Standpunkt

Ein fröhliches Herz – mehr als nur ein frommer Wunsch

Aktualisiert am 09.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Beim Zapfenstreich zu ihrem Abschied wünschte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Deutschen "Fröhlichkeit im Herzen". Für Michael Böhnke ist das mehr als nur ein frommer Wunsch. Auch er selbst weiß nun, was er sich zu Weihnachten wünschen soll.

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Nun ist sie endgültig vorbei, die Ära Merkel. Sie endete mit einem frommen Wunsch, geäußert zum Schluss ihrer Ansprache beim Großen Zapfenstreich aus Anlass ihrer Verabschiedung in der vergangenen Woche: "Ich bin überzeugt, dass wir die Zukunft auch weiterhin dann gut gestalten können, wenn wir uns nicht mit Missmut, mit Missgunst, mit Pessimismus, sondern (...) mit Fröhlichkeit im Herzen an die Arbeit machen." Und sie fügte hinzu: "Es ist diese Fröhlichkeit im Herzen, die ich uns allen (...) wünsche."

"Ein fröhliches Herz", welche Christin und welcher Christ assoziiert da nicht die fünfte Strophe aus dem allseits bekannten Kirchenlied "Nun danket all und bringet Ehr", dessen Text von Paul Gerhardt stammt.

"Er gebe uns ein fröhlich Herz,
erfrische Geist und Sinn.
Und werf´all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz
in Meeres Tiefe hin."

Lange habe ich nicht gewusst, was ich mir in diesem Jahr zu Weihnachten wünschen sollte. Angela Merkel hat mich auf die zündende Idee gebracht. Ich wünsche mir ein fröhliches Herz. Ich wünsche mir es von IHM. Ich wünsche es mir nicht für mich alleine. Ich wünsche es für uns. ER gebe UNS ein fröhliches Herz; Frische, Lauterkeit, Gelassenheit und Freimut angesichts der persönlichen Sorgen, der pandemiebedingten Zumutungen und der zunehmenden Ellbogenmentalität in einer auseinanderdriftenden und zutiefst gespaltenen Gesellschaft.

Angela Merkel hat uns allen ein fröhliches Herz gewünscht. Auch ihren Nachfolgerinnen und Nachfolgern in der Bundesregierung! "So wahr ihnen Gott helfe." ER könnte ihnen beistehen, indem ER ihnen ein fröhliches Herz gibt. Das Kabinett Scholz, es trägt Verantwortung dafür, dass in den kommenden vier Jahren nicht Missmut und Missgunst, nicht Pessimismus und Angst um sich greifen und unsere Gesellschaft noch weiter spalten. Ein fröhliches Herz: Die Mitglieder der neuen Regierung können ein solches angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen nur zu gut gebrauchen.

Von Michael Böhnke

Der Autor

Michael Böhnke ist Professor für systematische Theologie an der Bergischen Universität Wuppertal. Außerdem ist er Ethik-Beauftragter des Deutschen Leichtathletikverbands.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.