Artikel offenbar vom Verleger durchgedrückt

Redaktion kritisiert eigene Titelgeschichte über Kardinal Sarah

Aktualisiert am 07.07.2022  –  Lesedauer: 
Kardinal Robert Sarah
Bild: © KNA

Paris ‐ "Gefährliche Wahl": Eine Titelgeschichte des französischen Magazins "Paris Match" über den konservativen Kardinal Robert Sarah ist offenbar vom Verleger durchgedrückt worden – und stößt auf Ablehnung der eigenen Redaktion.

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Streit beim französischen Magazin "Paris Match": Eine Titelgeschichte über den konservativen Kurienkardinal Robert Sarah ist offenbar vom Verleger durchgedrückt worden und stößt auf Ablehnung der eigenen Redaktion. Wie französische Medien weiter berichten, beklagte der Redaktionsausschuss (SDJ) des Blattes am Mittwoch eine "Einmischung" des Eigentümers, der Lagardere-Gruppe, in die redaktionellen Entscheidungen.

Der Titel erschien an diesem Donnerstag. Er widmet sich dem in konservativen Kreisen geschätzten Kardinal Sarah (77) aus Guinea, der von Insidern immer wieder als Gegenpart zu Papst Franziskus betrachtet wird. Der Redaktionsausschuss wertete die Sarah-Geschichte als eine "gefährliche Wahl". Der Kardinal, bis 2021 Leiter der vatikanischen Liturgiebehörde, sei "der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt" und vertrete "sehr spaltende Positionen".

Auch wenn das Thema durchaus von Interesse sei, so die Redakteure, so sei man doch "besorgt, dass die umstrittensten Positionen von Kardinal Sarah verschwiegen" worden seien; und weiter: "Wir befürchten auch, dass diese Titelgeschichte dem Image des 'Paris Match' schadet; einem Image, das über mehr als 70 Jahre aufgebaut wurde."

Hoffentlich "kein redaktionelles Umsteuern"

Der Chefredakteur des Magazins habe noch am Tag des Redaktionsschlusses versucht, "das Management der Lagardere-Gruppe zu überzeugen, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken; leider ohne Erfolg", so der Redaktionsausschuss. In Zusammenhang mit der Übernahme von Lagardere durch Vivendi hoffe man, dass dies "kein redaktionelles Umsteuern" markiere, das "unsere Unabhängigkeit in Frage stellt", so die Journalisten.

Die Vivendi-Gruppe, die dem konservativen Milliardär Vincent Bollore gehört, wurde 2021 zum größten Anteilseigner der Lagardere-Gruppe, zu der auch "Le Journal du Dimanche" und Europe 1 gehören. Der Radiosender hatte nach Ankündigung einer Fusion mit dem Sender CNews eine regelrechte Flut von Abgängen erlebt. CNews hatte zum Aufstieg des rechtsextremen Politikers Eric Zemmour beigetragen, der zuletzt als Präsidentschaftskandidat einen großen Achtungserfolg erzielte.

Die Geschäftsführung von Lagardere entgegnete in einem Brief an die Chefredaktion des "Paris Match", der der Nachrichtenagentur AFP vorliege, man teile die geäußerten Befürchtungen nicht. Sie argumentiert, jüngste Nachrichten über eine Schwächung von Papst Franziskus belebten wieder das Thema seiner Nachfolge; es werde während des Konsistoriums der Kardinäle "in diesem Sommer allgegenwärtig sein", wird die Leitung von Lagardere zitiert. (KNA)