Kölner Generalvikar Stefan Heße wird Erzbischof von Hamburg

Neuer Mann für den Norden

Aktualisiert am 26.01.2015  –  Lesedauer: 
Stefan Heße ist Generalvikar des Erzbistums Köln.
Bild: © KNA
Erzbistum Hamburg

Hamburg ‐ Der Generalvikar des Erzbistums Köln, Stefan Heße (48), wird neuer Erzbischof von Hamburg. Dies gaben die norddeutsche Erzdiözese sowie der Vatikan zeitgleich am Montag um 12 Uhr bekannt. Erfahrung in der Leitung eines Bistums hat der gebürtige Kölner bereits. Nach dem Rücktritt von Kardinal Joachim Meisner stand er für knapp ein halbes Jahr als Diözesanadministrator an der Spitze des Erzbistums Köln.

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In einer ersten Stellungnahme zu seiner Berufung zum Erzbischof von Hamburg, dankt Heße Papst Franziskus für sein Vertrauen. Die Ernennung habe ihn überrascht und "innerlich sehr aufgewühlt", sagte er. Hamburg und seine Umgebung kenne er bisher nur aus Urlauben. "Nun freue ich mich auf das Kennenlernen und die Begegnungen mit den Menschen im Norden Deutschlands." Als Vorbild für seine zukünftigen Aufgabe diene ihm der Patron des Erzbistums: "Der heilige Ansgar war ein Mann mit Innerlichkeit und Mut zum Aufbruch. Beides wünsche ich mir für meinen Dienst als Bischof von Hamburg", so Heße.

Der gebürtige Kölner ist mit seiner Ernennung nun der jüngste Bischof in Deutschland. Geboren wurde er am 7. August 1966 und wuchs im Kölner Stadtteil Junkersdorf auf. Nach dem Abitur 1986 studierte er Philosophie und Theologie in Bonn und Regensburg, die Priesterweihe folgte 1993 im Kölner Dom durch Kardinal Meisner.

Anschließend wirkte Heße als Kaplan in Bergheim an der Erft. 1997 wurde er zum Dozenten am Erzbischöflichen Theologenkonvikt "Collegium Albertinum" in Bonn ernannt. 2001 folgte die Promotion zum Doktor der Theologie: In seiner Arbeit beschäftigte sich Heße mit der Theologie der Berufung bei Hans Urs von Balthasar, einem der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts. Auch mit Medien konnte Heße schon Erfahrungen sammeln; so war er von 2003 bis 2012 Diözesanbeauftragter für Rundfunk und Fernsehen im Erzbistum Köln. Am 16. März 2012 übernahm er das Amt des Generalvikars, das er zuvor schon sechs Jahre stellvertretend ausgeübt hatte.

Als zukünftiger Erzbischof von Hamburg steht Heße dem flächenmäßig größten, aber auch jüngsten Bistum Deutschlands vor. Die Bischofsweihe ist nach Angaben der Erzdiözese für Samstag, 14. März, um 10 Uhr im Hamburger St. Mariendom geplant. Heße ist erst der dritte Bischof für Hamburg; sein Vorgänger, Erzbischof Werner Thissen , hatte im März 2014 altersbedingt seinen Rücktritt eingereicht. Für die Zeit der Vakanz übernahm Generalvikar Ansgar Thim das Amt des Diözesanadministrators. (som)

Lebenslauf Stefan Heße

7. August 1966: geboren in Köln als Sohn einer Bäckerfamilie1986: Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium in Köln-Weiden, anschließend: Studium der Philosophie und Theologie in Bonn und Regensburg18. Juni 1993: Priesterweihe im Kölner Dom durch Kardinal Joachim Meisner1993-1997: Kaplan an St. Remigius in Bergheim1997-2003: Repetent am Erzbischöflichen Theologenkonvikt "Collegium Albertinum" in Bonn2001: Promotion zum Doktor der Theologie mit einer Arbeit über die Theologie der Berufung bei Hans Urs von Balthasar2003: Tätigkeit im Generalvikariat des Erzbistums Köln, zunächst als Abteilungsleiter in der Hauptabteilung Seelsorge-Personal, ab 2006 als deren Leiter2006: Ernennung zum stellvertretenden Generalvikar des Erzbistums Köln2010: Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten11. September 2011: Berufung in das Kölner Domkapitel als residierender Domkapitular16. März 2012: Ernennung zum Generalvikar des Erzbistums Köln28. Februar 2014: Wahl zum Diözesanadministrator des Erzbistums Köln (nach dem Rücktritt von Kardinal Joachim Meisner)20. September 2014: Erneute Ernennung zum Generalvikar des Erzbistums Köln (nach der Amtseinführung von Kardinal Rainer Maria Woelki)26. Januar 2015: Ernennung zum Erzbischof von Hamburg

Glückwunsch, Hamburg!

