Arme Stadtbevölkerung von Corona-Pandemie am schwersten getroffen

Weihnachtsaktion des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat eröffnet

Aktualisiert am 28.11.2021  –  Lesedauer: 

Münster ‐ Unter dem Motto "ÜberLeben in der Stadt" hat das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat seine diesjährige Spendenaktion eröffnet. Der Erzbischof von Manaus in Brasilien berichtete von den verheerenden Auswirkungen der Coronapandemie in seinem Bistum.

  • Teilen:

In einem Gottesdienst im Dom zu Münster ist am ersten Adventssonntag die bundesweite Weihnachtsaktion 2021 des Hilfswerkes Adveniat eröffnet worden. Bischof Felix Genn rief in seiner Predigt dazu auf, "in der Liebe zueinander und zu allen Völkern" zu wachsen. Unter dem Motto "ÜberLeben in der Stadt" rückt Adveniat dieses Jahr die Sorgen und Nöte der armen Stadtbevölkerung in den Blickpunkt. Acht von zehn Menschen in Lateinamerika und der Karibik leben heute in Städten. Mit seinen Projektpartnern engagiert sich das Lateinamerika-Hilfswerk mit Bildungsprojekten, Menschenrechtsarbeit und dem Einsatz für faire Arbeitsbedingungen gegen die Armut.

Genn sagte mit Bezug auf den Namen des Hilfswerkes, "wo Menschen der Not eine Gegenwehr bieten", komme das Reich Gottes an. "Dein Reich komme" (lateinisch "Adveniat regnum tuum") heiße es im Vaterunser. Die Weihnachtsaktion sei "keine bloße Bettelaktion, sondern eine Aktion gelebter Solidarität, die zuerst darin besteht, dass wir überhaupt einen Blick füreinander haben", fügte der Münsteraner Bischof hinzu. So sei aktuell gerade die Corona-Pandemie bei aller Schrecklichkeit eine Herausforderung, "ob wir nur auf uns selbst schauen oder ob wir bereit sind, über uns zu wachsen, indem wir uns impfen lassen und die Impfstoffe mit anderen Völkern teilen".

Erzbischof Leonardo Steiner aus Manaus, Brasilien, berichtete von der verzweifelten Lage in seiner Heimat. Die Pandemie treffe seine Kirche in einer Situation, in der sie ohnehin stark belastet sei, etwa durch Flüchtlinge aus Venezuela oder Haiti: "Die Bilder der überfüllten Kliniken und der vielen offenen Gräber gingen um die Welt. Bis zu 500 Menschen starben täglich allein in Manaus."

Steiner: Hoffnungsträger sind vor allem die Frauen

Steiner dankte für die Spenden aus Deutschland, mit denen zum Beispiel Sauerstoffgeräte angeschafft werden konnten. Hier zeige sich, dass die katholische Kirche eine weltweite barmherzige und solidarische Gemeinschaft sei. Und: "Unsere Kirche ist weiblich", fügte der Erzbischof hinzu, "denn die Hoffnungsträger sind vor allem die Frauen."

2020 hat Adveniat nach eigenen Angaben gemeinsam mit seinen Projektpartnerinnen und -partnern rund acht Millionen Euro für mehr als 400 Projekte zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und deren Folgen zur Verfügung gestellt. Insgesamt konnte das Hilfswerk 2020 mehr als 2.000 Projekte mit insgesamt mehr als 35,3 Millionen Euro fördern. Die aktuelle Spendenaktion rückt die Länder Mexiko, Paraguay und Brasilien in den Mittelpunkt. Höhepunkt ist eine bundesweite Kollekte in den Weihnachtsgottesdiensten. Die Spenden fließen in Sozial-, Bildungs- und Friedensprojekte in Lateinamerika und in der Karibik.

Ebenfalls am Sonntag eröffnete das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" in Detmold seine bundesweite Spendenaktion. Unter dem Motto "Eine Welt. Ein Klima. Eine Zukunft" rückt das Hilfswerk die Klimagerechtigkeit besonders für ärmere Ländern in den Mittelpunkt der diesjährigen Aktion. Die Folgen des Klimawandels seien an anderen Orten dieser Erde noch weit dramatischer als hierzulande, sagte der Lippische Landessuperintendent Dietmar Arends in seiner Predigt. Menschen erlebten jedoch auch, dass die Hoffnung verbinde. Als ein Mut machendes Beispiel nannte Arends ein Projekt des Hilfswerks, bei dem junge Leute in Ghana sich für den Klimaschutz engagierten und Wälder pflanzten. (mfi/epd/KNA)