Standpunkt

Beim Frauendiakonat wird es noch sehr viel Geduld brauchen

Aktualisiert am 29.04.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Katholische Frauenverbände betonen, dass es aktuell eine Chance für das Diakonat der Frau gibt. Ist diese Hoffnung begründet? Matthias Altmann geht davon aus, dass es bei diesem Thema immer noch einen langen Atem brauche.

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In Sachen Einführung eines sakramentalen Diakonats der Frau in der Kirche scheinen katholische Frauenverbände in Deutschland aktuell einigermaßen zuversichtlich zu sein. Zum "Tag der Diakonin", den sie seit einigen Jahren am 29. April begehen, sprechen sie von einem "Zeitfenster", das sich bei diesem Thema angesichts synodaler Prozesse weltweit aufgetan habe. Bleibt die Frage, ob ihre Hoffnung, dass sich dieses "Zeitfenster" jetzt auch nutzen lässt, wirklich begründet ist – oder ob es sich lediglich um Zweckoptimismus handelt.

Klar ist, dass die Argumente seit Jahren auf dem Tisch liegen. Schon lange vor und auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist die Forderung in Anlehnung an die Frühe Kirche aufgetaucht. Seither gab es immer wieder vatikanische Kommissionen, die sich damit beschäftigt haben. Auch Papst Franziskus scheint das Thema umzutreiben, immerhin hat auch er in seiner Amtszeit bislang schon zwei Kommissionen eingesetzt. Doch wie er wirklich über ein Diakonat der Frau denkt, ist alles andere als eindeutig. Entsprechenden Forderungen auf der Amazonas-Synode 2019 hat er zum Beispiel nicht aufgegriffen und stattdessen vor einer "Klerikalisierung" von Frauen gewarnt.

Viele scheinen das Diakonat immer noch vor allem als "Durchgangsstufe" zum Priesteramt zu verstehen. Solange das der Fall ist, werden auch die Vorbehalte gegen ein Diakonat der Frau bleiben. Gegner äußern immer wieder die Befürchtung, es könne das "Einfallstor" für das Frauenpriestertum werden. Aber die männlichen ständigen Diakone, die es infolge des Zweiten Vatikanums seit rund 50 Jahren wieder in der Kirche gibt, wollen auch nicht von heute auf morgen Priester werden und betonen zurecht das eigenständige Profil ihres Amtes. Wie lange wird es dauern, bis auch hier die letzten Zweifel ausgeräumt sind?

Das Thema der Teilhabe an Frauen am sakramentalen Weiheamt ist eines der zentralen im Blick auf die Zukunft der Kirche. Das Diakonat der Frau scheint am realistischsten möglich zu sein. Doch dafür dürfte es immer noch einiges an Geduld brauchen. Fraglich ist, ob kirchliche (Frauen-)Verbände und viele engagierte Frauen, die sich zum Diakonat berufen fühlen, diese überhaupt noch haben.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.