Stefan Heße wird neuer Erzbischof von Hamburg - zu dieser Personalie kann man den Katholiken in Hamburg, Mecklenburg und Schleswig-Holstein von ganzem Herzen gratulieren. Denn auch wenn es zunächst wie ein Kulturschock klingen mag - ein Rheinländer im nüchtern-protestantischen Norddeutschland -, bekommt das Erzbistum Hamburg mit Heße einen Oberhirten, der zu den großen Nachwuchshoffnungen der katholischen Kirche in Deutschland zählt.

Trotz seines Alters von gerade mal 48 Jahren hat Heße in der Kirchenhierarchie bereits einen rasanten Aufstieg hingelegt. Unterstützt von Kardinal Joachim Meisner brachte er es im Erzbistum Köln in wenigen Jahren bis zum Generalvikar. Als Verwaltungschef von Deutschlands wohl wichtigster Diözese erarbeitete er sich innerhalb kürzester Zeit hohe Anerkennung. Diese wuchs noch, als Heße im vergangenen Jahr geräuschlos und souverän den Übergang von der Ära Meisner zu Kardinal Rainer Maria Woelki managte.

Keine Frage: Heße kann Erzbischof. Seine Verwaltungserfahrung wird ihm bei der Leitung von Deutschlands flächenmäßig größtem Bistum helfen. Außerdem gilt er als liberal und dialogorientiert - Eigenschaften, die ihm bei seinem Dienst in der norddeutschen Diaspora von großem Nutzen sein dürften. Hamburg darf sich auf seinen neuen Erzbischof freuen.

Von Steffen Zimmermann

So wurde der Bischof gewählt

Das Erzbistum Hamburg liegt im Geltungsbereich des Preußenkonkordats von 1929 . Das Konkordat sieht vor, dass das jeweilige Domkapitel nach dem Rücktritt oder Tod eines Bischofs eine Liste mit Kandidaten für das Bischofsamt aufstellt. Dies ist in Hamburg bereits im vergangenen Mai geschehen. Außerdem können auch die anderen Diözesen auf dem Gebiet des ehemaligen Freistaats Preußen - unter anderem das einflussreiche Erzbistum Köln - und der Apostolische Nuntius eigene Kandidaten benennen. Alle Namensvorschläge werden anschließend an die Bischofskongregation im Vatikan weitergeleitet, die die vorgeschlagenen Kandidaten überprüft. Nach diesem Prozess benennt der Papst drei Personen, aus denen das Domkapitel dann den neuen Bischof wählt. Wichtig: Zwar sieht das Konkordat grundsätzlich vor, dass der Papst seine Dreierliste - die sogenannte "Terna" - "unter Würdigung" der eingesandten Kandidatenlisten erstellt, er ist dazu allerdings nicht verpflichtet. Es ist also auch möglich, dass auf der Liste, die aus dem Vatikan an das vakante Bistum zurückgeschickt wird, keiner der ursprünglichen Kandidaten steht. Ob dies in Hamburg der Fall war, ist nicht bekannt. Nach der Wahl durch das Domkapitel verlangt das Konkordat, dass die Landesregierungen, auf deren Gebiet das jeweilige Bistum liegt, gefragt werden, ob gegen den Gewählten "Bedenken politischer Art" bestehen. Für das Erzbistum Hamburg, das sich über mehrere Bundesländer erstreckt, waren dies die Landesregierungen von Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Bestehen keine Bedenken, übermittelt das Domkapitel das Wahlergebnis und den daraus folgenden Ernennungsvorschlag an den Papst, da diesem die offizielle Ernennung des neuen Bischofs vorbehalten ist. Die öffentliche Bekanntgabe der Entscheidung erfolgt dann gleichzeitig in Rom und dem jeweiligen Bistum. (stz)