Pfarrer Jonas Weller über das Sonntagsevangelium

"Feuer auf die Erde!"

Ein Feuer.
Bild: Sonja Birkelbach/Fotolia.com

Gemeinsam ums Feuer im Zeltlager sitzen – beim Gedanken daran wird vielen von uns warm ums Herz. Dass das heutige Evangelium aber nichts mit Lagerfeuerromantik zu tun hat, erahnen wir schon am harschen Ton Jesu: "Feuer bin ich gekommen, auf die Erde zu werfen!" Jesus kommt uns hier fremd vor. So kennt man ihn, den barmherzigen Freund und Weggefährten, eigentlich nicht! Was bedeuten diese rätselhaften Worte?

Feuer ist nicht nur ein lebensförderndes Element, sondern kann ganze Landstriche zerstören. Diese vernichtende Wirkung hat dazu geführt, dass Feuer in der Bibel nicht nur ein Bild für Gottes geheimnisvolle Gegenwart ist, sondern auch für sein Gerichtshandeln. Das Feuer, von dem Jesus hier spricht, meint das Gerichtsfeuer. Jesus wirft dieses Feuer – quasi als Brandstifter – auf die Erde. Er ist der von Gott gesandte Weltenrichter, der einst wiederkommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.

Über die Bedeutung des Bildwortes Jesu, er müsse mit einer Taufe getauft werden, sind sich die meisten Forscher einig: Mit der Taufe meint Jesus seinen Tod. Schon im Alten Testament sind Wasserwogen, die über Menschen zusammenschlagen, ein Bild für Untergang und Tod. Nicht nur in biblischen Zeiten, sondern auch heute ist das bittere Realität – denken wir an die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr.

Das Feuer, von dem Jesus spricht, ist ein Bild für das Gericht; die Taufe, mit der Jesus getauft werden muss, ist ein Bild für seinen Tod. Interessant ist, dass der Evangelist Lukas die beiden Sätze Lk 12,49 und 50 durch die gleiche Satzstruktur eng miteinander verbindet. Lukas verknüpft in diesem Doppelwort das Feuergericht mit der Todestaufe Jesu zu einer Einheit. Auch an weiteren Stellen zieht Lukas das Gerichtshandeln Gottes mit dem Tod Jesu inhaltlich zusammen (Lk 2,34-35; 13,31-32; 17,24-25; 23,31; 23,44; Apg 10,39-40; 17,31). Schlagen Sie diese Verse einmal im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte (die ja vom gleichen Autor stammt) nach!

Immer wieder sind hier das Gerichtshandeln Gottes und Jesu Tod miteinander verbunden. Lukas macht damit deutlich: Jesus ist nicht nur derjenige, mit dessen Kommen das Gericht Gottes beginnt, sondern auch derjenige, der durch seinen Tod das Gericht auf sich nimmt und uns Menschen dadurch von Sünde und Tod befreit. Derjenige, vor dem ich einst mein Leben zu verantworten habe, liebt mich so sehr, dass er für mich den Tod auf sich genommen hat! Es sind somit letztlich trostvolle Worte, die Jesus im heutigen Evangelium sagt.

Zugleich bleibt der sperrige, aufrüttelnde Charakter dieser Jesusworte bestehen. Entgegen einer Verharmlosung Jesu wird die Entschiedenheit seiner Verkündigung zur Sprache gebracht. Seine Lehre führt zu einer Spaltung zwischen denen, die sie annehmen und denen, die sie zurückweisen. Dahinter stehen Erfahrungen der frühen Christen, die ihren Glauben konsequent zu leben versuchten – auch in Verfolgungen.

Das Geheimnis des Leidens macht uns jene dunklen Seiten Gottes bewusst, die in diesem Leben oft unverständlich bleiben. Und auch jene, die von Lukas erstmals als "Christen" bezeichnet werden (Apg 11,26), bleiben von Leid und Ungewissheit nicht verschont. Sie haben Anteil am Leiden desjenigen, der den Tod auf sich genommen hat. In der Verbundenheit mit ihm und mit allen, die zu ihm gehören, gilt es, Dunkelheit und Tod gemeinsam zu bestehen.

Evangelium nach Lukas (Lk 12,49–53)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist.

Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben:

Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter, und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Der Autor

Pfarrer Dr. Jonas Weller, Priester des Bistums Trier, ist Pfarrer der Pfarrei Gillenfeld in der Vulkaneifel. Seine Promotion schrieb er in Exegese des Neuen Testamentes über Lk 12,49–53.

Ausgelegt!

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