Standpunkt

Das Schifflein Petri ist auf Grund gelaufen

Aktualisiert am 17.06.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Das Schifflein Petri geht nicht unter, doch es ist auf Grund gelaufen, kommentiert Werner Kleine den aktuellen Zustand der Kirche. Doch für ihn ist klar: Der Kahn kann und muss wieder flottgemacht werden.

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Man solle den Glauben verkünden, zur Not auch mit Worten – das Wort wird dem heiligen Franz von Assisi zugeschrieben. Tatsächlich heißt es schon im Jakobusbrief: "Auch der Glaube ist für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat." (Jak 2,17). Was aber helfen die ganzen Appelle, wenn doch wieder nur Worte gemacht werden.

Der Wiener Kardinal Schönborn mahnt in der Zeitschrift "Communio" mit Blick auf den Synodalen Weg, man möge die biblischen und traditionellen Grundlagen nicht vollends außer Acht lassen. In eine ähnlich Richtung tendiert wohl auch Papst Franziskus, der in einem Gespräch mit zehn Chefredakteurinnen und -redakteuren der europäischen Kulturzeitschriften der Jesuiten nicht nur zu Protokoll gab, was er über den Synodalen Weg in Deutschland, die mangelnde Akzeptanz des Zweiten Vatikanischen Konzils in Teilen der Weltkirche und die Konflikte im Erzbistum Köln denkt. Darauf gab es dann wieder ergänzende Einordnungen des Erzbistums Köln sowie Statements aus dem Präsidium des Synodalen Weges.

Der Altbischof von Rom, Joseph Ratzinger, gab in einem Grußwort anlässlich des Todes von Joachim Kardinal Meisner seiner Sorge Ausdruck, die Kirche, das Schifflein Petri sei angesichts der Stürme der Welt vom Untergang bedroht. Schaut man auf die gegenwärtige Kirche, möchte man ihm die Sorge nehmen. Die Kirche geht nicht unter. Das Schifflein Petri ist auf Grund gelaufen – und manch einer wirft zur Sicherheit noch einmal den Anker, damit sich die Position ja nicht ändert. Manche Matrosen aber mühen sich und rudern und rudern – aber es bewegt sich nichts. Längst schon werden Rettungsboote zu Wasser gelassen und verlassen das Schiff – werden sie in neuen Gefilden ankommen?

Wenn das Kirchenschiff nicht vermodern soll, muss der Kahn wieder flott gemacht werden. Man ihn ausgegraben und freischaufeln – wie die "Ever Given", die im März 2021 den Suezkanal blockierte. Dafür aber muss man das Boot verlassen – so wie Petrus es getan hat, der doch durchaus über das Wasser gehen konnte ... ein paar Schritte wenigstens, bis der Mut ihn verließ und die kleingläubige Gewissheit des Gewöhnlichen wuchs: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Hat man je einen Papst über das Wasser laufen sehen?

Ein wenig Vertrauen in den, dessen Stifterwillen immer wieder bemüht wird, würde schon genügen: "Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!" (Mt 14,27) Wo aber die Furcht vor dem Wind zu groß ist, mit dem man zu neuen Ufern segeln könnte, ist die Sandbank ein sicherer Hort. Dort berät und streitet man, wie das alles passieren konnte ... und macht Worte, Worte, Worte, statt den Kahn wieder flott zu machen. Er ist nämlich eigentlich zum Fischen da.

Von Werner Kleine

Der Autor

Dr. Werner Kleine ist Pastoralreferent im Erzbistum Köln und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.