Offizielles Nein zur Frauenordination bräuchte viel bessere Argumente

Theologin Knop: Priesterweihe für Frauen ist eine Machtfrage

Aktualisiert am 03.08.2022  –  Lesedauer: 

Osnabrück ‐ Zieht beim kirchlichen Nein zur Frauenweihe heute noch das Argument der Tradition? Für Theologin Julia Knop ganz und gar nicht. Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz dagegen mag die Kirchenregeln genau so, wie sie sind.

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Die Erfurter Theologin Julia Knop spricht sich für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt in der katholischen Kirche aus. Die Frauenweihe sei heute weniger eine Sach- als eine Machtfrage, schreibt sie in einem Gastkommentar in den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse (Sonntag) in Osnabrück. "Es besteht weithin Konsens, dass das offizielle Nein zur Frauenordination viel bessere Argumente bräuchte. Aber daran, ob sich ein Bischof für oder gegen die Frauenordination positioniert, bemisst sich sein Gehorsam zur kirchlichen Lehre", so die Dogmatikerin.

Knop widerspricht dem Argument der Tradition, auf das sich die Kirche unter anderem bei diesem Thema beruft. Die Frage der Frauenweihe stelle sich heute anders als früher, nämlich unter dem Gesichtspunkt der Gleichberechtigung. "Das päpstliche Nein zur Frauenordination ist darum kein schlichtes Ja zur Tradition, sondern ein explizites Nein zur kirchlichen Weiterentwicklung in Sachen Geschlechtergerechtigkeit." Die Position des katholischen Lehramts überzeugt nach Ansicht der Theologin immer weniger Gläubige. Gerade erst hätten sich 96 Prozent der Katholiken in Irland in Vorbereitung der von Papst Franziskus ausgerufenen Weltsynode für die Weihe von Frauen ausgesprochen.

Gerl-Falkovitz verteidigt bestehende Regelung

Die Dresdner Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz verteidigte hingegen die bestehende Regelung. Jesus sei als Mann in die Welt gekommen, schreibt sie in einem weiteren Gastkommentar. Er sei damit in Beziehung getreten zur weiblich gedachten Schöpfung, zur weiblich gedachten Kirche und zur weiblich gegenpoligen Menschheit. "Und dieselbe Aussagekraft überträgt sich auf die Priester – auch sie sind Männer und nicht Frauen, weil sie auf ihren Gegenpol bezogen sind: auf die Frau und Mutter und Braut; heute heißt sie Kirche, später wird sie das Neue Jerusalem oder die Goldene Stadt heißen, noch einfacher: das Reich Gottes." Auch mit dem Tod und der Auferstehung Jesu werde die "Bestimmung des Geschlechts" nicht neutralisiert, so Gerl-Falkovitz. Knop lehnte auch dieses Argument der Symbolik der Geschlechter ab. Dieses Bild sei nur in einer patriarchalen Gesellschaft verständlich.

Die römisch-katholische Kirche weiht wie alle orthodoxen Kirchen nur Männer zu Priestern und beruft sich dabei auf die Bibel und die Tradition. Papst Johannes Paul II. hatte 1994 in dem Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" erklärt, die katholische Kirche habe keinerlei Vollmacht, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Diese Entscheidung sei endgültig. (KNA)