Im Mai hatten die US-Bischöfe noch das Ende des Nachrichtendienstes beschlossen

Wie ein "Wunder": Warum der Pressedienst CNS doch eine Zukunft hat

Aktualisiert am 19.07.2022  –  Lesedauer: 

Washington ‐ Achterbahnfahrt für die Journalisten des "Catholic News Service" der US-Bischofskonferenz. Nach dem im Mai überraschend das Aus für den katholischen Pressedienst verkündet worden war, gibt es nun doch eine Zukunft für den CNS.

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John Francis Noll gehört zu den Pionieren der katholischen Medien in den USA. Vor 110 Jahren gründete er im Herzen Amerikas eine Zeitung mit dem Namen "Our Sunday Visitor" (Unser Sonntagsgast). Sie informierte Katholiken im Gebiet des heutigen Bistums Fort Wayne-South Bend im Bundesstaat Indiana wöchentlich über kirchliche Nachrichten oder die katholische Sicht darauf. OSV wuchs mit einer Auflage von mehr als einer Million rasch zu einer der führenden katholischen Publikationen in den USA heran. Mit der Bedeutung der Wochenzeitung nahm auch der Einfluss des Priesters aus Huntington zu. Er half der US-Kirche, ihre Kommunikation zu modernisieren. Papst Pius XII. (1939-1958) beförderte ihn wegen seiner Verdienste 1953 in den Stand eines Erzbischofs.

Auf Noll (1875-1956) geht eine enge Verbindung zwischen dem OSV und dem "Catholic News Service" (CNS) zurück, dem offiziellen Pressedienst der US-Bischofskonferenz. Und die hat nun die Rettung von CNS möglich gemacht, die viele als "Wunder" empfinden. Im Mai hatten die US-Bischöfe das Aus von CNS zum Jahresende verkündet, um die vorhandenen finanziellen Ressourcen "besser einzusetzen". Noll, der Medienreformer der Kirche, hatte den Bischöfen seinerzeit geholfen, den katholischen Pressedienst aus dem Boden zu stampfen. Acht Jahre nach dem ersten Erscheinen des OSV, 1920, nahm CNS seine Arbeit auf. "Er hat nie nur in den Kategorien seiner Diözese gedacht," schreibt Ann Ball in ihrer Biografie über den vielleicht bedeutsamsten Neuerer in der katholischen US-Publizistik. "Er hatte immer die ganze Kirche im Auge."

"Ein Champion für die Kirche"

An diese Tradition knüpft der jetzige Herausgeber des Traditionshauses aus Indiana an, Scott Richert. "Ein Champion für die Kirche", so lautet der Leitsatz des Verlages, der heute rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Neben der Wochenzeitung publizieren sie Bücher und Gemeindeunterlagen und drucken Zeitungen anderer Bistümer. Ab 1. Januar 2023 wird das Team ergänzt durch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von CNS, denen die Bischofskonferenz aus nicht ganz durchsichtigen Gründen allesamt gekündigt hatte. Nicht nur die Betroffenen hatte das rigide Vorgehen der Bischöfe geschockt. Große Teile der katholischen Medienwelt fühlten sich auf dem falschen Fuß erwischt, weil sie als Abonnenten von CNS auf die Berichte der Kollegen angewiesen waren.

Selbstverständlich gehörte auch der OSV zu den Beziehern von CNS, dessen Berichte tragende Elemente der Wochenzeitung beisteuerten. "Für uns war es nie eine Frage, ob der OSV etwas tun wollte", erinnert Herausgeber Richert an die Diskussionen in Huntington. "Es ging darum, *was* wir machen konnten." Die Antwort ließ nicht allzu lang auf sich warten. Bei der Jahreskonferenz der Catholic Media Association Anfang Juli in Portland verkündete Richert die Übernahme von CNS - eine Organisation übrigens, deren Geschichte auch zu Noll zurückführt; denn er hatte mit der Catholic Press Association den Vorläufer gegründet. "Die Kirche in den Vereinigten Staaten braucht eine vertrauenswürdige katholische Presseagentur, der die Gläubigen vertrauen", erklärte der OSV-Herausgeber zur Übernahme. "Die Kirche und der Rest der Welt brauchen nationale katholische Nachrichten aus den USA."

Beobachter sahen darin einen Seitenhieb auf den in Alabama ansässigen Konzern EWTN, der sich rühmt, das größte katholische Medienunternehmen der Welt zu sein. Denn der Verdacht stand im Raum, dass es den mehrheitlich konservativen Bischöfen in der Bischofskonferenz ganz gelegen kam, den rechtskatholischen TV-Sendern und Publikationen von EWTN das Feld zu überlassen; inklusive dem dazugehörigen Pressedienst Catholic News Agency (CNA).

Eine "Renaissance der katholischen Medien"?

Richert sieht sich mit OSV in einer anderen Tradition, die sich mehr pastoral denn als Hüter des Dogmas versteht. Er verspricht mit der Übernahme von CNS eine "Renaissance der katholischen Medien" in den USA. Mit den 21 Mitgliedern im Newsroom in Washington erbt OSV ein hoch motiviertes Team, das zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen im Vatikan einen lückenlosen Abo-Service über den 1. Januar hinaus garantieren soll. Das Verlagshaus sicherte sich die Rechte an der Plattform, über die CNS seine Texte verbreitet, sowie die Nutzung aller digitalen Archive. Besonders wertvoll ist die Zusage von CNS-Chefredakteur Greg Erlandson, beim Übergang zu den neuen Eigentümern zu helfen. Zufall oder nicht - Erlandson arbeitete vor seinem Wechsel zu CNS von 1989 bis 2016 über 27 Jahre beim OSV.

Das neue Abo-Modell soll im September mitgeteilt werden. "Wir versuchen, so günstig wie möglich zu sein", verspricht Richert, der um die Finanznöte in der Kirchenpresse weiß. "Keinesfalls werden wir dabei an der Quantität oder Qualität der Inhalte sparen." Rückendeckung erhält die ambitionierte Übernahme durch den Bischof von Fort Wayne-South Bend. Kevin Rhoades erinnert an das Vorbild, das OSV-Gründer Noll einst war, und erklärt: "Wir setzten das Erbe fort, das Francis Noll vor mehr als 100 Jahren gelegt hat."

Von Thomas Spang (KNA)