Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln
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Streit über Meisners Kritik an deutscher Familienpolitik

Was ist Familie wert?

Politik, Wirtschaft und Medien streiten über die Kritik des Kölner Kardinals Joachim Meisner an der Familien- und Bevölkerungspolitik der Bundesregierung. Die SPD weist die Äußerungen des Kölner Oberhirten zurück. Und auch in der Union herrscht Uneinigkeit über die Aussagen des Kirchenmannes. Die "Bild"-Zeitung hat wiederum ihre ganz eigene Art, mit Meisners Kritik umzugehen.

Bonn - 22.05.2013

In einem Interview der Stuttgarter Zeitung hatte Meisner gefordert, "den hohen Wert der Familie" mit Mutter und Vater für die Kinder bewusst zu machen. Dabei stellte er die Frage: "Wo werden denn Frauen wirklich öffentlich ermutigt, zu Hause zu bleiben und drei, vier Kinder auf die Welt zu bringen?"

Zugleich warf Meisner Kanzlerin Angela Merkel eine falsche Strategie in der Bevölkerungspolitik vor. Nur auf Zuwanderung zu setzen, "wie es jetzt Frau Merkel tut", sei der falsche Weg, sagte der Erzbischof dem Blatt. "Wir können doch den Portugiesen und den Spaniern nicht die Jugend und damit die Zukunft ihres Landes wegnehmen, nur aus Egoismus."

Erinnerungen an die DDR

Ihn erinnere die derzeitige Familienpolitik, die Müttern eine schnelle Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglichen wolle, an seine Zeit in der DDR, sagte Meisner, der vor der Wiedervereinigung 1989 Weihbischof in Erfurt und Bischof von Berlin war.

Weil man damals im Osten Produktionskräfte gebraucht habe, seien die Kinderkrippen erfunden worden. "Dort hat man den Frauen eingeredet, wer wegen der Familie zu Hause bleibe, sei dement", so der Kardinal.

Zustimmung erhielt der Kölner Kardinal vom CSU-Abgeordneten Norbert Geis. "In unserer Gesellschaft wird die hohe Leistung der Mutter, die sie durch die Erziehung ihrer Kinder erbringt, nicht in gebührender Weise anerkannt", bemängelte er in der "Bild"-Zeitung, die wiederum ihrerseits prominent auf ihrer Webseite von Meisners "11. Gebot – Bleibt zu Hause und bekommt Kinder!" schreibt. Weiter fragt die Zeitung: "Wie gut passen Meisners Thesen in die Jetzt-Zeit?"

Wir können doch den Portugiesen und den Spaniern nicht die Jugend und damit die Zukunft ihres Landes wegnehmen, nur aus Egoismus.

Zitat: Kardinal Joachim Meisner

Die Fraktionsvize der Union im Bundestag, Ingrid Fischbach (CDU), sagte: "Es muss endlich Schluss damit sein, die Lebensentwürfe von Frauen gegeneinander auszuspielen". Der Entschluss, Beruf und Familie zu vereinbaren, "sei ebenso unterstützenswert wie der, zu Hause seine Kinder zu betreuen". Die Union stehe für eine Wahlfreiheit der Familien, so Fischbach.

Kritik kam auch von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles: "Was er meint, den jungen Frauen von heute vorschreiben zu müssen, ist für mich als berufstätige Mutter und als Katholikin kränkend. Seine Einlassungen helfen weder Frauen noch Familien in ihrer heutigen Lebenssituation weiter."

Göring-Eckardt: Frauen fehlt weiterhin Entscheidungsfreiheit

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt erklärte, Frauen fehle weiter die Freiheit, entscheiden zu können, wie sie leben wollten. "Von dieser Wahlfreiheit sind wir weit entfernt, dafür fehlen dringend nachgefragte Kita-Plätze und Ganztagsschulen. Wenn Paare Familie und Beruf besser vereinbaren könnten, würde ihnen die Entscheidung für Kinder auch leichter fallen", so Göring-Eckardt.

Auch in der Wirtschaft stößt der familienpolitische Vorstoß von Kardinal Meiner auf Kritik. Die Vize-Chefin des Post-Aufsichtsrats, Andrea Kocsis, betonte, die Zukunft lasse sich nicht mit Rezepten der Vergangenheit gestalten. "Viele Frauen wollen beides - Kinder und Berufstätigkeit. Und dazu brauchen sie eine kinderfreundliche Arbeitswelt." (meu/KNA/dpa)

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