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Wiederkäuen für mehr Vertrauen: Hilfreiche Tipps für eine Meditation

Aktualisiert am 18.12.2021  –  Lesedauer: 
#jetzthoffnungschenken

Bonn ‐ Vertrauen baut auf unsere Erfahrungen der Vergangenheit auf. Doch wie kann man das Vertrauen in sich, andere und das Leben stärken? Helfen kann dabei eine Meditation. Bestsellerautorin Melanie Wolfers gibt Tipps, wie das gelingen kann.

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Hoffen ist Erinnern in die Zukunft hinein

Mit einem leichten Schauder, aber mit noch mehr Dankbarkeit und Freude erzählt eine Frau von den zurückliegenden Jahren, in denen so viel Belastendes zusammengekommen war: der Hausbau, das zweite Kind, berufliche Herausforderungen und dann noch die Mutter, die krank wurde ... Manchmal wusste sie weder ein noch aus, doch schließlich hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann die Situation gemeistert.

Wie diese Frau bringen wir alle viele Kompetenzen mit, die wir uns im Laufe unseres Lebens im Umgang mit schwierigen Situationen angeeignet haben. Sich diesen Schatz in Erinnerung zu rufen, baut auf. Denn wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Krisen wir schon überstanden und bestanden haben, und wenn wir uns die kleinen und großen "Wunder" unseres Lebens ins Gedächtnis rufen, dann stärkt dies in mehrfacher Hinsicht unsere Zuversicht.

Erstens: Die Einsicht "Ich bin mit dieser Sache ganz gut klargekommen", vertieft das Vertrauen in sich selbst und die Fähigkeit, dem Leben gewachsen zu sein. Entsinnt man sich gemeisterter Lebenssituationen, dann weckt dies Freude und vielleicht auch Stolz. Und es stärkt die Zuversicht, dass einem ähnliches auch heute möglich ist. Ebenso wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, in Krisen Hilfe erfahren oder Schwierigkeiten gemeinsam mit anderen bewältigt zu haben.

Vertrauen baut auf die Erfahrungen der Vergangenheit. Indem Sie auf die Vorratskammer an guten Erinnerungen zurückgreifen, nähren Sie Ihr Vertrauen in andere, in sich selbst, in das Leben und in seinen göttlichen Grund. Zugleich stärkt das gewachsene Vertrauen Ihre Zuversicht und Ihre Fähigkeit, sich gemeinsam mit anderen zu engagieren.

Zweitens: Rufen Sie sich Ihre Kräfte und Problemlösungen ins Gedächtnis, dann hilft dies, um gegenwärtige Herausforderungen und Aufgaben zu bestehen. Sie können auf Bewährtes zurückgreifen, Schlüsse für die Zukunft ziehen und Handlungsspielräume entdecken.

Und schließlich vollzieht sich in all dem ein – oft unmerklicher – Perspektivenwechsel: Anstatt nur auf das Problem zu starren oder sich als "armes Hascherl" zu fühlen, weitet sich der enge Blick. Wir kultivieren einen Sinn für Alternativen und vor allem begrenzen wir das Gefühl der Ohnmacht. Erinnernd vergewissern wir uns unserer Lebenskraft. Wir spüren Selbstwirksamkeit.

Auf den Punkt gebracht: Hoffen ist Erinnern in die Zukunft hinein!

Was man von einer Kuh lernen kann

Haben Sie schon einmal einer Kuh beim Grasen zugeschaut? Wieder und wieder kaut sie das einmal gefressene Gras, um es gut zu verwerten. Das Bild vom Wiederkäuen findet sich von alters her in der christlichen Spiritualität und Gebetslehre – und heute auch in der Psychologie. Es macht darauf aufmerksam: Sätze, die wir innerlich ständig wiederholen, prägen unser Fühlen, Denken und Verhalten. Offenkundig ist dies bei kleinmachenden oder ängstigenden Sätzen wie "Das kann ich nicht!" oder "Das bringt doch nichts!" ... Genauso entfalten auch heilsame Sätze ihre Wirkung; sie prägen und verändern von innen her.

