Bewertung einer Sängerin aufgrund ihrer Frisur sei intolerant

Streit um Dreadlocks: Bistum distanziert sich von "Fridays for Future"

Aktualisiert am 24.03.2022  –  Lesedauer: 

Hannover/Hildesheim ‐ Im Streit um die Dreadlocks der Sängerin Ronja Maltzahn meldet sich nun auch das Bistum Hildesheim zu Wort: Dass die Sängerin wegen ihrer Frisur vom Klimastreik an diesem Freitag ausgeladen wurde, sei "überzogen und intolerant".

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Das Bistum Hildesheim hat sich von der Entscheidung der Hannoveraner Ortsgruppe von "Fridays for Future", die Sängerin Ronja Maltzahn von dem für Freitag geplanten Klimastreik in der niedersächsischen Landeshauptstadt auszuladen, distanziert. Dass die Musikerin als weiße Person Dreadlocks trage, sei nach Auffassung der Diözese kein Grund, sie nicht auftreten zu lassen, hieß es in einer am Donnerstag verbreiteten Stellungnahme. "Die Bewertung der Sängerin allein aufgrund ihrer Frisur ist überzogen und intolerant", so das Bistum.

Musikerin wurde aufgefordert, ihre Haare abzuschneiden

Zugleich betonte die Diözese, dass sie ebenso wie "Fridays for Future" für den Klimaschutz eintrete und deshalb auch zur Teilnahme am globalen Klimastreik aufgerufen habe. "Die Kritik der Diözese betrifft allein das Verhalten der 'Fridays for Future'-Ortsgruppe aus Hannover gegenüber Ronja Maltzahn", so das Bistum.

Die Hannoveraner Ortsgruppe von "Fridays für Future" hatte Maltzahn am Mittwoch vom Klimastreik ausgeladen, weil sie Dreadlocks trägt. Die Künstlerin machte die Absage ihres Auftritts am selben Tag auf dem sozialen Netzwerk Instagram öffentlich. Die Klimaaktivisten hätten ihr mitgeteilt, dass Dreadlocks "bei weißen Menschen eine Form der kulturellen Aneignung" seien, so Maltzahn. "Fridays for Future" entschuldigte sich bei der Sängerin zwar, rechtfertigte aber zugleich die Entscheidung. Der Sängerin zufolge hatte die Initiative ihr mitgeteilt, sie dürfe nur dann auftreten, wenn sie bis Freitag ihre Dreadlocks abschneide. Dreadlocks sind Strähnen verfilzter Kopfhaare. Im Zuge der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten trugen Afroamerikaner Dreadlocks bewusst als Ausdruck ethnischen Stolzes.

Bischöfe haben zur Teilnahme am Klimastreik aufgerufen

Hildesheims Bischof Heiner Wilmer hatte am Mittwoch zur Teilnahme an dem geplanten globalen Klimastreik aufgerufen. "Es gibt für Christinnen und Christen keine größeren Gebote als die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten", so Wilmer in seinem Aufruf. "Indem wir helfen, Gottes Schöpfung für uns, für alle Menschen dieser Erde und für die nachkommenden Generationen zu bewahren, kommen wir beiden Aufforderungen gleichermaßen nach", erklärte der Bischof.

Auch der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich warb für eine Teilnahme an dem Klimastreik. Die immer häufigeren Naturkatastrophen hätten längst gezeigt, "wie dringend wir unsere Verantwortung für die Schöpfung wahrnehmen müssen", schreibt Heinrich in einem Gastbeitrag für die Berliner Boulevardzeitung "B.Z." (Donnerstag). Heinrich kündigt an, er werde auf Einladung der "Christians for Future" selbst am Klimastreik teilnehmen. Die Bewahrung der Schöpfung sei gerade für Christen eine Verpflichtung. (stz)