Schwester Jakoba Zöll über das Sonntagsevangelium

Ein jesuanischer Crashkurs unterwegs

Aktualisiert am 25.06.2022  –  Lesedauer: 
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Olpe ‐ Fragen kostet bekanntlich nichts – doch wer in diesem Sonntagsevangelium von Jesus hören will, muss einstecken können. Entpuppt sich der Herr hier als missmutiger Reisemuffel? Schwester Jakoba Zöll erklärt, welcher didaktische Schachzug des Evangelisten Lukas dahintersteht.

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Impuls von Schwester Jakoba Zöll

Die heutige Erzählung aus dem Lukasevangelium mutet auf den ersten Blick ein bisschen harsch an, zumindest wenn ich den Text zum ersten Mal höre, kommt mir Jesus hier sehr kurz angebunden, harsch und streng vor. Da trifft er drei Menschen, die ihm nachfolgen wollen und er bügelt sie so ab.

Die Erzählung ist im Lukasevangelium an einer ganz besonderen Stelle zu finden, denn sie steht am Beginn eines Hauptteiles des Evangeliums, in dem sich Erzählungen versammeln, die der Evangelist auf der Wegstrecke nach Jerusalem erzählt.

Wir als Leserinnen und Leser wissen bereits, was in Jerusalem auf Jesus zukommt, wir wissen daher auch, dass uns bzw. den Jüngern nun nur noch eine begrenzte Zeit mit Jesus gemeinsam bleibt. Der Weg, das ist unser Wissensvorsprung, ist der letzte Weg, den Jesus gemeinsam mit seinen Jüngern gehen wird. Die Zeit, in der Jesus seine Botschaft, sein Gottesbild, seine Idee vom Leben mit uns und den Jüngern teilen kann, ist nun sehr eingeschränkt.

Der Evangelist macht uns das als Leserinnen und Lesern bewusst sehr deutlich, um uns darauf hinzuweisen, dass nun kein Beiwerk erzählt wird, keine netten Anekdoten, sondern elementare Botschaften Jesu. Jesus wird auf diesem letzten Weg seinen Jüngern das mitgeben und beibringen wollen, was ihm besonders wichtig ist.

Dieses wichtige Herzensthema Jesu führt der Evangelist dann in unserer Einstiegserzählung für den Weg Jesu nach Jerusalem direkt ein: die Nachfolge. In drei ganz kurzen Begegnungen, die Lukas uns in unserem Abschnitt erzählt, wird mit je unterschiedlichem Schwerpunkt das Thema Nachfolge angesprochen: Wo ist man eigentlich zu Hause, wenn man Jesus nachfolgt? Ist Nachfolge wirklich das wichtigste, oder gibt es Dinge, die vorgehen? Muss ich Nachfolge wirklich sofort angehen, oder kann ich sie aufschieben? Die Reaktion Jesu ist jedes Mal deutlich, so leicht ist es nicht. Wie Nachfolge im Sinne Jesu funktioniert, ist eben noch nicht klar geworden, das wird auf dem Weg passieren. Lukas fügt die hier so kurz und kompromisslos abgebügelten Begegnungen ein als Vorspiel, als Ankündigung für das, was die nächsten Erzählungen thematisieren werden.

Noch begegnen uns Negativbeispiele, das wird sich, je näher wir Jerusalem kommen, ändern. Die Jünger lernen die Nachfolge unterwegs, beim Tun, und können dann am Ende des Weges, wenn sie in Jerusalem angekommen sind und passiert ist, was dort passieren musste, selbst Menschen in die Nachfolge Jesu rufen und begleiten.

Nicht nur für die direkten Jünger Jesu sind die im Lukasevangelium nun folgenden Erzählungen ein Lernweg der Nachfolge, sondern auch für uns. Die Texte der nächsten Tage laden dazu ein, selbst ins Nachdenken zu kommen darüber, was Nachfolge eigentlich für mich selbst bedeutet, wie ich selbst Nachfolge lebe – und ob sich das mit Jesu Vorstellungen trifft.

Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 9,51–62)

Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samaríter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.

Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen in ein anderes Dorf.

Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben! Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!

Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Die Autorin

Schwester Jakoba Zöll ist Novizin bei den Olper Franziskanerinnen. Sie arbeitet an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte und schreibt an Ihrer Promotion.

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Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bieten wir jeden Sonntag den jeweiligen Evangelientext und einen kurzen Impuls an. Die Impulse stammen von Ordensleuten und Priestern.