Vokalensemble werde nur in "Rumpfbesetzung" im Dom auftreten

Zeitung: Sänger boykottieren Gottesdienst mit Kardinal Woelki

Aktualisiert am 09.04.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Man wolle das "Weiter so" von Kardinal Woelki nicht unterstützen: Laut einem Bericht will das Vokalensemble des Kölner Doms dem Gottesdienst mit dem Erzbischof am Palmsonntag größtenteils fernbleiben. Und auch der Rest wolle ein Zeichen setzen.

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Aus Protest gegen das Verhalten des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki will ein Chor bei einem bedeutenden Gottesdienst am Sonntag nur in einer "Rumpfbesetzung" auftreten. "Wir wollen mit unserem Gesang nicht ein 'Weiter so' unterstützen, das wir nach der Rückkehr das Kardinals aus seiner Auszeit erleben", sagte Edith Timpe vom Vokalensemble der weltbekannten Kathedrale dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag). Statt der rund 50 Sängerinnen und Sänger träten beim Palmsonntags-Gottesdienst mit dem Erzbischof nur acht Personen auf.

Weiter berichtet das Blatt, als zusätzliches Zeichen werde die Gruppe überwiegend aus queeren und nicht-katholischen Chormitgliedern bestehen. Dies habe der Chor dem Kardinal am Donnerstag in einer Mail mitgeteilt. In dem Schreiben an Woelki habe man die Frage vieler Mitglieder des Ensembles thematisiert, "ob sie es noch mit ihrem Gewissen vereinbaren können, durch ihre aktive Teilnahme an den Hochämtern unter Ihrer Leitung das 'System Erzbistum Köln' zu unterstützen".

Domkapellmeister: Will Diskussion nicht unterbinden

Zu der Protestaktion des Ensembles sagte Domkapellmeister Eberhard Metternich dem "Stadt-Anzeiger", er könne und wolle eine Diskussion im Chor über die Situation der Kirche nicht unterbinden. Über die Aktion an Palmsonntag, mit dem traditionell die Karwoche vor Ostern feierlich eröffnet wird, habe auch er persönlich den Kardinal unterrichtet, ohne dass dieser reagiert habe.

Einen Missbrauch des Gottesdienstes könne er im Vorhaben seiner Sängerinnen und Sänger nicht erkennen, so der Domkapellmeister. Er fügte hinzu: "Wir werden singen, die Liturgie wird gestaltet. Das habe ich dem Erzbischof zugesichert. Aber es wird eben anders sein als vielleicht erwartet und gewohnt."

Das größte deutsche Bistum wird von einer anhaltenden Vertrauenskrise erschüttert, die Austrittszahlen sind sprunghaft gestiegen. Vor allem geht es um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und Woelkis Verhalten. Vergangenes Jahr schaltete sich Papst Franziskus ein und ordnete eine Untersuchung an. Woelki ging anschließend in eine mehrmonatige Auszeit, die Anfang März endete. Bei seiner Rückkehr wurde bekannt, dass er dem Papst seinen Rücktritt angeboten hat. Gleichzeitig warb der Kardinal um einen Neuanfang und eine zweite Chance. (mal/KNA)

9.4., 16:05 Uhr: zweiter Absatz berichtigt.