Bischof Gebhard Fürst hält eine Rede.
Bischof Fürst begründet Ablehnung der Segensfeier für homosexuelles Paar

"Keine Herabwürdigung"

Familie - Der Stuttgarter CDU-Kreischef Stefan Kaufmann und sein langjähriger Lebenspartner werden im Mai eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Verbinden wollten die beiden Katholiken das mit einem Segnungsgottesdienst. Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, hat das für sein Bistum abgelehnt. Nun muss er sich für diese Entscheidung rechtfertigen.

Bonn - 08.04.2015

"Kirche verweigert schwulem CDU-Chef Segen", titelten die "Stuttgarter Nachrichten" am Dienstag – und traten damit eine kleine Welle der Empörung los. Aus Anlass der Verpartnerung mit seinem Lebensgefährten Rolf Pfander wollte der 45-Jährige Kaufmann "einen Gottesdienst feiern", heißt es in der Zeitung. Bischof Fürst habe ihn jedoch "abblitzen" lassen. Warum der Oberhirte den Segen abgelehnt hat, wird jedoch nicht erwähnt. Stattdessen sprechen die Organisatoren des Stuttgarter "Christopher Street Day". Sie sagen, dass die ablehnende Haltung der Kirche Homosexuelle "in der Ausübung ihres Glaubens an harte Grenzen" bringe.

Nachdem die Meldung von anderen Medien aufgegriffen wurde, hat nun auch Bischof Fürst am Mittwoch in einer Stellungnahme darauf reagiert: "Die Verweigerung eines gottesdienstlichen Segens für gleichgeschlechtliche Partnerschaften stellt keine Herabwürdigung dieser Lebensform dar." Es sei ihm wichtig zu betonen, dass jeder Lebensgemeinschaft, deren Zusammenleben auf christlichen Werten beruhe, Respekt und Anerkennung zustehe.

Ein verliebtes Paar, zwei Männer, lehnen sich aneinander.
Bild: © KNA

Ein Mann lehnt sich an die Schulter seines Partners.

Eine Segnungsfeier in einer katholischen Kirche mache das – zumindest gegenwärtig – dennoch nicht möglich, so Fürst. Und er begründet auch, warum: Es bestehe die hohe Wahrscheinlichkeit, "dass in der Öffentlichkeit der Unterschied zwischen einer Segnung homosexueller Paare und dem Ritus einer sakramentalen Trauung von Mann und Frau nicht wahrgenommen wird". Das Sakrament der Ehe, gespendet in der kirchlichen Trauung von Mann und Frau, in der Offenheit für Kinder, müsse in seiner eigenen, unverwechselbare Form gewahrt bleiben.

Fürst beruft sich auf Bischofskonferenz

Fürst beruft sich dabei auch auf eine Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz, die bereits 2002 festgehalten hatte, dass eine Gleichbehandlung von Ehe und gleichgeschlechtlicher Partnerschaft geeignet sei, das Eheverständnis um wesentliche Dimensionen zu verkürzen. "Die Bischöfe wollen alles vermeiden, was einer Verwechselbarkeit von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft Vorschub leisten könnte", so Fürst. Dazu gehöre auch die Segnungsfeier für homosexuelle Paare. Ob die künftig möglich sein werde, sei derzeit offen, heißt es in der Mitteilung aus Rottenburg weiter. Darüber solle auch bei der kommenden Bischofssynode im Vatikan gesprochen werden.

Dort sieht man die Gleichstellung von homosexueller Partnerschaft und Ehe zwischen Mann und Frau allerdings ebenfalls als Problem. In einer Verlautbarung des Apostolischen Stuhls vom Juni 2003 heißt es unter anderem, dass es keinerlei Fundament dafür gebe, "zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen". Diesen Satz griffen die Synodenväter vergangenen Herbst in ihrem Abschlussbericht zur Synode auf. Gleichzeitig betonen aber auch sie, dass Homosexuellen "mit Achtung und Feingefühl" zu begegnen sei.

Eine Segensfeier bekommen CDU-Politiker Kaufmann und Pfander nun aber dennoch. Dafür ist Pfander aus der römisch-katholischen Kirche aus- und in die altkatholische eingetreten. Deren Stuttgarter Pfarrer Joachim Pfützner wird das Paar in der Schlosskirche segnen. Doch auch er betont, dass es nur die Segnung ihres gemeinsamen Lebenswegs sei und von einer Ehe nicht gesprochen werden könne. Gleichzeitig hat der altkatholische Geistliche aber Verständnis für die Entscheidung von Bischof Fürst, wenn er sagt: "Wir respektieren es, wenn eine Kirche anders als wir entscheidet."

Von Björn Odendahl