Bistum sucht nach Betroffenen

Wegen falscher Formel: Tausende Taufen ungültig

Aktualisiert am 02.02.2022  –  Lesedauer: 
Ein Kind wird getauft und damit in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen.
Bild: © KNA

Phoenix ‐ Womöglich sind Tausende von Menschen im US-Bistum Phoenix gar keine getauften Christen: Wie nun bekannt wurde, verwendete ein Priester seit 2005 die falschen Worte bei der Taufe. Jetzt will er den Schaden wieder gut machen.

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Das Bistum Phoenix im US-Bundesstaat Arizona sucht nach Menschen, die seit 2005 von einem Priester mit einer ungültigen Taufformel getauft wurden. Der Fernsehsender "Telemundo Arizona" berichtete am Dienstag von mutmaßlich Tausenden von Betroffenen, die der Priester Andrés Arango seit 2005 mit der Formel "Wir taufen dich" statt wie vorgeschrieben "Ich taufe dich" getauft hat und so die Taufe nicht gültig gespendet hat. Die Ungültigkeit der Taufen hat Auswirkungen auf die Gültigkeit des Empfangs weiterer Sakramente durch die Betroffenen. Das Bistum ruft nun Betroffene auf, sich zu melden, um nötige Schritte wie eine gültige Taufe oder eine Überprüfung von Ehen vorzunehmen.

Bereits Mitte Januar wandte sich der Bischof von Phoenix Thomas Olmstedt in einem Brief an die Gläubigen und versicherte, dass das Bistum die nötigen Schritte unternehmen werde, um bei den Betroffenen Abhilfe zu schaffen. Auch der Priester selbst schrieb einen Brief an seine Gemeinde und zeigte sich betroffen, dass er die Taufe ungültig gespendet hatte. "Ich bedauere zutiefst meinen Fehler und die Auswirkungen, die er auf zahlreiche Menschen in Ihrer Gemeinde und anderswo hatte", so Arango, der vom Dienst in seiner Gemeinde zurücktrat und sich künftig ganz der Behebung der durch die ungültig gespendeten Taufen entstandenen Probleme widmen werde. Olmstedt betonte, dass er davon ausgehe, dass Arango nicht absichtlich gehandelt habe und "keine Absichten hatte, den Gläubigen zu schaden oder sie von der Gnade der Taufe und der Sakramente auszuschließen". Arango bleibe weiterhin Priester im Dienst der Diözese. Wie das Bistum auf den Vorgang aufmerksam wurde, ist nicht bekannt.

Taufe nur mit Formel in der Ich-Form gültig

Die vatikanische Glaubenskongregation hatte im Sommer 2020 festgestellt, dass eine Abänderung der Taufformel von der ersten Person Singular in die erste Person Plural nicht zulässig sei. Entsprechende Versuche der Spendung seien ungültig. Gültig wird das Sakrament nur mit der Formel "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" gespendet. Die versuchten Taufen von Arango seien vom Bistum in Abstimmung mit der Glaubenskongregation geprüft und für ungültig befunden worden, teilte der Bischof mit.

Der Vorgang in Phoenix ist der erste bekannt gewordene Fall, in dem gesichert eine große Zahl von Menschen betroffen sind. Das Bistum gibt an, nur Kenntnis von ungültigen Taufen ab 2005 durch Arango zu haben. Der Diözesanpriester war zuvor Mitglied des Eudisten-Ordens, für den er von 1995 bis 2001 im Erzbistum São Salvador da Bahia (Brasilien) und von 2001 bis 2005 im Bistum San Diego (USA) tätig war. Es ist nicht bekannt, ob Arango auch dort die ungültige Taufformel verwendet hat.

Für Aufsehen sorgte 2020 der Fall des US-amerikanischen Priesters Matthew Hood, der nach der Veröffentlichung der Glaubenskongregation festgestellt hatte, dass er ungültig getauft und damit auch weder Firmung noch Diakonen- und Priesterweihe gültig empfangen hatte. Hood, der Priester der Erzdiözese Detroit ist, wurde unmittelbar nach der Feststellung der Ungültigkeit getauft und gefirmt, nach Exerzitien empfing er erneut die Diakonen- und Priesterweihe. In seiner Taufgemeinde soll die falsche Formel durch einen Diakon zwischen 1986 und 1999 verwendet worden sein. Wie viele Täuflinge davon betroffen sind, ist nicht bekannt. (fxn)