Standpunkt

Franziskus braucht eine Lektion in Krisenkommunikation

Aktualisiert am 08.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ In der Kirche herrscht Ratlosigkeit über die Papstaussagen zum Amtsverzicht des Pariser Erzbischofs. Franziskus habe sich damit keinen Gefallen getan, kommentiert Matthias Altmann. Auch seine Medienschelte in diesem Fall sei nicht nachvollziehbar.

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Papst Franziskus ist für seine Spontanität bekannt. Aber zu oft geht der Schuss nach hinten los – wie bei seinen jüngsten Aussagen zum Rücktritt des Pariser Erzbischofs Michel Aupetit. Diese zeigen, dass der Pontifex eine Lektion in Sachen konsequenter Krisenkommunikation benötigt.

Zur Erinnerung: Aupetit war in den Medien ein "mehrdeutiges Verhältnis" gegenüber einer Frau unterstellt worden. Zuletzt hatte sich der Vatikan und auch der Papst selbst bei viel schwerwiegenderen Vorwürfen, beispielsweise des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger oder dessen Vertuschung, immer schützend vor Bischöfe gestellt, auch gegen großen öffentlichen Druck. Dieses Mal gab es keine entsprechende Intervention.

Der Papst versuchte erst, Aupetit in Schutz zu nehmen, nachdem er dessen Amtsverzicht bereits angenommen hatte. Doch das misslang ihm deutlich. Stattdessen sorgte er für noch mehr Unklarheit, sprach von einer Sekretärin, die Aupetit "massiert und leicht gestreichelt" habe, während laut Medien die Frau eine andere war. Bloße Unkenntnis des genauen Sachverhalts – oder weiß der Papst am Ende doch mehr als die Öffentlichkeit? Beides wirft gleichermaßen kein gutes Licht auf die ganze Sache.

Dass die Kommunikationsstrategie des Vatikan im 21. Jahrhundert aus der Zeit gefallen und problematisch ist, ist kein Geheimnis. Wenn dann aber noch die Unterstellung hinzukommt, die Medien hätten Aupetit auf dem Gewissen, werden Opfer- und Täterrollen verkehrt. Demnach wäre nicht die rigide Sexualmoral der Kirche schuld daran, dass ein vermeintlich zweideutiges Verhältnis des Erzbischofs zu einer Frau zu dessen Rücktritt führt, sondern die Medien, die mit ihrer Berichterstattung darüber das öffentliche Ansehen so geschädigt haben, dass Aupetit kein Bistum mehr leiten könne.

Um in solchen Fällen nicht noch mehr Schaden anzurichten, hat der Papst zwei Optionen: Entweder er verzichtet in Zukunft gänzlich darauf, derartige Rücktrittsgesuche zu kommentieren – oder der Vatikan und er rücken endlich mit der kompletten Wahrheit heraus, warum genau ein Bischof von seinem Amt entpflichtet wird. Auch der Papst muss einsehen, dass die Gläubigen ein Recht auf Transparenz haben. Wenn der Vatikan diese nicht herstellt, müssen es die Medien tun.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.