"Besonderer Hinweis" des Duden sorgt für Diskussionen

Neymeyr zu Debatte um Wort "Jude": Nicht vor Missbrauch kapitulieren

Aktualisiert am 08.02.2022  –  Lesedauer: 
Neymeyr zu Debatte um Wort "Jude": Nicht vor Missbrauch kapitulieren
Bild: © KNA/Dominik Wolf

Erfurt ‐ Ein "Besonderer Hinweis" des Duden zum Gebrauch des Wortes "Jude" sorgt seit Tagen für Diskussionen. Jetzt hat sich auch Bischof Ulrich Neymeyr in die Debatte eingeschaltet. Er warnt davor, vor dem Missbrauch des Wortes zu kapitulieren.

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Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat sich in die Debatte um die Empfehlung des Duden zur Nutzung des Wortes "Jude" eingeschaltet. "Einen Juden nicht als Juden zu bezeichnen, wäre eine Kapitulation vor dem Missbrauch des Wortes", sagte Neymeyr, der in der Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum ist, am Dienstag auf Anfrage von katholisch.de.

Neymeyr: Die Formulierung im Duden ist unglücklich gewählt

Der Bischof bezog sich mit seiner Aussage auf einen "Besonderen Hinweis" zum Wort "Jude" auf der Internetseite des Rechtschreibwörterbuchs. Dort heißt es: "Gelegentlich wird die Bezeichnung Jude, Jüdin wegen der Erinnerung an den nationalsozialistischen Sprachgebrauch als diskriminierend empfunden. In diesen Fällen werden dann meist Formulierungen wie jüdische Menschen, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger oder Menschen jüdischen Glaubens gewählt." In den vergangenen Tagen hatte sich in den sozialen Netzwerken und mehreren Medien Kritik an dem Hinweis entzündet.

"Die Formulierung im Duden ist unglücklich gewählt. Es müsste eher heißen: 'Das Wort 'Jude' wird im Straßen- und Schulhof-Jargon als Schimpfwort missbraucht.' Leider, muss man ergänzen", sagte Neymeyr weiter. Pädagoginnen und Pädagogen kämpften in den Schulen zurecht dagegen an. Die vom Duden vorgeschlagene Bezeichnung "Menschen jüdischen Glaubens" ist laut dem Bischof keine Alternative zum Wort "Jude". Diese Bezeichnung nehme Menschen nicht zur Kenntnis, die zum Judentum gehörten, ohne im strengen Sinne gläubig zu sein.

Auch Zentralrat der Juden äußerte Kritik

Am Montag hatte bereits der Zentralrat der Juden in Deutschland Kritik an dem Hinweis der Duden-Redaktion geäußert. "Das Wort 'Jude' ist für mich weder ein Schimpfwort noch diskriminierend", sagte Präsident Josef Schuster. Sein Verband heiße bewusst Zentralrat der Juden und nicht der "jüdischen Mitbürger". "'Jude' oder 'Jüdin' ist die Bezeichnung, die Augenhöhe signalisiert, wie zum Beispiel 'Katholik' oder 'Protestant'", so Schuster weiter. Dies sei besser als Formulierungen aus vermeintlich großzügiger Toleranz gegenüber Menschen, von denen man sich letztlich doch abgrenzen wolle.

Die Duden-Redaktion reagierte inzwischen auf die Kritik und erwägt eine Überarbeitung des Eintrags. Die Leiterin der Redaktion, Kathrin Kunkel-Razum, sagte, man nehme die Kritik und die Diskussion sehr ernst, dass der Hinweis auf Diskriminierung selbst als diskriminierend empfunden werden könnte: "Ich kann das nachvollziehen, aber das ist in keinster Weise unser Anliegen." Die Redaktion werde den Hinweiskasten noch einmal sehr gründlich prüfen und überarbeiten, um die Komplexität der Debatte abzubilden. Tatsächlich gebe es aber Juden, die diese Bezeichnung selbst nicht verwendeten, fügte sie hinzu. Den Hinweis selbst gebe es bereits seit 2007 und online seit 2011. "Das ist überhaupt nichts Neues", so Kunkel-Razum. Ähnliche Hinweise gebe es im Duden auch bei etwa 200 anderen Begriffen. (stz)