Institution nicht nur als "Brötchengeberin" sehen

Bischof Meier: Wer bei der Kirche arbeitet, dem muss man es anmerken

Aktualisiert am 20.12.2021  –  Lesedauer: 

Augsburg ‐ Was bedeutet es, für die katholische Kirche zu arbeiten? Bischof Bertram Meier hat das nun vor den Mitarbeitenden seiner Diözese ausgeführt – und dazu aufgerufen, vom "Schlaf" im geistlichen Leben und im pastoralen Wirken aufzustehen.

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Augsburgs Bischof Bertram Meier hat Kirchen-Mitarbeitende dazu aufgerufen, sich als "lebendige Visitenkarten" zu verstehen. "Wer bei der Kirche beschäftigt ist, dem muss man es anmerken. Bei der Kirche arbeiten heißt nicht nur, sie als 'Brötchengeberin' zu sehen, sondern auch in ihr und mit ihr zu leben", sagte Meier am Montag in der Predigt zur Adventsmesse des Bischöflichen Ordinariates. "Es geht um Glaubwürdigkeit, um Authentizität", so der Bischof. Man sollte fragen: "Was ist dahinter, wenn Du für die Kirche arbeitest, programmierst, diskutierst, telefonierst, schreibst, predigst und vieles andere mehr tust?"

Meier rief zudem dazu auf, vom "Schlaf" im geistlichen Leben und im pastoralen Wirken aufzustehen. "Wie oft legen wir die alten Schallplatten auf, ohne auf die 'Zeichen der Zeit' zu achten. Was vor 30 oder 40 Jahren gut war, ist 2021 wahrscheinlich überholt", mahnte der Bischof. Zukunftsfähige Pastoral sei mehr als neue Strukturen für dünnere Personaldecken zu organisieren: "Wir müssen sie mit Inhalt füllen!"

Keiner dürfe sich in der Pandemie ausgeschlossen fühlen

Meier weiter: "Es reicht auch nicht aus, Pandemie-Verordnungen zu konzipieren und zu kontrollieren; unser erstes Ziel muss sein, mit Freude und möglichst unbeschwert Weihnachten zu zelebrieren und dabei viele Menschen zu integrieren. Keiner darf sich vor der Krippe ausgeschlossen fühlen. Jesus Christus und sein Evangelium gehören allen – wirklich allen!" Das Bistum Augsburg hatte entschieden, dass mit Ausnahme der nachweislich Infizierten alle Menschen Zugang zu Gottesdiensten haben sollen. Eine Verordnung lässt dennoch zugangsbeschränkte Gottesdienste zum besonderen Schutz vulnerabler Gruppen und in Kreisen mit einer stark erhöhten Inzidenz zu.

"'Pastoral innovativ' heißt den Hunger der Menschen nach Spiritualität stillen und zugleich ernst nehmen, wo vielen der Schuh drückt", so der Bischof weiter. Er nannte den Umgang mit Menschen, deren Biografie Brüche aufweise, die Zunahme sogenannter Patchwork-Familien und das schrumpfende Angebot geistlicher Zufluchts- und Kraftorte innerhalb der großen Kirchen. Dass eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen sich zu freikirchlich anmutenden Gemeinschaften hingezogen fühle, müsse der katholischen Kirche zu denken geben. "Sollte es daran liegen, dass sie bei uns nicht das finden, was sie eigentlich suchen: geistliche Nahrung, 'Sprit' fürs Leben?" Die Kirche dürfe kein "seelenloser Apparat" sein, betonte der Bischof, sie müsse "als Werkzeug lebendiger Seelsorge" dienen. "Für mich steht die Seelsorge ganz oben. Sie hat absolute Vorfahrt." (tmg/KNA)