Ein Wimpel des Fußballweltverbandes FIFA.
Sportbischof Peters äußert sich zum FIFA-Skandal

"Wirtschaftskriminalität, die Vorstellungen übersteigt"

Es brodelt beim Fußball-Weltverband: Mehrere ranghohe FIFA-Funktionäre verhaftet und Ermittlungen wegen Korruption. Bei all den Skandalen könnte man fast vergessen, dass Sport auch mit Werten zu tun haben sollte.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 29.05.2015

Dass der Fußball und der Sport allgemein jedoch eine Ethik voraussetzen, betonen die vielen kirchlichen Organisationen, die sich nun zu Wort melden: Hilfswerke, Moraltheologen und der Sportbeauftragte der Deutschen Bischofkonferenz, Weihbischof Jörg Michael Peters.

"Es ist offensichtlich, dass es sich hier um einen Fall von Wirtschaftskriminalität handelt, der unsere Vorstellung übersteigt", ärgert sich der Sportbischof über die Zustände bei der FIFA. Dass im Sport Geld zum Lebensunterhalt verdient werde, sei zwar normal, erklärte Peters gegenüber katholisch.de, aber: "Ein gewisses Maßhalten, um Abhängigkeiten zu vermeiden, wäre vor allem auf Seiten der Funktionäre wünschenswert", sagte er.

Transparenz und Reformen bei FIFA gefordert

Von den Festnahmen der Funktionäre erhofft Peters sich eine größere Transparenz in der Finanzverteilung durch die FIFA und im Zustandekommen von Entscheidungen – und nennt etwa die Vergabe von Austragungsorten der Weltmeisterschaften. Gefragt nach Veränderungswünschen bei der FIFA sagt der Trierer Weihbischof, dass der Fußballweltverband in erster Linie koordinieren und Standards festlegen sollte. Und er nennt Dinge, die aus ethischer Sicht der Kirche wichtig wären: "Regeln zum Schutz minderjähriger Spielern wären wünschenswert. Zudem wären Initiativen des Fußballsports - für benachteiligte Jugendliche etwa – denkbar", sagt Peters.

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Audio: © Bistum Trier

Angesichts der Spitzengehälter im Leistungssport, gerade auch im Fußball, befürwortet Weihbischof Peters eine mögliche Begrenzung von Transferzahlungen oder Gehältern.

Weiter mahnt er angesichts der Spitzengehälter im Leistungssport, dass die Sportwelt eine mögliche Begrenzung von Transferzahlungen oder Gehältern ins Visier nehmen könnte. Gleichzeitig gebe es viele "hervorragende Beispiele", wie Spitzensportler, die sich für bessere Chancen im Bereich der Bildung oder der sportlichen Ausbildung für Kinder einsetzten, ergänzt Peters.

Die Kritik des Sportbischofs, aber auch von anderen Kirchenvertretern, richtet sich nicht allein auf die Person von Präsident Sepp Blatter, sondern auf problematische Zustände in der FIFA allgemein. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat ging ebenfalls in die Offensive. Geschäftsführer Stephan Jentgens rief die FIFA zu mehr Transparenz in finanziellen Fragen auf. Gerade der millionenschwere Handel mit TV-Senderechten sei "Schmierstoff für Korruption und Kriminalität".

Jörg Michael Peters, Weihbischof von Trier, im Porträt
Bild: © KNA

Jörg Michael Peters ist Weihbischof von Trier und Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Tübinger Ethiker Dietmar Mieth sprach sich für eine Reform des Weltfußballverbandes aus. Er betonte, dafür müssten die Verbände ihrer Größe nach sortiert und gleichzeitig ein Schutz der kleineren Verbände geschaffen werden. Eine solche Maßnahme sei notwendig, um die demokratischen Elemente in der FIFA zu bewahren. Für Entscheidungen müsse ein hohes Quorum notwendig sein. Der Ethiker rief die FIFA auf, die Vorkommnisse gemeinsam mit der Justiz aufzuarbeiten.

Kirchen kämpfen gegen Ausbeutung bei Sportveranstaltungen

Für die bekannt gewordenen Fälle von Vetternwirtschaft trage Blatter zumindest indirekt Verantwortung, sagte Mieth der Katholischen Nachrichten-Agentur. "Der wohltätige Häuptling hat entweder den Laden nicht im Griff oder trägt Schuld am System selbst." Der Theologe hat unter anderem das "Lexikon der Ethik im Sport" herausgegeben und gehört dem Ethikrat des Deutschen Olympischen Sportbundes an.

Für Weihbischof Peters ist noch ein weiterer Aspekt wichtig: Mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar rief er Kirchen und Öffentlichkeit auf, gegen die Ausbeutung von Billigst-Arbeitskräften und Menschen zu protestieren, die "wie Sklaven ins Land geholt" würden. Ein solches Vorgehen dürfe "nicht unkommentiert bleiben". Er wünsche sich, dass "ganz viele den Mut haben, auf diese prekäre Situation aufmerksam zu machen und nicht zu schweigen."

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Wenn zum Bau der Stadien für die Fußball-WM in Katarskräfte Árbeitskräfte "wie Sklaven ins Land geholt" werden, dürfe das "nicht unkommentiert bleiben", betont Weihbischof Peters.

Er sieht es als Aufgabe der Kirche, sich zu schwierigen Lebensverhältnissen wie etwa in Brasilien zu äußern, das Gastgeberland für die WM 2014 war und wo die Olympischen Spiele 2016 stattfinden sollen. Es sei gut, dass die Kirche etwa mit dem katholischen Sportverband DJK und dem Lateinamerikahilfswerk Adveniat präsent gewesen sei und Themen angestoßen habe, die "bis heute nachhaltig sind".

Adveniat hatte sich bereits vor der WM 2014 mit anderen kirchlichen Organisationen im Aktionsbündnis "Steilpass" für Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen für die Menschen an den Rändern der Gesellschaft eingesetzt. Im März wurde die Petition "Fairness für alle!" mit 10.000 Unterschriften an die Bundesregierung übergeben. Als Aktionsbündnis "Rio bewegt. Uns." stellt das Hilfswerk faire Olympische Spiele und Paralympics in den Fokus.

Wer holt den DFB-Pokal?

Neben dem FIFA-Skandal bewegt die Fußballwelt in Deutschland auch das DFB-Pokalfinale am Samstag. Vor Anpfiff feiert Sportbischof Peters gemeinsam mit dem Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, einen Ökumenischen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Ganz gleich, ob die Borussia Dortmund oder der VfL Wolfsburg gewinnt: Entscheidend sei, wie der Sieger sich dem Verlierer gegenüber zeige, und ob der Zweitplatzierte dem Sieger ehrlichen Herzens gratulieren könne, so Peters.

Bei aller Konkurrenz und allem Wettkampf sei gerade Fußball für ihn vor allem ein Spiel. Viele der Werte, die im Sport vermittelt würden, seien auch für die Kirche wichtig: "Der Mensch darf im Mittelpunkt stehen", nannte Peters als Beispiel. Bei allem Wettkampf fördere Sport die Freundschaft zwischen Menschen, "über die Grenzen von Kulturen, Sprachen und Religionen hinweg". (mit Material von KNA)

Von Agathe Lukassek