Außenaufnahme einer Kirche mit Zwiebelturm
Gebeine des Augsburger Heiligen verlassen erstmals die Stadt

Ulrich ist wieder unterwegs

Bistum Augsburg - Über ein Jahrtausend nach seinem Tod verlässt der Augsburger Bistumsheilige Ulrich erstmals wieder seine Heimatstadt. Der Ausflug dauert nur ein paar Stunden - falls die Benediktiner in Ottobeuren ihn wieder hergeben.

Von Bernd Buchner (KNA)  |  Augsburg - 08.07.2015

954 reiste Ulrich nach Rom, wo ihm der Papst jene Kreuzreliquie schenkte, die ein Jahr später den Sieg gegen die Ungarn auf dem Lechfeld bewirkt haben soll.

Altes Kunstwerk mit drei Menschen darauf
Bild: © KNA

Der heilige Ulrich, die heilige Afra und der heiliger Simpertus in einem Kunstwerk von Thoman Burgmair, Augsburg um 1492.

Zur Ruhe kam der berühmte Geistliche wohl erst mit seinem Tod in Augsburg am 4. Juli 973. Nun aber, nach mehr als einem Jahrtausend, macht er sich erneut auf Reisen: Im Rahmen der Ulrichswoche wird der Schrein mit dem Leichnam des Diözesanheiligen am Mittwoch (8. Juli) nach Ottobeuren gebracht. Bischof Konrad Zdarsa feiert in der Benediktinerabtei ein Pontifikalamt mit Ordensleuten und zahlreichen Wallfahrern. Ulrich, der in seinem letzten Lebensjahr selbst Abt in Ottobeuren war, bleibt den ganzen Tag über dort.

"Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoffnung"

Die Ulrichswoche wurde 1955 zur 1.000-Jahrfeier der Lechfeldschlacht begründet. Im vergangenen Jahr nahmen rund 30.000 Gläubige an den Veranstaltungen teil. Diesmal lautet das Motto "Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoffnung". Vorgesehen sind noch bis 11. Juli unter anderem Pilgergänge für Frauen und Männer. Auch eine Sternwallfahrt zur Augsburger Basilika Sankt Ulrich und Afra, der Grablege des legendären Bischofs, gehört zur Ulrichswoche. Von dort wird der Schrein am Mittwochmorgen "feierlich verabschiedet", wie Ulrich Lindl, Hauptabteilungsleiter für kirchliches Leben im Bistum, ankündigt. Rund zwölf Stunden später soll der Heilige dann zurück sein.

Ulrich stammte aus einer vornehmen Adelsfamilie in Oberschwaben und wurde vermutlich in Augsburg geboren. Sein Name bedeutet so viel wie "reich an väterlichem Erbe"; sein Vater war Gaugraf Hupald von Dillingen. Als Kind wurde Ulrich im berühmten Kloster Sankt Gallen ausgebildet und "lernte benediktinischen Geist kennen", wie Lindl sagt. Das erklärt auch, warum er als Nicht-Ordensmann zum Abt in Ottobeuren werden konnte. Fünf Jahrzehnte lang war er Bischof von Augsburg. Zur Ehre der Altäre erhoben wurde Ulrich bereits 20 Jahre nach seinem Tod, 993 - es war die erste durch einen Papst vorgenommene Heiligsprechung.

Zdarsa predigt im Augsburger Dom.
Bild: © KNA

Konrad Zdarsa ist Bischof von Augsburg.

Jene Kreuzreliquie, die den Bischof 955 gegen die Ungarn siegen ließ, wird wie der Schrein des Heiligen in der Augsburger Ulrichsbasilika aufbewahrt. Das Ulrichskreuz enthält der Überlieferung zufolge ein Teilchen vom Kreuz Christi. Die Reliquie wurde 1183 dem Ulrichsgrab entnommen und im späten Mittelalter in ein Silbergehäuse eingefasst, das wiederum in ein prächtiges goldenes Kreuz eingefügt wurde. Während der Ulrichswoche, die am vergangenen Freitag begann, ist der kostbare Gegenstand des öfteren zu sehen. Am Tag der Reise nach Ottobeuren bleibt das Kreuz hingegen als "Platzhalter", so Lindl, in der Ulrichsbasilika.

"Den behalt'mer"

In Ottobeuren blickt man Ulrichs Visitation "mit frohen Gefühlen" entgegen. Abt Johannes Schaber spricht von einem "historischen Ereignis" und fügt hinzu: "Da wird Geschichte lebendig." Die Benediktiner sind seit dem 9. Jahrhundert in Ottobeuren ansässig, das heutige prächtige Abteigebäude stammt aus der Barockzeit. Wäre der "schwäbische Escorial" als letzter Wirkungsort Ulrichs nicht auch eine geeignete Grabstätte für den Heiligen? Augenzwinkernd berichtet Schaber, er habe dem Augsburger Generalvikar Harald Heinrich vor kurzem im Scherz gesagt: "Den behalt'mer." Heinrichs lakonische Antwort: "Ich glaube nicht."

Von Bernd Buchner (KNA)