Ein Taufbecken
Zwei Mütter diskutieren über das Sakrament der Taufe

"Ich möchte, dass sie im Glauben aufwächst"

Die eine Mutter denkt beim Stichwort "Taufe" an die Kirchensteuer, die andere möchte, dass ihr Kind zur Glaubensgemeinschaft gehört. Während für Monika Specht klar war, dass ihr Kind getauft werden sollte, hat sich Jennifer Reichelt dagegen entschieden. In einem Doppelinterview fragen sie sich gegenseitig nach den Gründen.

Von Janina Mogendorf |  Bonn/Pforzheim - 13.06.2015

Während es für Monika Specht sehr wichtig war, ihre Tochter taufen zu lassen, entschied sich Jennifer Reichelt bewusst dagegen und setzte sich damit gegen den Wunsch ihres Mannes durch. Beide Frauen haben sich nun Fragen zum Glauben und zu religiöser Erziehung gestellt und diese offen beantwortet.

Im ersten Teil befragt Jennifer Reichelt die Bonnerin Monika Specht, für die es aus vielen Gründen selbstverständlich war, ihr Kind taufen zu lassen.

Monika Specht im Porträt
Bild: © privat

Monika Specht lebt mit ihrem Mann und ihrer vierjährigen Tochter in Bonn.

Frage: Warum haben Sie sich entschlossen Ihre Tochter taufen zu lassen?

Sprecht: Ich bin katholisch getauft und sehr religiös aufgewachsen. Für mich sind der Glaube an Gott und der Segen Gottes für mein Kind ganz wichtig. Mein Schwiegervater ist vor seinem Tod aus der Kirche ausgetreten und ich habe gesehen, wie schwierig es ist, dann eine kirchliche Beerdigung zu erhalten. Seither schwingt der Gedanke mit: Wer ausgetreten ist, wird auch nicht mit dem Segen Gottes kirchlich beerdigt. Außerdem wollte ich unsere Tochter hier im katholischen Kindergarten anmelden, der sehr gefragt ist. Wäre sie nicht katholisch getauft gewesen, hätten wir bei der Anmeldung keine Chance gehabt. Es gab also viele Gründe für mich, sie taufen zu lassen. Ich habe damit gewartet, bis sie ein Jahr alt war: So bekam sie ihr Fest selbst auch mit und fühlte sich wohl, in der Rolle der "Hauptperson".

Frage: Warum lassen Sie Ihre Tochter nicht selbst entscheiden, ob sie getauft werden möchte?

Monika Specht: Ich glaube, das könnte sie frühestens ab 15-16 Jahren wirklich selbst entscheiden. Ich möchte aber, dass sie im Glauben aufwächst. Außerdem ist die Erstkommunion schon im Alter von neun und dann wäre sie ein bisschen Außenseiterin bei dem Thema. Aber wenn sie irgendwann doch evangelisch sein möchte, wäre ich dafür offen. Ich fände eine ökumenische Kirche ohnehin sinnvoll.

Frage: Muss man getauft sein, um an Gott zu glauben?

Sprecht: Nein, natürlich nicht. Vor Gott sind alle gleich. Aber es ist ein kleines Zeichen an die Glaubensgemeinschaft, dass mein Kind dazu gehören soll und ich hoffe natürlich, dass sie ein gläubiger Mensch wird. Mir hat das in meiner Kindheit und Jugend und natürlich bis heute immer viel Halt gegeben.

Frage: Warum glauben Sie an Gott?

Sprecht: Das ist mir sicher "in die Wiege gelegt" worden, da meine Eltern auch sehr gläubig sind und kirchlich sehr engagiert sind. Dann gab es in meinem Leben schon einige "Wendepunkte", bei denen ich das Gefühl hatte, dass meine Gebete erhört worden sind beziehungsweise, dass ich nicht alleine gewesen bin. Das ist ein gutes Gefühl. Meine Lieblings-Postkarte ist immer noch: Die Spuren im Sand. Erst zwei nebeneinander, später nur die einer Person und die Aussage "in schweren Zeiten habe ich Dich getragen". So empfinde ich das auch.

Frage: Warum gehen Sie in die Kirche?

