Nicht hilfreich, "einer scheinbar guten goldenen Welt nachzutrauern"

Bischof Kohlgraf: Zeit der Volkskirche geht dem Ende entgegen

Aktualisiert am 21.04.2022  –  Lesedauer: 

Mainz ‐ "Die Zeit der Volkskirche, in der viele auch emotional groß geworden sind, geht dem Ende entgegen oder ist bereits an ein Ende gekommen", sagt Bischof Peter Kohlgraf. Dem hinterherzutrauern, helfe jedoch nicht weiter.

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Die bevorstehende tiefgreifende Pfarreienreform im Bistum Mainz ist nach Einschätzung von Bischof Peter Kohlgraf mit einem Abschied von der Volkskirche verbunden. "Die Zeit der Volkskirche, in der viele auch emotional groß geworden sind, geht dem Ende entgegen oder ist bereits an ein Ende gekommen", sagte Kohlgraf in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung des Bistums. Es sei nicht hilfreich, "einer scheinbar guten goldenen Welt nachzutrauern". Vielmehr gelte es, im "Hier und Heute" das Evangelium zu den Menschen zu bringen.

Die am 28. April bei einem Bistumsempfang offiziell beginnende Errichtung von 46 Pastoralräumen, aus denen bis zum Jahr 2030 insgesamt 46 neue große Pfarreien hervorgehen sollen, sei notwendig, so Kohlgraf. Die ersten Neugründungen solcher Pfarreien im Bistum werde es Anfang 2024 geben.

Die bisherigen Pfarreistrukturen könne man nicht weiter am Laufen halten, weil es in der "bisherigen Logik" der Versorgung durch Hauptamtliche und den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln nicht mehr möglich sei. Bisher existieren 134 Pfarrgruppen und Pfarreienverbünde im Bistum Mainz. Kohlgraf hatte in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bereits betont, dass die "Kleinteiligkeit" von Pfarreistrukturen auf Dauer nicht zu bewältigen sei.

"Wir reagieren jetzt auf die Situation unserer Zeit"

"Strukturveränderungen hat es in der Kirche immer gegeben und wir reagieren jetzt auf die Situation unserer Zeit und müssen schauen, dass die Strukturen so angepasst werden, dass sie unserem Auftrag und unseren Möglichkeiten entsprechen", so Kohlgraf am Donnerstag. Die Logik des sogenannten Pastoralen Weges im Bistum sei eine Logik von "unten nach oben". Das Leben in den Gemeinden vor Ort solle durch ein Netzwerk mit weiteren Gemeinden sowie Kirchorten wie Caritas oder Kindertagesstätten gefördert werden. "Dabei können Schwerpunkte gesetzt werden. Nicht jede Gemeinde muss alles leisten", so Kohlgraf. "Wir werden in Zukunft noch mehr auf die Menschen vor Ort setzen und ihnen Anteil geben, auch an Leitungsverantwortung und an Gestaltungsmöglichkeiten."

Bereits im Januar hatte Bischof Kohlgraf die Leiter der 46 Pastoralräume – jeweils Pfarrer – ernannt. Deren "besondere Aufgabe" sei es, das Zusammenwachsen zu einer neuen Pfarrei im Team mit allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Pastoralraum umzusetzen. (KNA)