Wie sag ich's?
Katholisch.de-Redakteure über die Sprache der Theologen

Wie sag ich's?

Alles begann mit einem Blog-Eintrag : Auf seiner Homepage hat der PR-Berater Erik Flügge für eine verständlichere Sprache in der Kirche plädiert. Unter dem Titel "Die Kirche verreckt an ihrer Sprache" nahm er vor allem Theologen ins Visier, die seiner Meinung nach mit allzu komplizierten Begriffen das Zuhören schwermachten.

Bonn - 22.04.2015

Der Artikel hat bereits viel Resonanz hervorgerufen. Tausende haben ihn nach Angaben des Bloggers bereits gelesen. Die Kommentare dazu fallen unterschiedlich aus: Viele loben den Beitrag, andere kritisieren ihn als "pauschal und undifferenziert". Auch die katholisch.de-Redaktion hat sich Gedanken zum Thema gemacht. Sophia Michalzik und Kilian Martin erklären, warum sie Erik Flügge zustimmen - oder gerade nicht.

Pro

Es gibt da dieses eine Wort, das Theologen unheimlich gern benutzen: Ganzheitlichkeit. Es beschreibt den Menschen als Ganzes mit all seinen Facetten. Warum man das nicht sagt? Weil sich Theologen offensichtlich gern hinter Sprachmonstern und Wortungetümen verstecken.

Flügges Beitrag sollte der Kirche zu denken geben. Denn letztlich bestätigt er nur, was vorangegangene Ereignisse erahnen ließen: Die Kirche hat ein Kommunikationsproblem. Das fängt bei der Predigt in der Kirche an, geht über die viel kritisierten Formulierungen des Vatikan-Fragebogens bis hin zur jüngst erschienen Seelsorge-Studie, in der die Kommunikation von Diözesanleitung bis hinunter zum Gemeindepfarrer ebenfalls kritisiert wurde. Denn: Kommunikation meint nicht nur Sprache an sich, sondern auch die Art, wie ich Informationen weitergebe. Wen ich an meinen Gedanken teilhaben lasse und in Entscheidungen einbeziehe.

Natürlich funktioniert eine einfache Sprache nicht immer. Die Theologie als Wissenschaft muss komplizierte Sachverhalte wie die Trinität erklären – das geht sicher nicht ohne ein gewisses Fachvokabular. Aber muss ich den Gläubigen wirklich sagen, sie sollen zum Sauerteig werden? Was bitte soll das sein? Kann ich Ihnen stattdessen nicht sagen, dass sie ihren Glauben leben und sich engagieren sollen?

Sicher, Flügges Kritik ist zugespitzt und mitunter polemisch. Ich habe schon oft genug eloquente Priester erlebt, die frei predigen und mich zum Nachdenken gebracht haben. Aber ich habe eben auch solche erlebt, die sich hinter einem Redemanuskript versteckt und an eine Sprache geklammert haben, die die wenigsten verstehen.

Jesus hat uns den Auftrag gegeben, die Frohe Botschaft in alle Welt zu tragen. Doch das funktioniert nur, wenn wir uns auf die Welt einlassen und so mit ihr reden, dass sie die Frohe Botschaft auch versteht.

Von Sophia Michalzik

Contra

Sorry, liebe Nicht-Theologen, aber die Kritik von Erik Flügge kann ich so nicht stehen lassen. Flügge möchte keine "in den Achtzigern hängen gebliebenen Fragen nach dem Sein und dem Sinn" mehr hören. Theologische Anachronismen kritisiert er völlig zu Recht. Aber die Fragen nach Sinn und Sein haben keinesfalls ausgedient! Theologen wollen mit ihrer Rede von Gott erklären, wieso ist, was ist und welcher Sinn dahinter steht. Dazu muss man zunächst einmal viele Frage stellen.

Flügge vergleicht die Theologen mit den Juristen, die ähnlich schwer zu verstehen seien. Das zeugt davon, dass er die Rechtswissenschaftler ebenfalls falsch versteht. Der vielleicht am schwersten zu verstehende Satz des deutschen Rechtswesens findet sich in Artikel 1 des Grundgesetzes. Was ist Würde? Was bedeutet Unantastbarkeit? Der Gedanke von der Unantastbarkeit der Menschenwürde ist deshalb so genial, weil er eben nicht sofort verständlich ist, sondern weil wir durchdenken müssen, um ihn zu verstehen.

Erik Flügge führt als stärkstes Argument für seine Kritik ausgerechnet die Worte des Herrn selbst an. Jesus hätte schließlich zu seinen Jüngern auch in für sie verständlicher Sprache gesprochen.

Eben nicht! Möglicherweise waren die Gleichnisse für die Jünger nachvollziehbar, aber deswegen haben sie Jesus noch lange nicht verstanden. Im Johannesevangelium finden wir den Satz: "Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht; als Jesus aber verherrlicht war, da wurde ihnen bewusst (…)". Erst nach dem Tod Jesu verstanden die Jünger, was er ihnen sagen wollte. Sie brauchten sozusagen das Kreuz als Übersetzungshilfe.

Sorry, liebe Nicht-Theologen, aber so kann diese Kritik nicht funktionieren. Theologen denken sich etwas dabei, wenn sie in ihrer Art sprechen. Wer, wie Erik Flügge, das Gefühl hat, die Theologen würden an einem vorbei reden, sollte sich Fragen, ob er ihnen einfach nur nicht gut genug zuhört.

Von Kilian Martin