Administrator Steinhäuser werde von Rom ausgebremst

Katholische Laien im Erzbistum Köln kritisieren Vatikan

Aktualisiert am 11.01.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Unter Kölns Laien regt sich Unmut gegenüber dem Vatikan: Weihbischof Steinhäuser mache als Administrator vieles richtig, werde aber von Roms ständigem "Nein, das darfst du nicht" ausgebremst. Auch die jüngsten Austrittszahlen sorgten für Erschrecken.

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Die Vertretung der katholischen Laien im Erzbistum Köln kritisiert den Umgang des Vatikan mit dem Übergangsleiter Rolf Steinhäuser. Der Apostolische Administrator mache "vieles richtig, möchte aufklären und aufarbeiten. Und dann kommt aus Rom ein ständiges 'Nein, das darfst du nicht' und 'so nicht'", sagte der Diözesanratsvorsitzende Tim Kurzbach am Dienstag dem Kölner "Domradio". "Das führt uns eher noch viel tiefer in die Krise hinein."

Steinhäuser leitet derzeit die mitgliederstärkste deutsche Erzdiözese anstelle von Kardinal Rainer Maria Woelki. Der Erzbischof befindet sich seit Mitte Oktober in einer mit dem Papst vereinbarten Auszeit, um die Auseinandersetzungen um die Missbrauchsaufarbeitung aufzuarbeiten. In der Zwischenzeit ließ Steinhäuser überprüfen, ob der Kardinal und sein Generalvikar Markus Hofmann bei der millionenteuren Beauftragung von Gutachtern und Kommunikationsberatern alle nötigen Gremien nach den Regeln des Kirchenrechts einbezogen hatten. Eine weitere kirchenrechtliche Prüfung von Auftragsvergaben der vergangenen zehn Jahre stoppte der Vatikan vorerst. Diese solle erst nach der geplanten Rückkehr Woelkis am Aschermittwoch, dem 2. März, erfolgen.

Kirchenaustritte: Es "brennt lichterloh" im Erzbistum

Nach den Worten von Kurzbach sind da "zu viele Verantwortliche im Bistum – und wie wir jetzt in letzten Tagen erfahren haben – ja auch in Rom, die anscheinend große Teile der Wahrheit wirklich nicht zulassen wollen". Auch der Vatikan müsse anerkennen, "dass es hier um ein Bistum in der Krise geht" und es immer noch "den großen Vertrauensbruch mit dem Bischof" gebe. Aus dem Erzbistum insgesamt müsse es eine Rückmeldung nach Rom geben, dass ein "einfach weiter so" keine Lösung sei – nach dem Motto "Jetzt haben wir mal ein halbes Jahr Ruhe gehabt und jetzt muss sich das alles von alleine beruhigt haben".

Kurzbach zeigte sich erschrocken darüber, dass sich die Zahl der Kirchenaustritte in der Stadt Köln gegenüber dem Rekordjahr 2019 auf 19.340 fast verdoppelt hat. Viele langjährig Engagierte kehrten der Kirche den Rücken. "Da brennt es unter unserem Kirchendach im Erzbistum Köln lichterloh." Der Diözesanratsvorsitzende sagte weiter: "Der Umgang insbesondere des Erzbischofs und der verantwortlichen Leitungskräfte im Bistum war gelinde gesagt massiv fehlerhaft." Kurzbach bekundete Ratlosigkeit, wie es nach der Rückkehr Woelkis weitergehen solle. Ob man bei den Funktionsträgern innerhalb der katholischen Kirche wirklich bereit sei, Fehler einzugestehen, sei die große Frage. (KNA)