50 Pastorale Räume als zentrale Einheiten für kirchliches Leben

Künftig 8 bis 13 Pfarreien: Bistum Aachen plant einschneidende Reform

Aktualisiert am 18.03.2022  –  Lesedauer: 

Aachen ‐ Bereits seit 2018 befindet sich das Bistum Aachen mit seinem Reform- und Dialogprozess "Heute bei dir" auf einem Weg der Erneuerung. Nun wurde bekannt, wie das kirchliche Leben vor Ort in den Pfarreien künftig strukturiert sein wird.

  • Teilen:

Das Bistum Aachen steht vor einer tiefgreifenden Strukturreform. In den kommenden sechs Jahren sollen nach vorläufigen Plänen 8 bis 13 Pfarreien entstehen, wie die Diözese am Freitag bekannt gab. Zentrale Einheiten kirchlichen Lebens sollen jedoch rund 50 sogenannte Pastorale Räume bilden. Hier würden Entscheidungen etwa über Geld- oder Personaleinsatz vor Ort fallen. Derzeit gibt es im Bistum Aachen rund 320 Pfarreien, die in 71 Gemeinschaften der Gemeinden zusammenarbeiten. Der Vorschlag soll in einer Woche von einer Synodalversammlung beraten werden.

Die Pastoralen Räume will das Bistum bis Januar 2024 einrichten. In diesen rund 50 Gebietseinheiten würden Sonntagsmessen weiter verlässlich stattfinden und die vier Hauptaufgaben der Kirche abgesichert: die christliche Botschaft verkünden, Gottesdienste feiern, Gemeinschaften bilden und soziale Hilfen leisten. Die Pastoralen Räume sind zudem die Einsatzebene des Seelsorgepersonals. Geleitet werden sie von Teams, zu denen aber nicht zwingend ein Priester gehören muss.

Die 8 bis 13 Pfarreien sollen den Plänen zufolge bis Januar 2028 entstehen. Ihre Aufgabe liegt vor allem darin, die Qualität zu sichern sowie die Erfüllung der vier Hauptaufgaben unterstützend ("subsidiär") zu gewährleisten. Auch die Pfarreien sollen vornehmlich von Teams geleitet werden, wobei hier ein Pfarrer Mitglied sein muss. Rechtsstrukturen sowie konkrete Grenzverläufe muss das Bistum noch erarbeiten.

Vorläufige Beschlüsse werden am 26. März vorgestellt

Die Pläne erstellte ein Synodalkreis, dem neben Bischof Helmut Dieser 16 weitere Mitglieder angehören, darunter Generalvikar Andreas Frick sowie Vertreter der Priester und Laien. Der Kreis stellt seine vorläufigen Beschlüsse am 26. März einer Synodalversammlung mit rund 170 Teilnehmenden aus verschiedenen Bereichen des Bistums vor. Die Räte und Gremien der Diözese sollen in diesem Rahmen Voten abgeben, die der Synodalkreis in seine weiteren Beratungen aufnimmt. Im letzten Schritt fasst der Kreis endgültige Beschlüsse, an die sich der Bischof binden will.

Zum Bistum Aachen gehören knapp eine Million Katholikinnen und Katholiken. Die Zahl der Mitglieder und Priester sowie die Finanzen sind rückläufig. 2018 stieß Dieser daher den Reform- und Dialogprozess "Heute bei dir" über die Zukunft der Seelsorge in dem Bistum an, an dessen Ende die Strukturreform steht.

Auch in anderen Bistümern gibt es Umstrukturierungspläne. Das Vorhaben des Erzbistums Köln, 50 bis 60 Großpfarreien zu bilden, stieß auf breite Ablehnung. Das Bistum Trier - Diesers Heimatbistum - musste seine Pläne für 35 Großpfarreien abändern, als sich nach Protesten vor Ort der Vatikan einschaltete. Auch im Bistum Aachen zeichnet sich Unmut ab. (KNA)