Weg
Serie: Spirituelle Impulse zum Advent

2. Advent: Wie wir Wegbereiter werden können

In spirituellen Impulsen wirft katholisch.de einen Blick auf den Advent. Die Schlüsselworte aus dem heutigen Evangelium sind "den Weg bereiten". Denn genau darum geht es in der vorweihnachtlichen Zeit: den Weg ebnen, damit Gott ankommen kann – in uns selbst und bei anderen.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 05.12.2021

Ob in der Wissenschaft, in der Kunst, in der Politik oder in der Gesellschaft: In jedem Bereich gibt es Pioniere. Menschen, die den Weg für etwas Bahnbrechendes bereitet haben. Auch Johannes der Täufer, von dem im heutigen Evangelium (Lk 3,1-6) die Rede ist, war so jemand. Er kündigt das Auftreten des Messias an. Doch damit dieser auch ankommen kann, braucht er eine "Landebahn": "Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straßen", lässt der Evangelist Lukas Johannes den Täufer sagen. "Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt."

Gott den Weg bereiten, den Weg frei machen, sodass er wirklich ankommen kann – genau darum geht es im Advent. Durch seine Menschwerdung, die wir an Weihnachten feiern, schenkt Gott sich uns selbst. Aber dafür müssen wir auch selbst erst einmal bereit werden – und uns aktiv bereit machen. Die Menschwerdung Gottes muss auch in ins geschehen. "Wäre Christus (nämlich) tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du wärst noch ewiglich verloren", sagte einst der Mystiker Angelus Silesius.

Auch wir sollen Wegbereiter für die Ankunft Jesu werden – für uns selbst und für unsere Mitmenschen. Doch dazu gehören einige Fragen geklärt: Wo stehe ich Gott und seiner Botschaft im Weg? Wo stehe ich vielleicht auch mir selbst im Weg? Wie und wo kann ich, gerade im Advent, Gott in meinem Alltag für mich und meine Nächsten erfahrbar machen?

Lebender Adventskalender

Der Advent bietet Gelegenheit für innere Einkehr.

Den Weg für Gott zu bereiten, hat verschiedene Ebenen. Da ist zunächst die innere Einkehr: mal zur Ruhe kommen. Sich besinnen. Sich fragen: In welche Richtung geht mein Leben? Was suche ich? Was treibt mich um? Diese Selbstreflexion nötigt jedem Einzelnen Ehrlichkeit ab. Denn vielleicht ist man auf dem falschen Weg. Dann heißt es, wenn nötig, die Richtung zu ändern. Die Umkehr steht jedem immer offen. Die Kurve noch zu kriegen für sich selbst und zum Wohl anderer, ist immer eine Option.

Danach folgt der Schritt nach draußen: Denn "niemand ist eine Insel", wie der englische Dichter John Donne sagte. Jeder lebt in einem Umfeld, das vom Zusammenspiel der Menschen abhängt. Hier positiv zu sein, dankbar und wertschätzend, kann den Weg für Gott zu bereiten. Lob und Anerkennung wenden jede Atmosphäre zum Guten, jedes gute Wort bewirkt etwas. Gleichzeitig ist der richtige Umgang mit den Schwächen und Macken der anderen zentral: Da heißt es Geduld haben, friedfertig sein, niemanden kränken. Verzeihung, Versöhnung, Rücksicht leben und einander den neuen Anfang schenken.

Der Alltag bietet genug Gelegenheit

Im Alltag lassen sich diese Prämissen oft gerade bei vermeintlich kleinen Gelegenheiten leben: ein freundliches Wort, eine wohltuende Geste, die Zusage, dass ich für andere da bin, ein gutes Gespräch, ein Telefonat … All dies kann bei anderen immer wieder eine Spur oder noch viel mehr von Gottes Heil hervorrufen.

Dass Gott kommt, liegt auch an uns. Wir können zu Wegbereitern werden, indem wir uns auf seine Botschaft immer wieder einlassen und sein Wirken auf vielfältige Weise für andere erfahrbar machen. Legen wir Spuren für Gottes Heil in der Welt – wie Johannes.

Von Matthias Altmann

Herr,
du schenkst dich uns in deinem Sohn, Jesus Christus.
Mache unsere Herzen bereit für deine Ankunft,
und lass uns Wegbereiter sein,
damit auch andere in ihrem Leben dir auf die Spur kommen.
Lass uns aufmerksam werden für deine Botschaft,
entzünde in uns den Glauben,
verändere uns.

Amen.