Christliche Tradition sei vielfältiger als manche vermuteten

Bischof Bode fordert grundlegende Reformen bei Sexualmoral

Aktualisiert am 10.03.2022  –  Lesedauer: 
Bischof Franz-Josef Bode
Bild: © KNA/Lars Berg

Berlin ‐ Die katholische Sexualmoral hat bei vielen Menschen keinen guten Ruf. Bischof Franz-Josef Bode kritisiert, dass die Kirche Sexualität in der Vergangenheit zu wenig vom Aspekt der Freiheit her gedacht hat – und will das nun ändern.

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Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hält grundlegende Reformen in der katholischen Sexualethik für erforderlich. "Wir haben bisher mit der Sexualmoral die Freiheit der Menschen stark eingeschränkt. Wir müssen endlich die kirchliche Lehre in vielen Bereichen aus dem christlichen Paradigma der Freiheit erschließen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Interview des Magazins "Cicero" (Donnerstag).

Der Bischof erklärte, auch in Rom ändere sich langsam etwas. Es gehe darum, wie Partnerschaften gelingen könnten - innerhalb und außerhalb der Ehe, homosexuell oder heterosexuell. "Wir möchten den christlichen Maßstab der Liebe einbringen." Partner dürften nie zu Objekten gemacht werden, auch wenn sie dem zustimmen würden. "Daraus ergeben sich dann auch positive Bewertungen der Sexualität in allen ihren Dimensionen."

Kyrills Äußerungen zum Ukraine-Krieg seien schwere Belastung

Bode betonte, die christliche Tradition sei lebendiger und vielfältiger, als manche es vermuteten. Im Verlauf der Kirchengeschichte habe sich vieles verändert. Mit Blick auf Kritik der polnischen katholischen Bischöfe am Reformvorhaben der Kirche in Deutschland sagte der Osnabrücker Bischof, die polnische Kirche werde sich entscheiden müssen, welchen Weg sie gehen wolle. "Aber an den Realitäten des Lebens kommt sie nicht vorbei." In der Situation der Verfolgung zur Zeit des Kommunismus habe sie eine bestimmte Haltung konserviert, "mit der meines Erachtens die Zukunft wohl kaum zu gestalten ist".

Weiter kritisierte Bode Äußerungen des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I., der Krieg in der Ukraine sei auch ein Kampf gegen Paraden von Homosexuellen als "unfassbar". Er habe kein Verständnis dafür, dass sich der Moskauer Patriarch "zur Stützung eines politischen Systems vereinnahmen" lasse. Die Ökumene mit der Orthodoxie erfahre durch solche Äußerungen eine schwere Belastung. (rom/KNA)