Sprecht: Ich gehe nicht mehr so regelmäßig, wie meine Eltern das heute noch tun. Aber wenn ich das Gefühl habe, mal wieder zur Ruhe oder zu mir finden zu wollen, dann gehe ich in die Kirche. Außerdem habe ich das Gefühl, es ist wie bei einem Verein: Wenn keiner hingeht, stirbt die Gemeinschaft. Leider habe ich schon längere Zeit keine Messe mehr erlebt, wie früher, als ich in der katholischen Jugendarbeit engagiert war: Damals haben wir Gospels gesungen, ansprechende Familienmessen gefeiert und nach der Messe noch eine Stunde vor der Kirche gequatscht. Das war Gemeinschaft! Aber ich versuche, mich nun mit der Vorbereitung von Kleinkindergottesdiensten wieder einzubringen und schöne Stimmungen und ansprechende Texte mitzugestalten.

Zur Person: Monika Specht

Monika Specht ist 40 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und ihrer vierjährigen Tochter in Bonn. Die Bankkauffrau ist katholisch aufgewachsen und hat früher katholische Jugendgruppen besucht und diese später auch selbst geleitet. Außerdem hat sich jahrelang als Katechetin Firm-Unterricht gegeben. Heute organisiert sie Kleinkindgottesdienste.

Jennifer Reichelt im Porträt
Bild: © privat

Jennifer Reichelt lebt mit ihrem Mann und ihrer dreijährigen Tochter in Pforzheim.

Im zweiten Teil befragt Monika Specht die Jennifer Reichelt aus Pforzheim, die sich gegen eine Taufe ihres Kindes entschieden hat.

Frage: War es Ihnen immer schon klar, dass Sie Ihr Kind nicht taufen lassen möchten?

Reichelt: Ja, es war mir schon immer klar!

Frage: Warum haben Sie sich dagegen entschieden?

Reichelt: Um sein Kind taufen zu lassen, sollte man ein Kirchengänger sein oder intensiv an Gott glauben. Aber das ist bei mir einfach nicht der Fall. In meinen Augen ist es nur eine Tradition, der alle folgen. Ich habe die Taufe für mich nicht gebraucht und sehe daher auch keinen Grund, mich oder meine Kinder taufen zu lassen. Ich möchte auch nicht, dass meine Kinder später Kirchensteuer zahlen müssen, nur weil ich sie taufen lassen wollte. Ich sehe es an meinem Mann. Er wurde getauft und zahlt Kirchensteuer, hat aber gleichzeitig gar keinen Bezug zu Gott und Kirche. Trotzdem tritt er nicht aus der Kirche aus. Das verstehe ich nicht. 

Frage: Wie hat Ihre Familie/ Ihr Umfeld die Entscheidung aufgenommen?

Reichelt: Meine Seite der Familie sagt nichts dazu. Sie sehen es als meine Entscheidung. Mein Mann und seine Familie sind jedoch gar nicht begeistert, dass unser Kind nicht getauft wird. Sie sagen "man macht das eben so". Das ist für mich aber kein ausreichender Grund!

Frage: Sind Sie selbst in irgendeiner Form gläubig, bzw. glauben Sie an Gott?

Reichelt: Ich wurde mit Gott erzogen. Es wurde mir beigebracht, dass es einen Gott gibt. Wir haben früher, als ich Kind war, vor dem Essen und dem Zubettgehen gebetet. Aber so richtig glaube ich nicht an Gott. Genauso könnte man an Geister glauben. Sobald etwas Mysteriöses passiert, glauben die Menschen, dass es etwas um sie herum gibt, was sie nicht sehen können. Meine Tochter kam mit einem offenen Bauch zur Welt. Heute geht es ihr gut. Dank der Medizin! Ich glaube nicht, dass Gott damit etwas zu tun hat.

Frage: Sollen Ihre Kinder später in der Religionsunterricht gehen?

Reichelt: Ja auf jeden Fall! Ich bin nicht getauft und trotzdem war ich im evangelischen Religionsunterricht. Meine Kinder sollen lernen, wer Gott ist. Sie sollen nicht aufwachsen, ohne die Geschichte Jesu zu kennen. Es kann gut sein, dass Jesus früher gelebt und den Menschen viel Gutes getan hat. Aber ich kann nicht daran glauben, dass jemand um uns herum ist und auf uns aufpasst.

Frage: Würden Sie Ihre Kinder später taufen lassen, wenn sie es selbst wollen?

Reichelt: Wenn sie das Alter haben, um selbst ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und es nicht nur machen, weil andere es auch tun, dann ja. 

Zur Person: Jennifer Reichelt

Jennifer Reichelt ist 27 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und ihrer dreijährigen Tochter in Pforzheim. Im Dezember kommt das zweite Kind. Die Fachverkäuferin ist nicht getauft, wurde aber im Glauben an Gott erzogen. Sie besuchte den evangelischen Religionsunterricht.

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Video: © katholisch.de

Was bedeutet Taufe? - ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".

Von Janina Mogendorf