Schwester Johanna Domek über das Sonntagsevangelium

Auf der Spur der Herrlichkeit

Aktualisiert am 08.01.2022  –  Lesedauer: 
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Köln ‐ Heute besingt die Kirche die aufscheinende "Herrlichkeit des Herrn". Aber was soll das überhaupt sein? Jesus klinkt sich nicht aus, sondern reiht sich ein; er taucht nicht ab, sondern ein. Schwester Johanna Domek lädt ein, seiner Spur zu folgen – vielleicht bricht ja sogar der Himmel auf?

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Impuls von Schwester Johanna Domek

In der kirchlichen Überlieferung gehört die Taufe Jesu zu den drei Festgeheimissen der Epiphanie, der Erscheinung des Herrn, oder wie die Ostkirche sagt: der Theophanie, der Gotteserscheinung. Sie machen Gottes Herrlichkeit für uns in Jesus sichtbar. Eine alte, vielfach vertonte Antiphon, besingt das in folgenden Worten:

"Durch drei Wunder ist dieser heilige Tag, den wir begehen, ausgezeichnet:
Heute führte der Stern die Weisen zur Krippe:
Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit:
Heute wollte Christus von Johannes im Jordan getauft werden, um uns zu retten."

Alle drei Weisen der Erscheinung sind in höchsten Maß beziehungsvoll, sie zeigen Beziehungen als die grundlegende Lebenswirklichkeit, sie zeigen den Menschen Jesus in Beziehung zu andern Menschen. In der Taufe Jesu durch Johannes im Jordan wird auch die Gottesbeziehung Jesu sichtbar. Da geschieht eine Gotteserfahrung, die ihn zutiefst prägt, ihn in eine Zeit in der Wüste treibt und zum Auftakt für sein öffentliches Wirken wird.

Ein Lied im Gotteslob (Eigenteil Köln) weiß von den drei Festgeheimnissen zu singen: "Die Herrlichkeit des Herrn erscheint..." Welche Herrlichkeit Gottes, Jesu ist das denn?

Es ist eine Herrlichkeit, die nicht in den Zentren, sondern am Rand der Gesellschaft und in ärmlichen Umständen geboren wird. Die kommen lässt, die kommen, die Hirten, die Magier, und die angebotenen Geschenke annimmt. So zeigt sie sich im ersten der drei Geheimnisse.

Im dritten der Festgeheimnisse zeigt sie sich im Mitgehen und Mitfeiern. Da zeigt sich, trotzt der auch vorkommenden Reibungen zwischen Menschen, ihre verwandelnde Kraft, die bewirken kann, dass aus Wasser Wein wird und für alle mehr als reichlich da ist.

Im heutigen Geheimnis zeigt sich die Herrlichkeit des Herrn, der seine Einmaligkeit nicht herausstellt, sondern sich einreiht in die Reihe der Sünder. Des Menschen, der betet, dem sich der Himmel dabei öffnet. Des Menschen, der sich eintauchen lässt ins fließende Wasser, das Urelement des Lebens, und dort Gottes Geist spürt und sich als den geliebten Sohn des Vaters erkennt und angesprochen erfährt.

Vermutlich haben Sie längst einen eigenen Schimmer, mindestens eine Ahnung von dieser Herrlichkeit Gottes, sonst hätten Sie diese Seite nicht aufgesucht. Wer der Herrlichkeit Gottes, Jesu nahekommen will, für den ist es ratsam, ihr auf der Spur zu bleiben und sich auf die Bewegungen einzulassen, die sich zeigen.

Sich nicht auszuklinken, sondern einzureihen, sich nicht rauszuhalten, sondern einzulassen, nicht abzutauchen, sondern einzutauchen. Und dabei nicht aufzuhören zu hoffen, dass auch mir der Heilige Geist widerfährt und die lebensnötige Gotteserfahrung geschenkt wird, die mich befähigt weiterzuleben, was ansteht.

Von Sr. Johanna Domek OSB

Evangelium nach Lukas (Lk 3,15–16.21–22)

In jener Zeit war das Volk voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.

Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ. Und während er betete,
öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach:

Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Die Autorin

Sr. Johanna Domek OSB ist seit mehr als 40 Jahren Benediktinerin in Köln-Raderberg, wo sie in der Kurs- und Exerzitienarbeit tätig ist. Darüber hinaus ist sie Beauftragte des Netzwerks alternde Ordensgemeinschaften und hat zahlreiche Publikationen zum Thema Spiritualität veröffentlicht.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.