Kardinal Woelki im Diözesanpastoralrat: Papst ist "ein alter Mann"

Rücktritt und Austausch: Turbulentes Wochenende im Erzbistum Köln

Aktualisiert am 03.04.2022  –  Lesedauer: 

Köln/Düsseldorf ‐ Gut vier Wochen nach der Rückkehr von Kardinal Woelki hat sein Erzbistum ein bewegtes Wochenende erlebt: Woelki traf zum ersten Mal wieder auf sein wichtigstes Beratungsgremium, es gibt Probleme mit einer Stiftung und bald einen neuen Generalvikar.

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Das krisengeschüttelte Erzbistum Köln blickt auf ein turbulentes Wochenende zurück. Erstmals nach seiner rund fünfmonatigen Auszeit traf sich Erzbischof Rainer Maria Woelki wieder mit seinem wichtigsten Beratungsgremium, dem Diözesanpastoralrat (DPR), in Düsseldorf. Wie die Erzdiözese mitteilte, hat der Kardinal nach anerkennender Einschätzung von Teilnehmern "eigene rote Linien überschritten". Zugleich seien aber beim Rückblick auf die Auszeit und angesichts aktueller Themen gegensätzliche Ansichten deutlich zur Sprache gekommen.

Irritationen löste Woelki offenbar bei mehreren der Mitglieder des Gremiums mit Äußerungen über Papst Franziskus aus. Er habe den Papst als "alt" und "realitätsfremd" beschrieben, berichteten mehrere DPR-Mitglieder übereinstimmend der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Samstag. Ein Sprecher des Erzbistums sagte, Woelki habe zwar die Formulierung "alter Mann" für das 85-jährige Kirchenoberhaupt verwendet, dies sei aber in keiner Weise despektierlich gemeint gewesen. Einer der Teilnehmer sagte dem Bericht zufolge: "Wir haben einen ehrlichen, authentischen Bischof erlebt." 

Woelki: Rückkehr ist "tastenden Neuanfang, der vom Hören geprägt" sein soll

Laut Pressemitteilung des Erzbistums beschrieb Woelki seine Rückkehr ins Amt als einen "tastenden Neuanfang, der vom Hören geprägt" sein solle. Den Angaben zufolge benannte er die von der Bischofskonferenz angestrebten Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht sowie die Einführung von Wortgottesfeiern an Sonntagen mit Austeilung der Kommunion als wichtig für die Zukunft des Erzbistums. Bislang hatte der Kardinal diese nicht erlaubt und auf Eucharistiefeiern bestanden. Beim Sakrament der Eucharistie wird nach katholischem Verständnis Christus durch eine Wandlung von Brot und Wein selbst gegenwärtig. Dieser Feier in Gedenken des letzten Abendmahls Jesu darf nur ein Priester vorstehen. Wortgottesfeiern können dagegen auch Laien leiten. Die Pläne sehen vor, dass bei diesen Gottesdiensten auch zuvor geweihte Hostien ausgeteilt werden können.

Woelki wolle auch übe neue Leitungsformen in den neu zu schaffenden pastoralen Einheiten ins Gespräch kommen. Dieser Vorschlag stieß demnach auf Zustimmung, während zugleich in der Debatte auch Vorbehalte geäußert wurden.

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Zu Beginn des Treffens hatte Woelki den rund 60 Teilnehmern und der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass sein Generalvikar Markus Hofmann (54) im Sommer sein Amt abgibt. Der Wechsel an der Verwaltungsspitze des Erzbistums wurde mit Unklarheiten im Stiftungsbereich und einer notwendigen Umorganisiation der Verwaltung begründet, die künftig in die Geschäftsbereiche Seelsorge, Finanzen und Verwaltung aufgegliedert werden solle. Zudem solle ein Verwaltungsexperte als Amtschef eingeführt werden. "Beide Maßnahmen entlasten das Amt des Generalvikars", so der Erzbischof. Hofmann erklärte, er sei Theologe und kein Wirtschafts- oder Verwaltungsfachmann.

Laut Erzbistum wurde bei einem verwaltungsmäßigen Routinevorgang im Stiftungsbereich eine "vertragliche Regelung ungewöhnlichen Inhalts" bekannt. Diese entfalte für das Erzbistum und die Stiftung "eine erhebliche und langfristige wirtschaftliche Bindungswirkung" und sei "bisher bei keiner der Körperschaften bilanziert". Wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) aus Kirchenkreisen erfuhr, geht es um die "Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung im Erzbistum Köln". Sie wurde gegründet, um Anfang 2020 die Trägerschaft der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) zu übernehmen und die Finanzierung der Einrichtung zu sichern.

Fond reicht für kurz- und mittelfristige Finanzierung nicht aus

Ausdrücklich sollten dafür keine Kirchensteuermittel aufgewendet werden. Stattdessen solle die Stiftung durch Großspender und Fundraising eine "Finanzierung von außen" sicherstellen. Langfristig ist von einem Bedarf von acht bis zehn Millionen Euro pro Jahr die Rede. Die Mittel zur Anschubfinanzierung wurden aus einem Fonds entnommen, über den der Erzbischof verfügen kann und aus dem auch die Zahlungen an Missbrauchsbetroffene erfolgen. Der Topf reicht nach KNA-Recherchen für die kurz- und mittelfristige Finanzierung nicht aus.

Im Erzbistum Köln hat vor allem die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zu einer Vertrauenskrise geführt. Nach Absprache mit Papst Franziskus ging Woelki vergangenen Oktober in eine Auszeit. Bei seiner Rückkehr am Aschermittwoch wurde bekannt, dass er dem Papst seinen Rücktritt angeboten hat. Zugleich warb Woelki um einen Neuanfang und eine zweite Chance. Über das Rücktrittsgesuch muss Franziskus noch entscheiden. (cbr/KNA)