frage, wie die Strukturen gerechter gemacht werden könnten, enthält das Papier eine Reihe praktischer Vorschläge.

Der Fachkräftemangel lässt sich aus Sicht des Komitees nicht allein durch bessere finanzielle Anreize beheben. Statt Überstunden zu bezahlen, müsse die Dienstplanung Hebammen, Ärzten und Pflegekräften eine bessere Work-Life-Balance ermöglichen. Davon erhofft man sich, dass die Berufe wieder attraktiver werden und nicht mehr so viele schon nach wenigen Jahren hinschmeißen, wie es derzeit vor allem in der Pflege geschieht.

Mit Blick auf die Transparenz und Überprüfbarkeit von Behandlungen sollten auch die gesetzlich Versicherten regelmäßig über Abrechnungen informiert werden, heißt es außerdem in dem Papier. Zwischen mehreren Krisensitzungen beteiligte sich auch Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zumindest kurzfristig an der Diskussion. Das zeigt, dass die Staatsregierung der höchsten Repräsentanz der rund sechs Millionen Katholiken im Freistaat bei allem gesellschaftlichen Bedeutungsverlust der Kirchen weiter ein gewisses Gewicht beimisst.

Außerdem spielte eine Personalfrage, die in Kürze auf Bundesebene im deutschen Katholizismus zur Klärung ansteht, in die Versammlung hinein. Der in der Gesundheitsbranche vielfach aktive Unternehmer und habilitierte Religionspädagoge Ulrich Hemel war als einer der Hauptreferenten geladen. Er bewirbt sich um das Amt des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Die Wahl findet in wenigen Tagen in Berlin statt.

Der Landeskomitee-Vorsitzende Joachim Unterländer wollte Hemels Einladung ausdrücklich nicht als "Schleichwerbung" für dessen Kandidatur im ZdK verstanden wissen. Gleichwohl hinterließ der 65-Jährige auch in der Diskussion einen kompetenten Eindruck.

Bild: ©picture alliance/dpa/Marius Becker

Das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) sucht einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende.

Daraufhin nutzten Vertreterinnen katholischer Frauenverbände in der Aussprache die Möglichkeit, sich für Hemels einzige Konkurrentin auszusprechen, die gleichalte schwäbische Sozialwissenschaftlerin Irme Stetter-Karp. 24 Jahre nach der Amtszeit von Rita Waschbüsch halten es die Frauen für höchste Zeit, die ZdK-Spitze wieder weiblich zu besetzen. Da nickten dann auch einige zugeschaltete Männer. Dem Vernehmen nach rechnet man in Bayern dennoch mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen.

Angesichts der enorm angeschwollenen vierten Welle warben mehrere Mitglieder des Gremiums noch einmal eindringlich für die Corona-Schutzimpfung. Der Vorsitzende des Münchner Diözesanrats, der Sozialethiker Hans Tremmel, zeigte sich befremdet darüber, dass es auch in Reihen der Kirche immer noch Impfgegner gebe, die ihre persönliche Entscheidung christlich verbrämten. Der Passauer Bischof Stefan Oster äußerte sich derweil verwundert über den Optimismus seiner Stadtverwaltung, die es zugelassen habe, dass auf dem Domplatz die Buden für den Christkindlmarkt aufgestellt würden: "Wie soll das gehen in der aktuellen Situation der Pandemie?"

Aus mehreren Redebeiträgen sprach Unmut darüber, dass die bayerischen Bischöfe die Zuschüsse aus den Kirchensteuereinnahmen für die Landesebene der katholischen Verbände pauschal um fünf Prozent gekürzt haben. Dabei sei ehrenamtliches Engagement zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts gerade jetzt besonders wichtig, erinnerte der CSU-Europapolitiker Manfred Weber.

Die beim Synodalen Weg diskutierten Neuerungen kamen auch zur Sprache, darunter der Vorschlag, auf allen kirchlichen Ebenen Synodalräte einzurichten. Im Landeskomitee scheint man eine Aufwertung bestehender Räte neuen, womöglich zusätzlichen Strukturen vorzuziehen. Vor allem aber müsse verhindert werden, dass in den Diözesen nur "Feigenblätter" installiert würden, statt tatsächlich mehr Mitbestimmung zu ermöglichen, mahnte der Eichstätter Diözesanratsvorsitzende Christian Gärtner.

Von Christoph Renzikowski (KNA)