Bischöfe kündigen Hilfe bei Aufarbeitung an

US-Bericht zeigt Misshandlung indigener Kinder an Internaten

Aktualisiert am 12.05.2022  –  Lesedauer: 

Washington ‐ In Kanada sorgten vergangenes Jahr Erkenntnisse über den früheren Umgang mit Indigenen an Internaten für Entsetzen. Nun wurden auch in den USA Belege für systematische Zwangsmaßnahmen präsentiert. Die Bischöfe wollen die Aufarbeitung unterstützen.

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Das US-Innenministerium hat detaillierte Belege für frühere systematische Zwangsmaßnahmen an indigenen Kindern in Hunderten von Internaten präsentiert. In dem am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichten Untersuchungsbericht werden 408 betroffene Schulen in 37 Bundesstaaten oder Territorien genannt. In diesen lebten zwischen 1819 und 1969 Zehntausende Kinder, die von ihren Familien entfernt wurden. Die Leiden der Kinder an den Internaten seien "herzzerreißend und unbestreitbar", sagte Innenministerin Deb Haaland in einer Erklärung zur Veröffentlichung des Berichts.

Haaland, eine katholische Indigene, hatte die Untersuchung im Juni 2021 in Auftrag gegeben. Die dafür gegründete "Federal Indian Boarding School Initiative" hatte die Aufgabe, die problematische Vergangenheit der Internatspolitik des Landes zu überprüfen. 19 Schulen werden in dem Bericht für den Tod von mehr als 500 Kindern verantwortlich gemacht. Das Innenministerium geht davon aus, dass die Zahl der registrierten Todesfälle zunehmen wird. Laut der Studie gibt es mindestens 53 markierte oder unmarkierte Grabstätten in Verbindung mit den Schulen.

Hälfte wurde von Kirchen betrieben

Viele Internate wurden direkt von der Bundesregierung betrieben, während etwa die Hälfte unter der Leitung katholischer, protestantischer und anderer Kirchen stand. Die katholischen US-Bischöfe haben angekündigt, die Aufarbeitung durch Informationen über die Schulen zu unterstützen.

Haaland gab die Untersuchung nach der Entdeckung von 215 nicht gekennzeichneten Gräbern in der kanadischen "Kamloops Indian Residential School" in British Columbia in Auftrag. Laut Bericht lebten viele Schüler unter "systematischen militarisierten" Bedingungen, mit dem Ziel, ihre Identität zu verändern.

Ende März hatten Vertreter indigener kanadischer Stämme bei einem Treffen in Rom Papst Franziskus zu einer Entschuldigung auf kanadischem Boden aufgefordert. Dabei drückte der Papst "Bedauern und Scham" über die Mitschuld der Kirche an der Misshandlung indigener Kinder aus. Für Ende Juli ist ein Besuch des Papstes in Kanada geplant. (KNA)