Handlungsmöglichkeiten von Bischöfen und Kirchenspitze seien gering

Pollack: Wohl nur Gläubige können Kirche noch aus ihrem Tief holen

Aktualisiert am 24.05.2022  –  Lesedauer: 
Detlef Pollack
Bild: © Privat

Ulm ‐ Wie kommt die katholische Kirche angesichts verschiedener Krisen aus ihrer schwierigen Lage? Für den Religionssoziologen Detlef Pollack können Bischöfe und Kirchenspitze nur wenig tun. Er sieht die Aufgabe woanders.

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Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack sieht die katholische Kirche angesichts von Säkularisierung, Kirchenaustritten und Missbrauchsskandalen in einer sehr schwierigen Lage. Die Handlungsmöglichkeiten von Bischöfen und Kirchenspitze seien gering, sagte Pollack am Dienstag im Interview der "Südwest Presse" in Ulm. "Möglicherweise können nur die Gläubigen die Kirche noch aus ihrem Tief holen."

Vor dem Hintergrund von sexualisierter Gewalt und deren Vertuschung seien "Heilung und Aussöhnung" nur möglich, wenn "Menschen, denen der Glaube etwas bedeutet, von ihren guten Erfahrungen mit der Kirche erzählen", etwa von seelsorglicher Begleitung oder Angeboten der Jugendarbeit, sagte Pollack. Aus seiner Sicht ist es für die Kirche schwierig, dass in öffentlichen Debatten viele Menschen "über die Kirchen urteilen, sie aber gar nicht kennen". Denn die Kirchen seien in den vergangenen Jahrzehnten "weltzugewandter, menschenfreundlicher, dialogischer" geworden.

Pollack argumentierte, die Kirchen sollten sich aber keinesfalls "in Selbstrechtfertigungen ergehen". Viel entscheidender sei es, wie Kinder und Jugendliche religiös sozialisiert werden. "Da müssen die Kirchen ansetzen. Und schließlich: Kirche sollte nahe bei den Menschen sein und mehr Seelsorge betreiben." (KNA)