Feiertag am ersten Sonntag nach dem Dreikönigsfest

Er an unserer Seite: Eine theologische Betrachtung zur Taufe des Herrn

Aktualisiert am 10.01.2021  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Heute feiert die katholische Kirche die Taufe des Herrn. Vor wenigen Tagen noch lag das Jesuskind in der Krippe – jetzt tritt Jesus bereits als erwachsener Mann auf. Auf den ersten Blick wirkt das unpassend, ist eigentlich aber doch stimmig.

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"Du bist aber groß geworden": Wenn es einen typischen Satz gibt, den Erwachsene zu Kindern sagen, dann ist es vielleicht dieser. Kinder sind eben im Wachsen. Und wenn man sie eine Zeit lang nicht zu Gesicht bekommt, dann kann es schon sein, dass man ein bisschen erschrocken ist ob ihrer Größe. Groß werden, erwachsen werden, das gehört eben zum menschlichen Leben ganz selbstverständlich dazu.

"Du bist aber groß geworden": Beim Lesen des Evangeliums am Fest der Taufe des Herrn wird so manchem dieser Satz über die Lippen rutschen. Denn erst vor wenigen Tagen haben wir noch davon gehört, dass die Sterndeuter zum Kind gekommen sind und es angebetet haben. Und am Sonntag danach erzählt uns das Evangelium schon von einem erwachsenen Mann, der zu Johannes am Jordan kommt, um sich von ihm dort taufen zu lassen.

Gewaltiger Zeitsprung im Leben Jesu

Ungefähr dreißig Jahre werden in den wenigen Tagen einfach übersprungen. Ein seltsames Bild, das uns die Liturgie Jahr für Jahr wieder zumutet: In unseren Krippen liegt noch das Jesuskind, und trotzdem erleben wir im Blick auf das Leben Jesu einen gewaltigen Zeitsprung. Groß geworden ist er in der Zwischenzeit, dieser Jesus aus Nazareth. Ein erwachsener Mann ist er, von dem wir hören, dass er nun bei Johannes um die Taufe bittet. Er reiht sich ein in die Schar der Menschen, die dort am Jordan Schlange stehen, um getauft zu werden.

Obwohl Jesus frei von Sünde ist, mischt er sich unter die Schar der Umkehrwilligen, um in den Fluss hinabzusteigen. In Jesus ist Gott eben ganz und gar einer von uns geworden – einer, der sich nicht scheut, sich mitten hineinzubegeben unter die Menschen, die um ihre eigenen Sünden und ihr eigenes Versagen wissen. Freilich: Jesus selbst ist ohne Sünde, er müsste nicht getauft werden. Aber er macht es trotzdem, um zu zeigen: Ich bin ganz einer von euch, ich teile euer Schicksal.

Papst Franziskus verzichtet wegen Corona auf traditionelle Kindertaufe

Üblicherweise tauft der Papst am Sonntag nach Dreikönig zahlreiche Kleinkinder in der Sixtinischen Kapelle, meist die Kinder von Vatikanangestellten. In diesem Jahr macht dem die Pandemie einen Strich durch die Rechnung.

"Du bist aber groß geworden": Der Sprung vom Jesuskind zum erwachsenen Menschen innerhalb dieser wenigen Tage wirkt auf den ersten Blick unpassend. Aber eigentlich ist es doch stimmig, denn die Taufe Jesu gehört zum Fest der Erscheinung des Herrn, bildet quasi ihren Abschluss. Der 6. Januar wird vielerorts als "Dreikönigstag" bezeichnet, vor allem weil in der Liturgie die Anbetung der Sterndeuter in den Mittelpunkt rückt.

Doch richtigerweise werden an Erscheinung des Herrn zugleich drei bedeutende Ereignisse im Leben Jesu begangen: "Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führte der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft, uns zum Heil", heißt es in der Tagzeitenliturgie vom Festtag.

In Jesus ist Gott Mensch geworden

Eine Antiphon, ein Wechselgesang vom Festtag fasst zusammen, um was es an Erscheinung des Herrn am 6. Januar geht: Drei Ereignisse im Leben Jesu stehen im Mittelpunkt, in denen deutlich wird, dass in Jesus wirklich Gott unter uns erschienen ist. In Jesus aus Nazareth ist Gott Mensch geworden: Das zeigt sich, wenn Männer aus dem fernen Osten kommen, um das Kind anzubeten. Es wird deutlich im ersten Zeichen des Johannesevangeliums, wenn bei der Hochzeit zu Kana Wasser zu Wein wird. Und es wird sehr augenscheinlich offenbar bei der Taufe im Jordan, wenn sich der Himmel öffnet und eine Stimme ruft: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden".

Ob klein oder groß, ob als kleines Kind in der Krippe oder als erwachsener Mann am Jordan: In diesen weihnachtlichen Tagen, die mit der Taufe des Herrn enden, feiern wir, dass Gott sich mit uns Menschen verbündet, dass er selber Mensch geworden ist. In Jesus von Nazareth ist er uns ganz nahegekommen. Das feiern wir, wenn wir auf das Kind in der Krippe schauen, vor dem die Hirten und Sterndeuter ihre Knie beugen. Das erkennen wir aber auch, wenn wir nur vier Tage nach dem Dreikönigstag auf das Leben des erwachsenen Jesus blicken: Wenn in seinem Leben und Handeln Gott selbst offenbar wird, der sich in ihm an unsere Seite stellt. In Jesus ist Gott mit uns – sein ganzes Leben ist Ausdruck dafür.

Von Fabian Brand (KNA)