Dienst auch "im Wissen um die eigenen Schwächen" ausüben

Schönborn an Neupriester: Weihe macht nicht zu "Supermenschen"

Aktualisiert am 19.06.2022  –  Lesedauer: 

Wien ‐ In der Erzdiözese Wien gibt es sechs neue Priester. Bei ihrer Weihe forderte Kardinal Christoph Schönborn sie auf, auf dem Boden zu bleiben: Sie sollen ihren Dienst auch "im Wissen um die eigenen Schwächen" tun – und auf niemanden herabschauen.

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Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat die Neupriester seiner Diözese vor Hochmut gewarnt. "Die Weihe macht euch nicht zu Supermenschen. Ihr bleibt Menschen mit Geschichte, mit allen Gaben und auch mit Fehlern und Schwächen", sagte der Wiener Erzbischof am Wochenende im Stephansdom.

In seiner Predigt betonte Schönborn insbesondere den Dienstcharakter des Priesteramtes. Die sechs Neupriester sollten "im Wissen um die eigenen Schwächen, aber auch im Vertrauen auf Christus" ihren Priesterdienst für die Menschen ausüben, täglich für ihre Treue zu Gott beten und auf niemanden herabschauen.

"Heilig werden ist damit noch nicht garantiert"

Mit der Priesterweihe bekämen sie einen auf ihren kirchlichen Dienst bezogenen Auftrag und eine Vollmacht, so der Kardinal. "Heilig werden ist damit noch nicht garantiert. Aber es ist ein großer Ansporn." Ihn selbst habe die "Gnade Gottes" durch mittlerweile 51 Jahre Priesterdienst geführt, ermutigte Schönborn die Neupriester.

Alle im Dom versammelten Priester bat der 77-Jährige, der nach dem Zweiten Weltkrieg selbst Flüchtlingskind aus Böhmen war: "Schauen wir auf die sogenannten einfachen Leute, die einfachen Menschen, die Familien, die ihren Alltag oft unter großen Mühen leben. Bitte habt Respekt und Wertschätzung vor den einfachen Menschen, ob sie Kirchgänger sind oder nicht, ob sie nach unseren Regeln leben oder nicht. Habt Wertschätzung für sie. Schaut auf niemanden herab!" (KNA)