Treffen zwischen Bonnemain und Kritikern aus Klerus

Churer Bischof verteidigt Verhaltenskodex gegenüber Priesterkreis

Aktualisiert am 12.05.2022  –  Lesedauer: 

Chur ‐ Im April hatten mehr als 40 Priester des Bistums Chur sich geweigert, einen Verhaltenskodex zu unterzeichnen. Nun hat sich Bischof Bonnemain mit den Kritikern getroffen – und erklärt, dass das Dokument nicht der Lehre der Kirche widerspreche.

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Der Schweizer Bischof Joseph Bonnemain hat sich mit Mitgliedern des Churer Priesterkreises getroffen und ihnen gegenüber den diözesanen Verhaltenskodex für kirchliche Mitarbeiter verteidigt. Das Treffen fand am Montag statt, berichtete das Nachrichtenportal kath.ch am Donnerstag unter Verweis auf eine Bestätigung seitens der Diözese Chur. Dabei sei es um die "erforderliche Klärung der entstandenen Missverständnisse gegangen" wird Bistumssprecherin Nicole Büchel zitiert. Konkrete Entscheidungen seien nicht getroffen worden. Der Churer Bischof sei der Überzeugung, "dass die Implementierung und Umsetzung des Verhaltenskodex viel Zeit" erforderten. Es werde in der zweiten Jahreshälfte Informationsveranstaltungen über die einzelnen Aspekte des Verhaltenskodex und die Möglichkeit zum Austausch geben, so Büchel.

Bonnemain habe die Forderung des Churer Priesterkreises nach einer Revidierung des seit April geltenden Verhaltenskodex abgelehnt, berichtete die Luzerner Zeitung am Mittwoch. Nach Angaben des Priesterkreises habe der Bischof "den Standpunkt vertreten, dass die vom Priesterkreis kritisierten Textpassagen so erklärt werden könnten, dass sie unbedenklich für die römisch-katholische Lehre seien", so die Zeitung. Zudem sollen die Kritiker des Dokuments den Bischof aufgefordert haben, die Gültigkeit des Verhaltenskodex auszusetzen.

Ende April hatten 43 Geistliche des Priesterkreises öffentlich erklärt, den Verhaltenskodex nicht zu unterzeichnen. Ihrer Meinung nach würden einzelne Punkte des Dokuments der kirchlichen Lehre zu Ehe und Homosexualität widersprechen. Konkret geht es etwa um diese Formulierung: "Ich verzichte auf pauschal negative Bewertungen von angeblich unbiblischem Verhalten aufgrund der sexuellen Orientierung." Auch eine Passage, in der zum Verzicht auf die aktive Thematisierung von Sexualität in pastoralen Gesprächen aufgerufen wird, kritisierten die Geistlichen. Gleichzeitig betonten die Kritiker, dass sie das Ziel des Verhaltenskodex, die Prävention von Missbrauch, teilen würden. (rom)