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Benedikt XVI. – der Karsamstagspapst

Benedikt XVI. – der Karsamstagspapst
Bild: picture alliance/dpa/Michael Kappeler

Joseph Ratzinger kam am Karsamstag zur Welt. Der Karsamstag ist die liturgische Verkörperung des "'schon' und 'noch nicht'". Das Werk der Erlösung hat schon begonnen, aber es ist noch nicht vollendet. Das Alte ist schon vergangen, aber das Neue ist noch nicht sichtbar geworden.

Papst Benedikt war einer, der ganz aus der alten Welt kam, sie kannte und liebte. Kein Papst der Neuzeit war so tief und kenntnisreich mit den Denktraditionen des Abendlandes verbunden wie er. Der Schmerz über so vieles, das verloren geht, war ihm deutlich anzumerken. Gelegentlich versuchte er, Dinge, die ins Rutschen geraten waren, festzuhalten. Mit Lehrschreiben und Anordnungen, und auch in seinem Amtsstil, in dem er sich der erschütternden Größe des Papstamtes preiszugeben schien. Gelingen konnte das nicht alles, und deshalb lag über den Jahren seines Pontifikates auch eine gewisse Melancholie.

Aber er war auch ein Moses, der die Kirche in eine neue Zeit geführt hat. Mutig wie kein Papst vor ihm ist er gegen das Übel des Missbrauchs vorgegangen. Integrität bedeutete ihm mehr als Takt oder "bella figura", und so begann er aufzuräumen.

Historische Wirkung entspricht nicht immer den eigenen Absichten. Er war gegen Relativismus angetreten. Aber im Bereich der Liturgie hat er durch die Zulassung des alten Messbuches und der anglikanischen Riten Verbindlichkeiten reduziert und einer neuen Vielfältigkeit die Tür geöffnet.

Vor allem aber durch seinen Rücktritt tat er Unerhörtes. In diesem souveränen Akt gelang ihm vieles zugleich: eine Anpassung an die heutigen Umstände des Alterns; eine Vermenschlichung des in frommer Überhöhung erstarrten Papstamtes; ein Eingeständnis persönlicher Grenzen ohne Koketterie. Zugleich war das eine Ansage an den kurialen Apparat, der zu einer großen Belastung der Kirche geworden ist. Schließlich machte er mit diesem Schritt vor, was Kenosis – "Leerwerdung" existentiell bedeuten kann. All das kündigte er mit ein paar lateinischen Sätzen am denkwürdigen 11. Februar 2013 an: Der Papst als einsamer Pionier! Wie kleinkariert wirkt die später erhobene Kritik an Detailfragen wie Titulatur oder Kleidung.

Papst Benedikt konnte nicht wissen, was die Zukunft für Welt und Kirche bringt. Aber wie Moses hat er große Schritte gemacht, um die Kirche dieser Zukunft entgegenzuführen. Das ist er, der Karsamstagsglaube: Auch die Zukunft wird Gottes sein, weil alle Zeit Gottes ist, auch wenn er uns überrascht.

Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

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