Heitere und skurrile Geschichten der katholisch.de-Leser – Teil 6

Kurioses aus der Kirche: Sport im Gottesdienst

Aktualisiert am 01.10.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Sitzen, Knien, Stehen – das kennen wir aus dem Gottesdienst. Wenn aber Tanzmusik ertönt oder die Glocken spinnen und der Schaltkasten weit unten in der Kirche liegt, kann man sich das Fitnessstudio sparen. Unsere User können ein Lied davon singen.

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Ob sportlicher Gottesdienst oder Stillhalten bei einer nie enden wollenden Predigt. Unsere Leser haben schon viele skurrile Geschichten in der Kirche erlebt. Wenn dann noch der Weihnachtsbaum beleidigend beschimpft wird, sind wenigstens alle Anwesenden wieder wach.

Weihnachten

An Weihnachten sind die Erwartungshaltungen der Gemeinde besonders hoch. Richtig schön festlich soll es sein. Am liebsten natürlich mit echten Kerzen. Manfred Weber hat allerdings erlebt, wie diese dem Gottesdienst zum Verhängnis wurden…

"Es war in der Christmette, der Weihnachtsbaum strahlt im Glanz der Echtwachskerzen, der Pfarrer ist mitten in seiner Predigt, als ein Ast plötzlich Feuer fängt. Die Mesnerin kommt von ganz hinten, bläst die Flamme aus und geht wieder nach hinten. Kurze Zeit später das gleiche Spiel. Beim dritten Mal rennt sie nach vorn und schreit laut: 'Jetzt brennt der Sauhund schon wieder', und schlägt mit dem Gesangbuch auf den Weihnachtsbaum ein. Dieser bekommt eine Schräglage und fällt beinahe auf den Altar. Sie brüllt: 'Ja verreck doch, jetzt reichts.' Es war eine sehr andächtige Christmette."

Selbst, wenn gar nicht Weihnachten ist, kann die Weihnachtsliturgie für Verwirrung sorgen. Tobias Ferstl hat am ersten Fastensonntag erlebt, dass der Pfarrer die Predigt feierlich mit folgenden Worten einleitete: "Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt“. Auch die nächsten zehn Minuten hat er die Kurve nicht mehr gekriegt und schloss die Predigt mit den Worten: "Ich habe wohl aus Versehen das falsche Amtsblatt erwischt, wir sprechen das Glaubensbekenntnis."

Sport und Sitzfleisch

@treffpunkt_2018 musste für einen Gottesdienst ganz schön sportlich sein. Sie/Er saß schon auf der Empore, doch die Glocken wollten nicht aufhören zu läuten. Der Pfarrer beginnt schon mit der Begrüßung, also läuft sie/er runter zum Schaltschrank. Da ist alles in Ordnung, also wieder hoch. Es läutet immer noch, wieder runter. Sicherung raus und Neustart. Wieder hoch, es läutet. Wieder runter, nochmal Neustart. Wieder hoch. Wieder runter, ein drittes Mal Neustart. Wieder hoch. Die Glocken klingen. Also wieder runter und die Sicherung draußen lassen. Wieder hoch, endlich Ruhe. "Erst nach dem Gottesdienst ist uns eingefallen, dass es einen zweiten Läutkreis auf der Empore gibt."

Bei Gudrun Maxelon hätte es auch sportlich werden können. Die Mikrofonanlage war nämlich plötzlich mit der Tanzschule nebenan gekoppelt und im Gottesdienst ertönte Tanzmusik. Statt einen flotten Walzer im Kirchraum hinzulegen, hat man sich aber dafür entschieden, ohne Mikro weiterzumachen.  

Eine historische Zeichnung der Brüder der Pestbruderschaft von Béthune, die einen weißen Sarg zu einem Grab tragen.
Bild: ©picture alliance/Leemage

Eine Predigt kann auch mal zu drei Predigten werden.

Markus Ramminger hat einen Gottesdienst erlebt, in dem das Sitzen zu einer sportlichen Herausforderung wurde:

"In meiner Kindheit (frühe 70er Jahre) predigte bei uns öfter ein pensionierter Prälat. Er war legendär für seine Predigten. Die einzelne Predigt war eigentlich prima – man konnte dem Rheinländer bestens zuhören. Aber wenn ihm danach war, fügte er noch eine weitere Predigt hinzu. Bei einer Trauung hielt er erst 15 Minuten lang seine übliche Traupredigt. Da entdeckte er im Brautstrauß der Braut lila Blüten. Unüblich. Hä? ... Und ihm war so, als erinnere er sich daran, dass der Brautvater vor kurzem gestorben wäre. Das würde das Lila gut erklären.  Also fügte er noch eine Lobespredigt von 15 Minuten an über den Sinn der liturgischen Farbe Lila, die ja zur Trauer hervorragend passen würde. Dann fiel ihm auf, dass sich in der ersten Bank vier ältere Herr- und Frauschaften sehr lebendig bewegten. Mist, das mit dem toten Brautvater war doch bei der Hochzeit letzte Woche! Shit. Also fügte er eine weitere 15-minütige Predigt an, dass man sich ja auch mal irren kann, dass aber gesunde Familienbindungen für ein Traupaar immer sehr günstig wären.  Jede einzelne Predigt war in sich prima. Er war ein guter und sehr redseliger Priester. Aber er konnte gar nicht verstehen, dass nach 45 Minuten die Leute ein wenig unruhig wurden."

Interreligiöse Beziehungen

Bei Leo Pfisterer hätte ein interreligiöses Friedensgebet fast für einen Polizeieinsatz gesorgt. Zum Glück konnte das Missverständnis schnell behoben werden.

"Eine Mitarbeiterin ruft beim Pfarrer an: 'Ein Lama kommt auch.' Pfarrer : 'Kein Problem - das können wir am Baum anbinden.'... Natürlich haben wir vom Anbinden des buddhistischen Geistlichen Abstand genommen."

Marcel Brdlik wollte als Kaplan an einem Sonntagmorgen ganz fröhlich die Erstkommunionkinder begrüßen. Aber unterwegs hat er ein K verloren – begrüßt wurden also alle Erstkommunioninder. "Die Stimmung war nach dem Prusten und Lachen aus der Gemeinde dann auf jeden Fall gelöst." 

Von Meike Kohlhoff

Auch schon eine skurrile Geschichte erlebt?

Haben auch Sie eine kuriose Geschichte in der Kirche erlebt? Schreiben Sie sie uns unter socialmedia@katholisch.de. Eine Auswahl werden wir veröffentlichen.