In der christlichen Tradition hat sich aus dem wiederkehrenden Rezitieren eines Satzes sogar eine eigene Gebets- und Meditationsform entwickelt, die bezeichnenderweise 'ruminatio' genannt wird (lat. = Wiederkäuen).

In einem ruhigen Rhythmus wiederholt man murmelnd oder in Gedanken einen biblischen Vertrauenssatz – etwa einen Psalmvers wie: "Du ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?" (vgl. Psalm 27,1) Oder: "Du bist meine Zuversicht." (Psalm 71,5) Auf diese Weise macht man sich ein biblische Vertrauensworte immer mehr zueigen, so dass dieses einen von innen her prägen und beleben kann.

Bild: ©stock.adobe.com/globalmoments

Entscheiden Sie, wie viel Zeit Sie sich für die Meditation gönnen wollen und stellen sich vielleicht einen Wecker.

Praxistipp: Anleitung zu einer Meditation

Suchen Sie einen Ort auf, an dem Sie ungestört sind. Schalten Sie Ihr Handy und andere mögliche Störfaktoren aus. Entscheiden Sie, wie viel Zeit Sie sich für die Meditation gönnen wollen und stellen sich vielleicht einen Wecker.

Gibt es einen Bibelvers, eine Liedzeile ... – gibt es etwas, das Sie erahnen lässt: Ich bin in Gott geborgen? Wählen Sie für die folgende Meditation einen Satz aus, der in Ihnen Vertrauen weckt.

Nehmen Sie eine Körperhaltung ein, in der Sie aufmerksam und präsent da sein können. Versuchen Sie, Ihren Körper wahrzunehmen. Achten Sie auf Ihren Atem, wie er kommt und geht. Ohne dass Sie etwas daran ändern wollen.

Wiederholen Sie im regelmäßigen Rhythmus innerlich "Ihren" Vertrauenssatz. Sagen sie ihn wieder und wieder. Wenn Ihre Gedanken abschweifen (was ziemlich normal ist!), kehren Sie zur Beobachtung Ihres Atems und dann zu dem Vertrauenssatz zurück.

Schließen sie diese Meditation mit einem persönlichen Gebet ab.

Das Schöne an dieser Meditation: Sie können sie jederzeit und überall praktizieren: ob beim Warten auf den Zug, bei einem Spaziergang oder in unruhigen Nächten.

Von Melanie Wolfers

Die Autorin

Melanie Wolfers ist Philosophin und Theologin und eine der bekanntesten christlichen Autorinnen im deutschsprachigen Raum. 2004 trat sie in den Orden der Salvatorianerinnen ein. Sie ist Bestsellerautorin, gefragte Rednerin und betreibt den Podcast "GANZ SCHÖN MUTIG – dein Podcast für ein erfülltes Leben". www.melaniewolfers.de

Die Beiträge sind bearbeitete Auszüge aus: Melanie Wolfers, Zuversicht - Die Kraft, die an das Morgen glaubt, bene! Verlag 3. Auflage 2021

Aktion #jetzthoffnungschenken

Die Zahlen sind erschreckend: Jede vierte Person in Deutschland fühlt sich einsam. Und es sind nicht nur ältere Menschen betroffen. Einsamkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Problem – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft. Dabei reichen oft nur kleine Gesten wie ein Lächeln, ein freundliches Wort, ein offenes Ohr oder etwas Zeit, um seinem Gegenüber Hoffnung zu schenken. Mit der Aktion #jetzthoffnungschenken will das Katholische Medienhaus in Bonn gemeinsam mit zahlreichen katholischen Bistümern, Hilfswerken, Verbänden und Orden im Advent 2021 einen Beitrag gegen Einsamkeit leisten. Erfahren Sie mehr auf jetzthoffnungschenken.de.